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EM 2016: Frankreich mit Bayern-Star Coman auf den Spuren des DFB-Teams von 2010
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Publiziert 25/05/2016 um 00:16 GMT+2 Uhr
Frankreich geht als Topfavorit in die EM 2016 im eigenen Land. Eine junge Garde um Paul Pogba und Antoine Griezmann erinnert an die deutsche Nationalmannschaft von 2010. Der französischen Legende Marcel Desailly gefällt besonders ein Spieler, der vom FC Bayern München kommt und nicht Franck Ribéry heißt. Dabei offenbart Kingsley Coman bei aller Klasse das vielleicht entscheidende Manko.
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Vor zehn Jahren wurde die damals unwiderlegbare These strapaziert, dass Deutschland bei Turnieren in Deutschland stets Weltmeister wird. Dann kam die WM 2006, und der schöne Geist von 1974 verflüchtigte sich.
Macht nichts, denken sich die Franzosen und beschwören das ebenfalls gültige Faktum des Heimvorteils; obendrein sind sie nicht auf Weltmeisterschaften beschränkt, was dem Ganzen noch mehr spirituelle Substanz einräumt. EM 1984 und WM 1998 fanden beide in Frankreich statt, am Ende gewann immer: Frankreich.
Folglich liefert Marcel Desailly, Mitglied der 1998er Équipe, ein unschlagbares Argument für die EM 2016, die in Frankreich steigt. Dabei braucht sich der Alt-Internationale gar nicht auf fußballerische Vergangenheiten berufen - auch die Aktualität lässt sich gut an. Wahrscheinlich so verheißungsvoll wie lange nicht für die "Grande Nation".
Desailly bewertet Frankreich als EM-Favorit, "noch vor Deutschland". Warum das? "Ihr habt große Erfahrung, aber keine Stürmer." Indes fehle Frankreich just jene Zutat, die Deutschland besäße: Erfahrung.
Gameiro schießt Klopp ab - und ist nicht einmal im Kader
Wäre er willig gewesen, hätte Nationaltrainer Didier Deschamps auf den ein oder anderen Arrivierten zurückgreifen können, so ist es ja nicht. An Bayerns Franck Ribéry, nach der WM 2014 zurückgetreten und offenbar mit einem Comeback kalkulierend, dachte Deschamps jedoch "keine Sekunde". Sein früherer Kollege Desailly stimmt zu:
Andere Kandidaten im Mittel-Alter sind wenigstens auf Abruf nominiert. Hatem Ben Arfa (29) von OGC Nizza, 18 Pflichtspieltore in dieser Saison. Oder Sevillas Kevin Gameiro (29), der seine berauschende Runde im Europa-League-Finale gegen Jürgen Klopps Liverpool mit dem 29. Treffer krönte. Dass Frankreich glaubt, solche Akteure entbehren zu können, verdeutlicht die Qualität in Spitze und Breite.
"Es ist eine sehr, sehr gute Generation", weiß Desailly, "ich vergleiche sie mit dem Deutschland der WM 2010, die den Start einer neuen Generation markiert hat". Damals bestritten die DFB-Youngster Manuel Neuer, Mesut Özil, Sami Khedira und Thomas Müller ihr erstes Turnier, vier Jahre später wurden sie Weltmeister.
Coman soll das "Besondere" einbringen
Das Aufgebot der Équipe Tricolore bietet nun ähnliche Voraussetzungen: Eliaquim Mangala (25, Manchester City), N'Golo Kanté (25, Leicester City), Anthony Martial (20, Manchester United), natürlich Paul Pogba (23, Juventus Turin) sowie Antonie Griezmann (25, Atlético Madrid).
Und dann ist da noch Kingsley Coman. 19 Jahre, drei Länderspiele, ein Tor.
Spricht Desailly über den Profi des FC Bayern München, funkelt sein Blick. "Er zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht", sagt er.
Große Worte von einem, der 116 Mal für Frankreich auflief, davon 50 Mal als Kapitän. Coman ist ein Joker, buchstäblich. Bei Bayern, das ihn 2015 für zwei Jahre inklusive Kaufoption von Juventus Turin auslieh, hat er sich prompt einen Namen gemacht: diese Wendigkeit, die Dribblings, das Tempo, das Freche, der Witz. Desailly bilanziert:
Acht Titel (!) hat der Flügelspieler, der bald 20 wird, in seiner kurzen Karriere schon gewonnen (drei mit Paris Saint-Germain, drei mit Juve, zwei mit Bayern). Aber das reicht ihm nicht. Im "Guardian" nannte Coman sein "ultimatives Ziel, der beste Fußballer der Welt zu werden, auch wenn ich noch weit davon entfernt bin".
Atlético zeigte, was Coman noch abgeht
37 Einsätze mit sechs Toren und zwölf Vorlagen summierte er in seinem bayerischen Debütjahr auf. Bei den Halbfinal-Highlights gegen Atlético aber zeigte sich, was Grünschnabel Coman verständlicherweise noch abgeht: Die von Desailly propagierte Erfahrung, um Unbekümmertheit in Cleverness zu lenken, ohne den kindlichen Spieltrieb zu verlieren.
Bei der EM trifft Frankreich auf Rumänien, Albanien und die Schweiz. Es soll bloß der Anfang sein. 1984 und 1998 schreien nach Fortsetzung.
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