Die deutsche Nationalmannschaft spielte in der Anfangsphase offensiv sehr schwungvoll und war dominant. Schon in der 5. Minute bugsierte Robin Gosens eine Flanke von Matthias Ginter artistisch ins Tor, Serge Gnabry stand aber zuvor im Abseits, sodass es zunächst beim 0:0 blieb.
Auch in den Minuten danach tauchten die Deutschen immer wieder gefährlich im portugiesischen Strafraum auf. Havertz schoss aus 20 Metern aufs linke untere Eck, doch Portugals Keeper Rui Patricio tauchte ab und entschärfte den Ball (10.).
Doch das erste Tor erzielte Portugal. Nach einer Ecke des DFB-Teams trieb Bernardo Silva den Ball über die rechte Seite und spielte einen herrlichen Diagonalball in den Lauf von Diogo Jota. Der legte im Strafraum von der linken Seite quer zu Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Kapitän musste nur noch einschieben (15.).
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EM 2021: So kommt Deutschland ins Achtelfinale
17/06/2021 AM 23:01
Danach musste sich das deutsche Team erst einmal berappeln, blieb aber weiterhin die spielbestimmende Mannschaft. Beide Teams hatten die eine oder andere Halbchance, doch genau in dieser Phase gelang der Ausgleich. Eine Flanke von rechts erreichte Gosens links im Strafraum, der leitete wuchtig ins Zentrum weiter - vom Fuß von Portugals Verteidiger Rúben Dias, der mit Kai Havertz im Zweikampf war, sprang der Ball zum 1:1 ins rechte untere Eck (35.).
Kurz danach gelang sogar der Führungstreffer. Thomas Müller brachte vom Strafraumeck einen cleveren Chipball an den Fünf-Meter-Raum, wo Havertz in die Luft stieg und so Portugals Keeper Patrício verwirrte. Der Ball landete am rechten Pfosten bei Joshua Kimmich, dessen Hereingabe schoss Raphaël Guerreiro beim Klärungsversuch ins eigene Tor (39.). In der 44. Minute hatte Gosens noch eine große Chance, seinen Schuss von der linken Seite im Strafraum hielt Patrício.
Auch nach der Pause startete das DFB-Team ähnlich rasant wie im ersten Durchgang und belohnte sich mit dem Treffer zum 3:1. Müller bediente Gosens stark im Strafraum, der brachte von links eine präzise Hereingabe flach vor das Tor. Dort vollendete Havertz sicher. In der 60. Minute krönte Gosens seine starke Leistung mit einem eigenen Treffer. Kimmich durfte von rechts flanken und fand am linken Pfosten den deutschen Linksverteidiger, der unbedrängt einköpfte.
Danach fehlte den Portugiesen zunächst das Tempo im Angriff, durch eine Standardsituation kam das Team um Superstar Ronaldo trotzdem zum Anschlusstreffer. Eine Flanke auf den langen Pfosten landete bei Ronaldo, der brachte den Ball zurück ins Zentrum, wo Diogo Jota komplett frei den Ball ins Tor schoss (67.).
In der 79. Minute schoss der eingewechselte Renato Sanches nach einer kurz ausgeführten Ecke noch mit einem Vollspannschuss an den linken Pfosten, ansonsten blieben die Portugiesen in der Schlussphase zwar gefährlich, konnten aber keine Großchance herausspielen. So gewann das DFB-Team das zweite EM-Gruppenspiel auch in der Höhe verdient 4:2.

Die Stimmen:

Joachim Löw (Bundestrainer): "Insgesamt war das eine Klasseleistung: tolle Einstellung, tolle Moral. Wir haben zu Recht auch in der Höhe gewonnen und viele Chancen herausgespielt. Eine tolle Leistung. Es war von Anfang an Tempo in den Aktionen, auch über die Außenpositionen. Unser Plan ist gut aufgegangen. Die Dinge, die wir gegen Frankreich nicht so gut gemacht haben, haben wir gut hinbekommen, das war auch so zu erwarten. Das 4:0 war natürlich eine tolle Flanke und ein unglaublicher Kopfball von Gosens. Das Spiel seines Lebens hat er vielleicht noch vor sich. So ein Spiel ist immer eine Nervenschlacht, auch für einen Trainer. Das geht hoch und runter."
Robin Gosens (Deutschland): "Das fühlt sich unwirklich an, ein unfassbarer Abend auf allen Ebenen für mich. Mehr kann man sich nicht wünschen. Ich habe mich von Beginn an gut integriert gefühlt, heute. Am Ende des Tages: weltklasse! Das war leidenschaftlich, eine riesige Partie von uns. Wir haben alles reingeworfen. Es war richtig Druck auf dem Kessel. Hätten wir die drei Punkte nicht mitgenommen, sähe es anders aus. Wir haben uns gegenseitig gepuscht, auch mal für eine defensive Grätsche. Das ist doch affengeil!"
Kai Havertz (Deutschland): "Wir können zufrieden sein mit der Leistung. Wir haben sie gut bespielt. Es war wichtig, nach dem Frankreich-Spiel nicht alles über den Haufen zu werfen, sondern uns treu zu bleiben. Wir vertrauen dem System, und wir vertrauen den Spielern. Ungarn wird ein schwerer Gegner, den man nicht unterschätzen darf, sehr defensivstark. Das wird wieder ein harter Brocken."
Thomas Müller (Deutschland): "Das macht einfach Spaß bei dieser Stimmung. Da kocht der Kessel. Wir hatten viele gute Aspekte, aber auch viele Dinge, die wir noch verbessern müssen. Sowas kann am Ende Punkte kosten. Jetzt haben wir die drei Punkte, jetzt sind wir gut im Turnier und haben es in der eigenen Hand. Jetzt dürfen wir nicht überdrehen und nicht überheblich werden - aber wir dürfen an unsere Qualität glauben. Wir dürfen eine kleine Euphorie spüren."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Im zweiten Spiel greift Löws Fünferkette

Nach der 0:1-Auftaktniederlage gegen Frankreich wurde die taktische Ausrichtung, die Bundestrainer Joachim Löw wählte, teils heftig kritisiert. Die Fünferkette sorgte zwar in weiten Phasen für Stabilität, aber offensiv erspielte sich das Team zu wenige Chancen. Gegen Portugal änderte Löw an der taktischen Ausrichtung nichts, dieses Mal zeigte das DFB-Team offensiv aber eine sehr starke Leistung und erspielte sich in beiden Halbzeiten zahlreiche Chancen. Das mag auch an der qualitativ schwächeren Defensive Portugals im Vergleich zu Frankreich liegen, aber die beiden Außenverteidiger Robin Gosens und Joshua Kimmich waren auch viel besser in das Offensivspiel eingebunden. Gosens leitete das Eigentor von Dias ein, Kimmich leitete das Eigentor von Guerreiro ein. Das 3:1 durch Havertz bereitete Gosens vor, das 4:1 erzielte er selbst - vorbereitet von Kimmich von der rechten Seite. So waren die beiden defensiven Außenbahnspieler an allen vier Toren beteiligt.

Die Statistik: 12 - 7 - 4

Die deutsche Nationalmannschaft gab im zweiten Gruppenspiel gegen Portugal zwölf Schüsse ab, die Statistiker zählten zudem sieben Torschüsse. Diese beiden Zahlen untermauern die Durchschlagskraft des deutschen Teams. Im Vergleich zum Spiel gegen Frankreich hatte das Angriffsspiel der deutschen Mannschaft viel mehr Tiefe und viel mehr Bewegung. Damit kam Portugal über 90 Minuten nie so richtig zurecht. In der Offensive zeigten alle Spieler eine gute Leistung. Kai Havertz war sehr beweglich und torgefährlich, Thomas Müller spielte kluge Pässe und ging kluge Wege und Serge Gnabry arbeitete mit vielen Sprints, mit denen er die portugiesische Hintermannschaft unter Druck setzte, extrem viel. So gelang es, vier Tore zu erzielen - die dritte Zahl, die Ausdruck der guten deutschen Angriffsleistung ist.
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