EM - Deutschland vs. Ungarn: Das DFB-Team in der Einzelkritik - Sané und Gündogan unterirdisch
Publiziert 23/06/2021 um 22:56 GMT+2 Uhr
Deutschland steht nach einem 2:2 (0:1) gegen Ungarn in der Fußball Arena München im Achtelfinale der Europameisterschaft. Eine Zitterpartie, bei der die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw sich nicht mit Ruhm bekleckerte. Nur Leon Goretzka, Mats Hummels und Kai Havertz waren im Eurosport-Check besser als Note 4, dafür gab es gleich viermal die 5. Die deutschen Profis in der Einzelkritik.
Leroy Sané - Deutschland
Fotocredit: Imago
Was für eine Achterbahnfahrt für Deutschland.
Die DFB-Auswahl zittert sich mit einer schwachen Leistung in allen Mannschaftsteilen in die nächste Runde.
Manuel Neuer bekam wieder kaum eine Hand an den Ball. Mr. Zuverlässig Ginter patzte bei beiden Gegentoren.
Toni Kroos und Ilkay Gündogan konnten die Konter nicht verhindern und vorne enttäuschte Leroy Sané auf ganzer Linie.
Das DFB-Team in der Einzelkritik
Manuel Neuer: Die Allianz Arena leuchtete in blau, seine Kapitänsbinde dagegen in Regenbogenfarben. Ansonsten ging dieses Turnier für den Keeper so weiter, wie es begonnen hatte. Er holte den Ball aus dem Netz. Vier der ersten sechs Torschüsse bei diesem Turnier waren drin. Kam beim zweiten Gegentor zu spät. Das hat man schon besser gesehen.
Joshua Kimmich: Fand mit seinem ersten Lauf hinter die Kette der Ungarn gleich gut in die Partie und hatte aus spitzem Winkel, die erste Halbchance (4.). Wurde von Fiola auf rechts hart bearbeitet und immer wieder auch mit Fouls gestoppt. Fragte nach einer der vielen Attacken mal beim Schiedsrichter im 4-Non-Blondes-Stil nach: „What’s going on?“ In der Rückwärtsbewegung nicht immer konsequent. Wurde nach der Pause erlöst und rückte ins Zentrum an Kroos’ Seite. Aber mit viel weniger Einfluss auf das Spiel als gewohnt.
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Klare Kante: Kimmich analysiert Zitterpartie gegen Ungarn
Quelle: Perform
Matthias Ginter (bis 82.): War bisher die Zuverlässigkeit in Person. Hing beim 0:1 aber gleich doppelt mit drin. Spielte zuerst die ziemlich ziellose Flanke in die ungarische Abwehr und fand dann mit Hummels nicht die richtige Abstimmung bei der Verteidigung von Szalai. Machte mit seinem Rausrücken dann auch den Raum vor dem 1:2 auf.
Mats Hummels: Leitete in seinem 75. Länderspiel mit einem klassischen Hummels-Pass hinter die letzte Linie die erste Chance von Kimmich ein (4.). Hatte mit seinem Kopfball an die Latte Pech (21.), sah aber beim Gegentreffer nicht gut aus, weil Szalai ihm im Rücken davon lief. Zeigte seine Präsenz bei Standards dann auch vor dem Ausgleich, als er Gulacsis Fehler nutzte und Havertz das 1:1 servierte.
Antonio Rüdiger: Frankreichs Sechser-Legende Patrick Vieira stellte zuletzt seine Spielintelligenz infrage. Manche Entscheidungen stelle seine Kollegen vor Probleme. So auch vor dem 0:1, als er sich aus der Dreierkette ziehen ließ, aber dann irgendwo im Nirgendwo stand.
Robin Gosens (bis 82.): Was sollte nach diesem „Spiel seines Lebens“-Länderspiel gegen Portugal kommen?! Auf jeden Fall hatten ihn die Ungarn viel mehr auf der Rechnung als Ronaldo und Co. War erstaunlich abgeschnitten Spiel, weil Deutschland fast nur über rechts angriff. Durfte in Halbzweit zwei immerhin etwas mitspielen, aber insgesamt war ein Angriff über links nur selten eine Option für die deutschen Mittelfeldspieler.
Toni Kroos: Bekam in Ballbesitz keine Struktur ins deutsche Spiel und offenbarte im defensiven Umschaltspiel altbekannte Schwächen, die auch beim 0:1 sichtbar wurden. Konnte zunächst im Mittelfeld den Konter nicht unterbinden und ließ dann Sallai zu einfach flanken. Dazu: Schwache Standards. Hatte mit seinem einzigen Vorstoß die Chance zum 2:2, verzog nach Doppelpass mit Gosens knapp.
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Deutschland - Ungarn
Fotocredit: Getty Images
Ilkay Gündogan (bis 58.): Hat irgendwo zwischen Manchester (Bombensaison in der Premier League), Porto (Champions-League-Finale), Herzogenaurauch (Home Ground) und München (EM-Spiele) seine Form verloren. Hat offensiv kaum Einfluss auf das Spiel und ist defensiv nicht konsequent. Hätte als erster Spieler den Konter vor dem 0:1 unterbinden müssen, ging dem Zweikampf aber aus dem Weg. Nach dem Seitenwechsel noch eine Position höher, aber weiterhin blass.
Leroy Sané (bis 58.): Bekam etwas überraschend den Vorzug vor Goretzka und ersetzte den angeschlagenen Thomas Müller. Versuchte sich in ähnlicher Umtriebigkeit und wechselte häufig mit Gnabry im Sturmzentrum ab, war aber als Einzelkämpfer unterwegs. Sein Spiel wirkte nicht abgestimmt. Nach der Pause dann auf dem rechten Flügel gegen den Quälgeist Fiola. Dort wurden seine defensiven Schwächen bitter für das deutsche Team. Verhinderte zunächst kurz vor dem Strafraum per Handspiel Schlimmeres, kam dann vor dem 1:2 nicht in den Zweikampf gegen Schäfer. Vergab mit einem verunglückten Querpass kurz vor Schluss sogar die Chance auf den Gruppensieg.
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Löw verteidigt Sané: Darum war es so schwer für den Bayern-Star
Quelle: Perform
Kai Havertz (bis 67.): Überzeugte noch gegen Portugal als eine Art Reinkarnation von Michael Ballack, indem er immer wieder aus dem Mittelfeld in den Strafraum stieß. Fand dafür gegen diese tief stehenden Ungarn keinen Platz. Trieb sich deshalb eher rund um den Strafraum herum. Beim Ausgleich war der Ballack-Vergleich dann wieder zulässig.
Serge Gnabry (bis 67.): Ließ sich zu Beginn immer wieder aus dem Zentrum nach hinten und außen fallen, merkte aber schnell, dass es auch da wenig Raum für seine Tempoläufe gab. Als Sane auf rechts außen rückte, blieb Gnabry im Zentrum. Verschwand dann völlig.
Leon Goretzka (ab 58. für Gündogan): Löw gab Sane der Vortritt, weil Goretzka größere Räume benötigt. Die gab’s natürlich auch nicht, als er nach knapp einer Stunde kam. Tat sich auch dementsprechend schwer. War mit seinem Zug zum Tor aber dann zur Stelle, als es sein musste. Machte das 2:2.
Thomas Müller (ab 67. für Gnabry): Kam, um den Einzug ins Achtelfinale zu sichern. Hatte nicht einmal den Ball am Fuß, da stand es schon wieder 1:2. Danach bemüht, aber auch der Raumdeuter fand keine Räume.
Timo Werner (ab 67. für Havertz): Auch ein Spieler, der eigentlich Räume für seine Läufe in die Tiefe braucht. Wich dann auch auf die Seite und nach hinten aus. Vor dem 2:2 mit dem ersten Abschluss, der Goretzka vor die Füße fiel.
Jamals Musiala (ab 82. für Gosens): Wurde mit seinem Einsatz zum jüngsten Turnierspieler der deutschen Geschichte. Leitete dann mit Übersicht gleich das 2:2 ein.
Kevin Volland (ab 82. für Ginter): Musste dieses Mal nicht als Linksverteidiger ran, sondern durfte wirklich ins Zentrum. War vorne drin, als der Ausgleich fiel.
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Quelle: Perform
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