England ist nur in Ansätzen seiner Rolle als EM-Mitfavorit gerecht geworden. Die Mannschaft von Teammanager Gareth Southgate besiegte Tschechien dank ihrer besten Turnierleistung mit 1:0 (1:0), sicherte sich dadurch noch den Sieg in Gruppe D und ein weiteres Heimspiel.
Am kommenden Dienstag geht es erneut im Wembley-Stadion im Achtelfinale gegen den Zweiten der Gruppe F - nach derzeitigem Stand wäre das die deutsche Mannschaft.
Raheem Sterling schoss das goldene Tor (12.) und sorgte für anhaltende Freudengesänge beim zuletzt unzufriedenen Anhang. Es war der zweite Turniertreffer des Außenstürmers von Manchester City - und der zweite der weiterhin gegentorlosen Three Lions, die ihren Ruf als Minimalisten festigten.
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Drei Dinge, die uns auffielen.

1. England hat zwei Gesichter

Die Three Lions sind als Gruppenerster ins Achtelfinale eingezogen - ohne Gegentor. Das liest sich beeindruckend. Ist es aber auf den zweiten Blick eher nicht.
Das Team von Gareth Southgate hat viel Potenzial, zeigt gute Ansätze. Doch zu diesem Zeitpunkt, in dieser Konstellation, ist es nicht in der Lage, so viel Euphorie auf der Insel zu erzeugen, dass die Welle sie noch weit tragen könnte. England lässt zu viele Fragen offen: Was passiert, wenn es mal einen Rückstand gibt? Wo ist der Plan B?
Zu selten blitzte gegen Tschechien auf, was England tatsächlich liefern kann. Kein Zweifel, die erste Hälfte war insgesamt stark. Das Spiel gegen den Ball war sehr gut, vorne wurde aktiv begonnen zu verteidigen. Das hielt den Gegner vom eigenen Tor fern.
Mit Ball brachte Raheem Sterling das gewünschte Tempo mit, die Hereinnahmen von Bukaya Saka und Jack Grealish machten sich zudem bezahlt. Dieses Trio war unter anderem für die verdiente Führung verantwortlich.

Raheem Sterling

Fotocredit: Getty Images

Es waren auch überraschende Elemente im Spiel der Engländer zu finden. Herausragend scharfe Pässe aus der Abwehr heraus von Harry Maguire und John Stones fanden immer wieder den umtriebigen Harry Kane, der sich phasenweise tief fallen ließ und zu einer Art Spielgestalter wurde.
Was dann jedoch regelrecht schockte, war die Tatsache, dass alle positiven Attribute nach dem Seitenwechsel verschwunden waren. Und weil auch die Tschechen nicht mehr wollten, waren die zuvor noch so gefährlichen Three Lions nur noch zum Gähnen. Querpässe über Querpässe, keine Laufbereitschaft, keine Impulse durch Einwechslungen, keine Torschüsse.
"Das Wichtigste ist, dass wir das Spiel gewonnen haben", sagte Sterling lapidar. Ob sie dem hohen Tempo Tribut zollen mussten? Ob ihnen die Ideen ausgingen? Das beantwortete er nicht. Angesichts der noch drohenden Herausforderungen (Portugal, Deutschland, Frankreich im Achtelfinale) ist es jedoch sehr fraglich, dass die Engländer die nächste Runde überstehen können. Ein Vorteil sind sicher die dann zugelassenen 60.000 Zuschauer in Wembley.
"Wenn du das Turnier gewinnen willst, musst du jeden schlagen können", weiß Sterling. Es klang nach einem frommen Wunsch.

2. Saka spielt sich ins Rampenlicht

Glänzend war nicht alles, was England am Dienstagabend bot. Doch die Leistung von Saka war es definitiv. Southgate hatte sich etwas überraschend für seine Hereinnahme in die Startelf entschieden - und der 19-Jährige zahlte das Vertrauen zurück und zeigte, dass er künftig eine Säule im Nationalteam werden kann.
Für sein Alter ist der Spieler vom FC Arsenal unheimlich weit. Er verfügt über enorme Geschwindigkeit, ist in der Lage, die Gegenspieler mit dieser anzurennen und dabei den Ball zu kontrollieren. Bricht er dabei durch, ist er unberechenbar.

Bukaya Saka

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Keiner weiß, ob er flankt oder passt oder abschließt. Er vereint sämtliche Fähigkeiten. "Wir sind total beeindruckt von ihm", erklärte Southgate. So vielseitig wie sein Skillset sind die Möglichkeiten, ihn einzusetzen. Gegen Tschechien agierte er verstärkt auf der rechten Angriffsseite, im Verein spielt er eigentlich nur links.
Saka gehört zu einigen Talenten, die aktuell in England heranreifen. Jude Bellingham, Mason Mount, Phil Foden und Jadon Sancho gehören ebenfalls dazu und nähren Träume von einer glorreichen Zukunft.

3. Southgate reicht Sancho die Hand

Es mutete grotesk an, dass der BVB-Star Jadon Sancho, in der Schlussphase der Bundesliga in Top-Form, bislang so gar keine Rolle bei dieser EM spielte. Sancho steht für Kreativität in der Offensive, bei Borussia Dortmunde kommt der 21-Jährige auf 90 Scorerpunkte in 104 Bundesliga-Einsätzen.
Doch der Trainer hielt ihn hin und begründete die Maßnahme damit, dass es eben auch andere gute Offensivspieler gebe.

Jadon Sancho - England

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Seinen Frust darüber konnte Sancho auf der Bank nur schwerlich verbergen. Die Einwechslung in der 84. Minute, die von den Fans im Stadion lautstark begrüßt wurde, spricht immerhin dafür, dass Southgate Sancho nun die Hand gereicht hat. Was sie gemeinsam daraus machen, bleibt abzuwarten.
Gemeinhin sollte davon auszugehen sein, dass ein Sancho für jede Offensive ein Gewinn sein dürfte. Vor allem, wenn es darum geht, sich gegen Teams wie Frankreich oder Deutschland Chancen zu erspielen.
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