Zwei Spiele, ein Tor.
Das ist die magere Bilanz der von vielen Experten hochgelobten englischen Nationalmannschaft nach zwei Gruppenspielen. Na gut, immerhin stand die Defensive der Three Lions bislang sicher und hielt sich schadlos, doch das Weiterkommen ist noch nicht fix.
Gerade die fehlende Kreativität in den Angriffsreihen bei dem Team von Trainer Gareth Southgate sorgt für Erstaunen. Denn weder gegen Kroatien (1:0) und noch weniger gegen Schottland (0:0) konnten Kapitän Harry Kane, Phil Foden und Raheem Sterling überzeugen.
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Gegen Kroatien gab man acht Schüsse ab, davon gingen nur zwei auf das Tor. Im Duell gegen Schottland waren es neun Schüsse, von denen nur ein einziger in Richtung Tor flog. Trotz lauter Fanunterstützung im heimischen Wembley stottert der Offensivmotor gewaltig.

Englands Nationaltrainer Gareth Southgate (links) im Gespräch mit Jadon Sancho

Fotocredit: Getty Images

Jadon Sancho noch ohne EM-Einsatz

Umso verwunderlicher, dass Dortmunds Flügelstürmer Jadon Sancho bislang noch keine Berücksichtigung von Southgate fand. Zwei Spiele, null Minuten stehen für den 21-Jährige zu Buche. Im Duell gegen Kroatien saß Sancho sogar auf der Tribüne.
"Du hast jemanden wie Sancho auf der Bank, 16 Toure und 20 Vorlagen (in 38 Pflichtspielen) in dieser Saison – und er kommt nicht einmal ins Spiel, obwohl wir mehr Gefahr gebracht hätten", staunte der ehemalige englische Nationalspieler und heutige TV-Experte Ian Wright nach der trostlosen Nullnummer gegen Schottland.
Raphael Honigstein, Experte und Insider für den englischen Fußball, amüsierte sich auf Twitter ironisch über die Ausbootung des BVB-Spielers: "Ein Team, dass einen Jadon Sancho gleich zweimal nicht spielen lässt, muss eine phänomenale Offensive haben."
Von den Spielernamen mag das zustimmen, doch liefern tut diese nicht. Im Gegenteil: Tottenham-Superstar Kane wirkt wie ein Fremdkörper und hat kaum Ballkontakte. Zudem harmoniert das Zusammenspiel mit den ManCity-Außenstürmern Sterling und Foden bislang überhaupt nicht.

Experten verwundert über Sancho-Degradierung

Von der Bank brachte Southgate im ersten Spiel Marcus Rashford, Dominic Calvert-Lewin und Jude Bellingham, im zweiten neben Rashford Jack Grealish. Die möglichen fünf Wechseloptionen pro Partie zog der Trainer also nicht. Dabei hätte ein Sancho, der eine starke Saison beim BVB gespielt hat, das Angriffsspiel der Three Lions belegen können.
Rio Ferdinand vermutet, dass die Degradierung Sanchos keine sportlichen Gründe hat. "Ich verstehe das wirklich nicht. Man hat einfach so ein großes Talent da rumsitzen. Er muss hinter den Kulissen irgendetwas gemacht haben", sagte der englische Ex-Nationalspieler bei "Five".
Dieser Überzeugung ist auch Christoph Kramer. "Ich kann es mir nur mit Disziplin erklären. Sancho ist ein herausragender Spieler und würde auch England krass guttun", meinte der Weltmeister von 2014 im "ZDF".
In den Medien werden derweil weitere Gründe für den Sancho-Verzicht genannt. Während die "Bild"-Zeitung spekuliert, dass Southgate Sancho aufgrund der Transfersaga mit einem möglichen Wechsel zu Manchester United außen vor lässt, berichtet die "Daily Mail", dass der Trainer nicht komplett von den Fähigkeiten des 21-Jährigen überzeugt sei.
"Ich glaube nicht, dass das Niveau in Deutschland ganz so hoch ist wie in England", sagte Southgate vor dem EM-Start mit Bezug auf die Bundesliga. Auch defensiv in der Arbeit gegen den Ball soll der 50-Jährige mit Sancho nicht zufrieden sein.

BVB-Star Jadon Sancho kam für England bei der EM bislang nicht zum Einsatz

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Jadon Sancho als Unterschiedsspieler

Dennoch sind die Qualitäten von Sancho unbestritten. Mit seinen Tempodribblings und seinem Zug zum Tor ist der Dortmunder immer für unvorhersehbare Aktionen gut und kann damit zum Unterschiedsspieler werden.
"Ich halte viel von Sancho. Mit seinen Eins-gegen-Eins-Duellen, als Vorbereiter und als Torjäger ist er brandgefährlich. Er besitzt viel Potenzial, er hilft einer Mannschaft weiter. Darum wird er im Laufe des Turniers auch für England noch wertvoll werden", ist sich Manchester-United-Trainerlegende Sir Alex Ferguson im Interview mit der "Sport Bild" sicher.
Und auch Southgate hat bereits andeuten lassen, dass die Nummer 17 der Three Lions für das dritte Gruppenspiel gegen Tschechien (am Dienstag ab 21 Uhr im Liveticker) eine Option sei: "Wir haben einige gefährliche Optionen und viele davon sind junge Spieler, die das erste Mal bei einem großen Turnier dabei sind. Deshalb haben wir als Trainerteam realistische Erwartungen. Jadon ist auch einer davon. Er hat in den vergangenen Tagen gut trainiert."
Nach den bisher gezeigten Turnierleistungen der Engländer muss ein Kreativspieler wie Sancho zwingend gegen Tschechien zum Einsatz kommen.
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