EM: Italien ist Europameister - Sieg im Elfmeterschießen gegen England - Donnarumma wird zum Held

Italien hat sich in Wembley zum zweiten Mal nach 1968 zum Fußball-Europameister gekrönt. Das Team von Roberto Mancini bezwang England im EM-Finale 3:2 (1:1, 1:1, 0:1) im Elfmeterschießen. Gianluigi Donnarumma hielt gleich zwei Strafstöße. Luke Shaw hatte die Three Lions bereits in der zweiten Minute in Führung gebracht, Leonardo Bonucci glich für die Squadra Azzurra aus (67.).

Italien ist Europameister

Fotocredit: Getty Images

Das große Finale im Londoner Wembley-Stadion startete furios, denn nach nur 117 Sekunden explodierte die Arena im Norden der englischen Hauptstadt. Die knapp 65.000 Fans, darunter ca. 60.000 Anhänger der Three Lions, durften das frühe Führungstor von Außenverteidiger Luke Shaw bejubeln. Der Linksverteidiger von Manchester United platzierte eine Hereingabe von Kieran Trippier per Dropkick aus spitzem Winkel in der unteren linken Ecke. Gianluigi Donnarumma konnte den Einschlag aus wenigen Metern nicht verhindern (2.).
Die sonst so sattelfeste italienische Defensive war also bereits früh geschlagen. Italien wirkte überrascht vom forschen Auftreten des Teams von Gareth Southgate. Ein Freistoß von Lorenzo Insigne aus 18 Metern, der jedoch deutlich zu hoch angesetzt war, sollte lange der einzige Torschuss der Azzurri bleiben (8.).
England wirkte konzentriert, kombinationsfreudig und spielte weiter nach vorn. Kyle Walker schickte Trippier mit einem feinen Schnittstellenpass, doch dessen Hereingabe fing Routinier Giorgio Chiellini im Zentrum ab (11.).
Wagten sich die Italiener Mal vor, fehlte es im letzten Drittel an Präzision. Erst fand Federico Chiesa keinen Mitspieler (23.), dann wurde auch Insignes Pass in aussichtsreicher Position abgefangen (25.). Zwischenzeitlich bangten die Azzurri um Mittelfeld-Herzstück Jorginho, der sich bei einer Aktion das Bein überstreckt hatte. Für den Champions-League-Sieger vom FC Chelsea ging es aber weiter (23.).
In den letzten 15 Minuten vor der Pause konnten die Italiener das Spielgerät dann erstmals über längere Zeit in den eigenen Reihen halten. Gefährlich wurde es aber nur einmal: Chiesa zog nach einer Einzelaktion mit links aus 20 Metern flach ab, der Ball zischte knapp am rechten Pfosten vorbei (35.).
In der vierminütigen Nachspielzeit blockte John Stones dann noch einen Dropkick von Ciro Immobile, der anschließende Nachschuss von Marco Verratti stellte kein Problem für Jordan Pickford dar (45.+1). Dann war Halbzeit. Der Treffer von Shaw blieb Englands einziger Schuss aufs Tor im ersten Abschnitt.
Im zweiten Abschnitt bot sich den Zuschauern im Stadion und an den TV-Geräten ein komplett anderes Bild. Italien dominierte plötzlich nach Belieben und kam auch zu den entsprechenden Torchancen. Fünf Minuten nach dem Seitenwechsel verfehlte Insigne mit einem angeschnittenen Freistoß knapp den oberen rechten Giebel des englischen Tores (51.), zehn Minuten später fischte Pickford einen exzellenten Rechtsschuss von Chiesa aus dem Eck (62.).
Die Engländer wankten – fünf Minuten später kamen sie zu Fall. Eine italienische Ecke von der rechten Seite wurde per Kopf an den zweiten Pfosten zu Verratti verlängert, dessen Kopfball Pickford noch stark an den linken Pfosten leitete. Dann spritzte aber Leonardo Bonucci dazwischen uns staubte aus kurzer Distanz zum verdienten Ausgleich ab (67.).
Der eingewechselte Domenico Berardi hatte in der 73. Spielminute – nach einem langen Schlag vom Torschützen Bonucci – gar das 2:1 auf dem Fuß. Pickford hatte beim Herauskommen gezögert, wodurch der Joker als erstes an den Ball kam. Die Direktabnahme des Mannes von US Sassuolo flog jedoch über die Latte (73.).
In der Schlussviertelstunde, samt samt sechs Minuten Nachspielzeit, ging keines der beiden Teams mehr ins große Risiko, dementsprechend hieß es nach 90 Minuten 1:1. Es kam zur Verlängerung.
Die gefährlichste Szene im ersten Abschnitt konnte Italien für sich verbuchen: Nachdem Emerson auf der linken Seite seinen Gegenspieler aussteigen ließ und in die Mitte passte, kam Pickford gerade noch vor dem einschussbereiten Fernando Bernardeschi an den Ball (103.). Mehr als ein Phillips-Distanzschuss sprang für England nicht heraus (97.).
Nach dem abermaligen Seitenwechsel prüfte eben jener Bernardeschi den englischen Keeper noch einmal mit einem wuchtigen Distanz-Freistoß, doch der Schlussmann hatte die Kugel im Nachfassen (107.). Auf der Gegenseite segelte Stones haarscharf an einer Flanke von Harry Kane vorbei (108.). Nach 120 Minuten hieß es 1:1, es kam zum Elfmeterschießen.
Nachdem Berardi und Kane ihre Strafstöße verwandelt hatten, scheiterte Andrea Belotti an Pickford. England konnte den zwischenzeitlichen Vorteil jedoch nicht zum Turniersieg nutzen. Die extra für das Elferschießen eingewechselten Marcus Rashford (Pfosten) und Jadon Sancho (gehalten) vergaben. Jorginho hatte für Italien die Entscheidung auf dem Fuß, scheiterte aber an Pickford und dem Pfosten. Darauf folgte Bukayo Saka, der an Donnarumma scheiterte und somit Italien zum Europameister machte.

Die Stimmen zum Spiel:

Roberto Mancini (Trainer Italien): "England war sehr stark, sie sind früh in Führung gegangen. Aber die Jungs… ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wunderbar, einfach wunderbar. Dieser Moment ist sehr wichtig für uns alle, für alle Fans. Ich hoffe, dass in unserem Land jetzt alle feiern. Wir sind einfach nur glücklich."
Leonardo Bonucci (Italien): "Es ist einfach unglaublich wenn ich daran denke, wo wir angefangen haben. Wir waren ganz unten aber hatten einfach die richtigen Leute, um uns aus dem Loch zu holen. Wir müssen uns bei allen bedanken: Beim Trainer, beim Präsidenten, beim Team, beim Team hinter dem Team – dieser Pokal ist der Verdienst von allen. Es war ein großes Spektakel! Wir nehmen den Pokal jetzt voller Stolz mit nach Rom."
Harry Kane (England): "Wir hätten nicht mehr geben können. Es war nicht unsere Nacht, aber wir hatten ein fantastisches Turnier und gehen mit erhobenem Haupt. Die Niederlage tut natürlich weh, aber wir sind auf dem richtigen Weg und können hoffentlich darauf aufbauen. Wir haben alles getan, was wir konnten, aber es sollte nicht sein. Aber so etwas kann passieren. Jeder kann einen Elfmeter verschießen. Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen, die Jungs werden daran wachsen und es wird uns noch mehr Motivation geben, im nächsten Jahr bei der WM besser zu sein."

Der Tweet zum Spiel:

Sie haben es geschafft! Italien bezwingt England im Elfmeterschießen und krönt sich zum Europameister. Entscheidender Mann an diesem Abend: Der erst 22-jährige Schlussmann Donnarumma, der zudem auch zum Spieler des Turniers gewählt wurde.

Das fiel auf: Wechselspiele entscheiden das Finale

Italien hatte Probleme mit Englands System-Umstellung. Shaw und Trippier hatten auf den Außenbahnen wiederholt zu viel Platz. Nicht verwunderlich, dass eine Co-Produktion dieser beiden die frühe Führung besorgte. Nach etwas mehr als einer halben Stunde hatten sich die Azzurri akklimatisiert, konnten trotz längerer Ballbesitzphasen aber kaum Gefahr erzeugen. Gegen gut sortierte Three Lions fehlte es im Umschaltspiel an Tempowechseln und Überraschungsmomenten. Besonders West Hams Declan Rice machte ein überragendes Spiel und gewann als Abräumer vor der Abwehr nahezu alle seine Zweikämpfe.
Mancini zog von der Seitenlinie aus seine Schlüsse aus dem Spiel und reagierte – wie so oft in diesem Turnier – mit den richtigen Umstellungen. Berardi kam für Immobile, Insigne ging vom Flügel ins Zentrum und agierte von nun an als falsche Neun. Prompt kippte das Spiel, Italien drängte England hinten rein und kam zum Ausgleich.
Im Gegensatz zu Mancini verzettelte sich Gareth Southgate bei seinen personellen Anpassungen. Mit Rashford, Sancho und Saka vergaben gleich drei Joker ihre Elfer - der entscheidende Faktor an diesem durchaus engen Abend im Wembley.

Die Statistik: 2

Durch den Sieg im Elfmeterschießen beendet Italien eine lange Durststrecke: Letztmals wurde die Suqadra Azzurra im Jahre 1968 Europameister. Nun dürfen sich die Azzurri über den zweiten EM-Titel der Verbandsgeschichte freuen.
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Chiellini scherzt über Wettrennen mit Sterling

Quelle: Perform

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