EM: Joachim Löw ist "not amused" über Ärger und Chaos vor Klassiker im Wembley gegen England

Mit einer fünfminütigen Ansprache schwor Bundestrainer Joachim Löw seine Stars auf das "absolute Highlight" gegen England im EM-Achtelfinale am Dienstag in London ein. Sein Credo: "Jetzt geht es um alles oder nichts!" Umso irritierter zeigte er sich über das Trainingsverbot der UEFA auf dem "heiligen" Rasen. Zudem trübte die unübersichtliche Corona-Lage im Virusvariantengebiet die Stimmung.

Joachim Löw beim Training in Herzogenaurach

Fotocredit: Getty Images

Auch das Reiseverbot für die deutschen Fans und personelle Probleme schmälern Löws Vorfreude auf das eigentlich "schönste Spiel, was man sich vorstellen kann".
Klassensprecher Thomas Müller stimmte bei der Autogrammstunde mit Kindern voller Vorfreude die Fan-Hymne "Football's coming home" an, und nicht nur England-Spezialist Kai Havertz ist richtig "heiß" auf den ewigen Klassiker im Fußball-Tempel Wembley. London is calling, doch Joachim Löw zeigt sich "not amused" - der verstimmte Bundestrainer wittert Wettbewerbsverzerrung und hat aus mehreren Gründen erhöhten Redebedarf.
Vor dem Training am Sonntag machte sich der Bundestrainer im Fitnesszelt eine gute Viertelstunde ein Bild von seinen Spielern. Dort radelte Ilkay Gündogan, den seit dem Ungarn-Spiel eine Schädelprellung plagt - er verpasste das zweite Teamtraining nacheinander, das Löw erst mit zehnminütiger Verspätung anpfiff. Antonio Rüdiger fehlte wegen einer leichten Erkältung, Havertz quälte sich mit Schürfwunden am Knie durch. Sicher ausfallen wird nur Lukas Klostermann (Oberschenkel).

Müller: "Die Lust ist groß"

Geht es nach Müller, der seine Knieprobleme überwunden hat, sollen nach dem Klassiker nur die Three Lions leiden. "Wir wollen immer wieder in diese englische Turnierwunde reinstechen. Wir wollen sie unsicher machen", sagte er über die inzwischen 55 Jahre voller britischer "Schmerzen" seit dem WM-Triumph 1966, die er selbst am Samstag mit Kumpel Mats Hummels besang. In der Kathedrale Wembley zu spielen, werde "ein Genuss und ein Leckerbissen für die Zuschauer", glaubt Müller: "Die Lust ist groß."
Knapp 40.000 Fans sollen England nach vorne peitschen, die DFB-Elf dagegen hat nur 1500 bis 2000 auf der Insel lebende Deutsche im Rücken. Publikumsliebling Robin Gosens sagte:
Dass auf der Insel überhaupt vor Fans gespielt wird, findet Gosens "grenzwertig", auf das Duell an sich aber hat er "richtig Bock" und "schon richtig Gänsehaut".

DFB-Abschlusstraining in Herzogenaurach statt Wembley

Dass das Abschlusstraining nicht auf dem von bisher vier EM-Spielen ramponierten Platz im Stadion stattfinden kann, sei allerdings ein weiterer "Wermutstropfen", ließ Löw ausrichten. Er hätte bei seiner Abschiedsmission "in dieser besonderen Turnierphase sehr gerne dort trainiert".
Die letzte Einheit am Montag findet nun noch im "Campo" in Herzogenaurach statt, um 16.30 Uhr fliegt die Nationalmannschaft von Nürnberg aus in die englische Hauptstadt. "Wembley liegt uns", sagte Kapitän Manuel Neuer voller Selbstvertrauen. Die letzte deutsche Niederlage dort datiert aus dem Jahr 1975 (0:2). Seither jubelte in sieben Duellen, darunter das legendäre EM-Halbfinale 1996 (6:5 i.E.), stolze sechs Mal die DFB-Elf.

DFB-Elf will gegen England wieder ihr "wahres Gesicht" zeigen

Doch die zeigt sich bei dieser EURO als launige Diva. Müller behauptete:
Gosens ist sicher: "Portugal war unser wahres Gesicht."
Doch auch England gibt Rätsel auf. Die Abwehr ist noch unbezwungen, die vielen hochtalentierten Offensivspieler um Harry Kane aber suchen fast ausnahmslos ihre Form. "Sie haben vorne unfassbar viel Speed", warnte Gosens. Für Müller ist es daher entscheidend, dass die DFB-Auswahl "ein bisschen eklig" ist.
Die Stimmung im Team ist ungebrochen gut. Beim Treffen unter Corona-Bedingungen mit 300 im Adi-Dassler-Stadion blühte der Flachs. Timo Werner und Bernd Leno versahen Müller-Porträts auf dem Autogrammposter mit Bärten und Hüten. Als Chelsea-Profi Havertz nach dem kommenden Europameister gefragt wurde, antwortete er: "Natürlich Deutschland!" Müllers Reaktion: "Jawoll Kai, du hast dich fürs Team qualifiziert."
Löw und sein Stab fehlten bei den Selfies auf Abstand: Der Bundestrainer, hieß es, feile am England-Plan.
(SID)
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"Müssen eklig sein": Müller erklärt, worauf es gegen England ankommt

Quelle: Perform

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