EM - Leroy Sané nur noch Sündenbock: Was jetzt mit dem Bayern-Star passieren muss

Leroy Sané läuft seiner Bestform und den Erwartungen bei der EURO 2020 hinterher. Der Unterschiedspieler unterscheidet sich nicht mehr von einem Durchschnittsspieler. Die dürftigen Leistungen in den EM-Gruppenspielen sind aber auch ein Spiegelbild seiner Saison beim FC Bayern München. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Und ihn jetzt als Sündenbock abzustempeln, ist definitiv zu einfach.

Leroy Sané beim EM-Spiel gegen Ungarn

Fotocredit: Getty Images

Leroy Sané polarisiert. Weil er etwas Besonderes ist, von dem Besonderes erwartet wird. Bei der EURO 2020 ist dem 25-jährigen Offensivstar vom FC Bayern München wenig gelungen.
Es war bislang nicht sein Turnier und es wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr werden.
Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Ungarn (2:2), das für Deutschland gerade noch so zur Qualifikation für das EM-Achtelfinale gegen England (Dienstag, 18:00 Uhr im Liveticker) gereicht hat, hat sich dieser Eindruck zementiert. Was also tun?
"Löw muss sich in seinen letzten Spielen entscheiden, wie er mit Leroy Sané umgeht. Er ist so ein toller Fußballer, der sein Potenzial leider viel zu selten abruft. Er hat aus meiner Sicht genug Chancen bekommen, die er nicht genutzt hat, was wirklich schade ist", schrieb Ex-Nationalspieler Michael Ballack in seiner "Sportbuzzer"-Kolumne dazu.

Startelf für Leroy Sané wohl kein Thema mehr

Die Konsequenz dürfte Ballack aber auch klar sein. Der Bundestrainer, der bei seinem letzten Turnier auf den maximalen Erfolg fokussiert ist und keine Rücksicht auf Namen oder Entwicklung legt, wird das Thema Sané und Startelf abgehakt sein.
Was Löw von ihm sehen will, sind Schnelligkeit, tiefe Läufe und Dribblings. Das, was Sané eben auszeichnet. Gegen Ungarn überforderte er ihn allerdings auch mit einer neuen Rolle auf der rechten Angriffsseite als Vertretung für Thomas Müller, bei der er viel Arbeit in der Defensive verrichten musste. Das Resultat: mangelhaft. Sogar die eigenen Fans pfiffen von den Rängen.
"Wir haben Leroy ganz rechts an den Flügel geschickt, in der Hoffnung, dass er dort im Eins-gegen-Eins und mit der Schnelligkeit nach innen und außen durchbrechen kann. Aber das ist auch nicht so gelungen", sah Löw ein, was noch vorsichtig formuliert war. Denn jeder konnte sehen, dass er wütend aufgesprungen war, als er sah, wie Sané erst einen Eckball ins Nirwana schickte und dann bei einem Konter den frei stehenden Kevin Volland ignorierte.
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Löw verteidigt Sané: Darum war es so schwer für den Bayern-Star

Quelle: Perform

Körperlich fit - mental auch?

Die Szenen zeigten aber auch: Irgendwas stimmt nicht. Sané ist nicht frei. Körperlich ist er fit, sein Spitzentempo liegt unverändert bei 35,23 km/h. Gegen Ungarn bestritt er die meisten Zweikämpfe (21).
Das Problem liegt derzeit mehr im mentalen Bereich. Es ist ein bekanntes Phänomen bei Ausnahmespielern, die auf dem Rasen von ihrer Individualität leben. Unter anderem Mesut Özil und Arjen Robben können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, wenn die Liebe der Fans ausbleibt.
Erschwerend hinzu kommt, dass Sané - ähnlich wie Mario Götze einst beim FC Bayern - noch nach einer wirklich festen Position sucht. Er braucht einen Trainer, der ihm eine solche klar zuweist.
Vor allem muss Sané nun selbst lernen, mit dieser kritischen Phase umzugehen. Löw wird ihm dabei kaum helfen, Mitspieler im harten Fußball-Geschäft auch nur bedingt. Als leicht zugänglich gilt Sané ohnehin nicht. Dass er sich zurückkämpfen kann, hat er im vergangenen Jahr immerhin eindrucksvoll nach seinem Kreuzbandriss bewiesen.
Akzeptiert er selbst, dass er künftig in der Nationalmannschaft und im Verein nicht der große Superstar, sondern zunächst Herausforderer ist, kann er nach Einwechslungen auch kleine Erfolge wieder genießen und versucht vielleicht nicht sofort, den Unterschied mit einem besonders außergewöhnlichen Trick zu kreieren. Denn so etwas klappt nur, wenn nach seinem Körper auch der Kopf wieder bei 100 Prozent ist.
Hermann Gerland, zuletzt Co-Trainer bei Bayern, verriet im "Bild"-Podcast "Phrasenmäher", dass er Sané sagte, er habe das Zeug zur Weltklasse - aber dafür müsse er seine Mentalität ändern. Er ist überzeugt: "Er ist ein total guter Junge."
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Bundestrainer Jogi Löw gibt Leroy Sane Anweisungen

Fotocredit: SID

Julian Nagelsmann spielt wichtige Rolle

Seine Stärken liegen auf der Hand: Schnelligkeit, mit und ohne Ball, Eins-gegen-Eins. "Er ist prädestiniert für das Konterspiel und ein sehr guter Schnittstellenläufer. Zudem ist Leroy torgefährlich - als Torschütze und Vorbereiter. Durch seine Kreativität macht er auch mal etwas Unvorhergesehenes, positiv Verrücktes", betonte sein ehemaliger Förderer auf Schalke, Norbert Elgert, einst in der "Abendzeitung".
Für Sanés weitere Entwicklung wird entscheidend sein, wie der künftige Bayern-Trainer Julian Nagelsmann mit ihm plant. Absolviert Sané dieses Mal die komplette Vorbereitung und findet Nagelsmann die richtige Rolle für ihn, ist die Basis für eine erfolgreiche Zukunft gelegt. Für dessen präferierten Fußball-Stil ist Sané grundsätzlich perfekt geeignet. Auch zur Philosophie des künftigen Bundestrainers Hansi Flick passt er.
Polarisieren wird Sané weiterhin. Er ist ein Künstler. Aber er weiß auch: Nach Rückschlägen wieder aufzustehen, ist die größte Kunst.
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Klare Kante: Kimmich analysiert Zitterpartie gegen Ungarn

Quelle: Perform

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