Dänemark, das Wales im Achtelfinale mit 4:0 aus dem Turnier geschossen hatte, erwischte den perfekten Start ins Viertelfinale gegen Tschechien.
Bereits nach fünf Minuten musste die Mannschaft von Trainer Jaroslav Silhavy – das im Achtelfinale Mitfavorit Niederlande eliminiert hatte – den Rückstand hinnehmen. Jens Stryger Larsen schlug eine Ecke von der rechten Seite hoch an den Elfmeterpunkt, wo Thomas Delaney völlig ungedeckt ins linke Eck köpfen konnte (5.). Pikant am Tor: Die Ecke hätte es nicht geben dürfen, da Ondrej Celustka nicht als Letzter am Ball war.
In der 12. Minute machte erstmals Tschechiens Goalgetter Patrik Schick auf sich aufmerksam, dessen Schuss aber von Andreas Christensen abgeblockt wurde. Nur Sekunden später hätte es auf der Gegenseite beinahe erneut geklingelt. Nach einem langen Ball von Pierre-Emile Höjberg erlief sich Shootingstar Mikkel Damsgaard den Ball und spitzelte die Kugel am heruaseilenden Tomas Vaclik vorbei. Vladimir Coufal war jedoch mitgelaufen und stoppte den Versuch noch vor der Linie (13.).
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Die Dänen schnupperten in diesen Minuten am 2:0, doch nach einer Flanke von Larsen traf Delaney die Hereingabe mit seinem schwächeren Rechten nicht satt – aus zehn Metern rechts vorbei (17.). Fünf Minuten nach diese Szene führte ein Fehlpass von Kasper Schmeichel, in die Füße von Coufal, zur bis dato besten Chance der Tschechen. Letztendlich machte der Keeper seinen Fehler gegen Tomas Holes` Schuss aus spitzem Winkel wieder gut, indem er den Winkel gut verkürzte und sauber parierte (22.).
Im weiteren Spielverlauf vergab Tomas Soucek eine Kopfballchance nach einer Ecke (26.), Martin Braithwaite schoss auf der Gegenseite aus spitzem Winkel hinters Tor anstatt hinein (27.). Auch Holes verpasste mit seiner Direktabnahme in der 35. Minute erneut den Ausgleich – sein Versuch kam genau auf Schmeichel.
Vor der Pause drehte die Truppe von Kasper Hjumland dann aber nochmal auf: Erst scheiterte Damsgaard mit einem satten Schuss aus halbrechter Position am gut-reagierenden Vaclik (38.), dann musste der vertragslose Schlussmann doch noch hinter sich greifen. Eine traumhafte Außenrist-Flanke von Joakim Maehle verpasste Braithwaite knapp mit dem Kopf, doch Kasper Dolberg lauerte dahinter und hielt den Fuß zum 2:0 für Dänemark hin (42.). Das war auch der Pausenstand.
Tschechiens Trainer Jaroslav Silhavy reagierte und brachte Jakub Jankto und Machael Krmencik für Tomas Holes und Lukas Masopust – die Wechsel fruchteten direkt, Tschechien kam mit Dampf aus der Kabine.
Kremncik prüfte Schmeichel aus 18 Metern mit einem strammen Distanzschuss (46.), nur eine Minute später lenkte der Schlussmann Antonin Baraks Aufsetzer mit einer Glanzparade eindrucksvoll um den linken Pfosten (47.). Tschechien ließ jedoch nicht locker und wurde belohnt: Eine halbhohe Hereingabe von Coufal verlängerte Schick vom Elfmeterpunkt aus präzise mit der Innenseite ins linke untere Eck zum Anschlusstreffer (49.).
Die Dänen hatten zu diesem Zeitpunkt komplett den Faden verloren, das Spiel drohte zu kippen. Auch Hjumland tauschte, brachte Yussuf Poulsen und Christian Norgaard für Kasper Dolberg und Mikkel Damsgaard – danach wurde es wieder besser.
Eine Co-Kombination der beiden Joker führte zu einer Großchance auf das 3:1, doch Soucek grätschte in letzter Sekunde dazwischen (62.). Bei der Rettungsaktion verletzte sich Soucek am Kopf und bekam einen Kopfverband verpasst. Einige Zeit später bekam auch Boril einen "Turban" – Tschechien kämpfte.
Dennoch wurde es nur noch selten richtig zwingend. Die Dänen dagegen setzten immer wieder Nadelstiche. Sowohl Poulsen (69./78.) als auch Maehle (82.) hätten bereits zeitig alles klar machen können, doch der überragende Vaclik hielt alles, was auf sein Tor kam. Vorne passierte bei den Tschechen jedoch nichts Nennenswertes mehr, wodurch Dänemark unterm Strich verdient ins Halbfinale einzog.

Die Stimmen zum Spiel:

Simon Kjaer (Dänemark): "Es ist Wahnsinn. Wir hatten vor der EM das Ziel, nach Wembley zu fahren. Aber ich würde auch lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass wir schon zufrieden sind. Es war eine wahnsinnige Leistung von uns."
Kasper Hjulmand (Trainer Dänemark): "Ich bin so stolz. Es ist hervorragend, wie die Mannschaft arbeitet und alles auf dem Platz gibt. Ich glaube, ganz Dänemark ist so froh und stolz. Auch wir sind sehr froh und genießen den Moment."
Patrik Schick (Tschechien): "Wir sind sehr enttäuscht, für uns ist hier alles zu Ende. Ich denke, wir haben alles getan, um erfolgreich zu sein. Aber wir hatten in den letzten Minuten nicht die Kraft, das Spiel zu unseren Gunsten zu drehen."

Der Tweet zum Spiel:

Martialische Szenen auf dem Spielfeld: Sowohl Soucek als auch Coufal spielten mit Platzwunden weiter – mangelnde Leidenschaft kann man den Tschechen nach dem Aus jedenfalls nicht vorwerfen.

Das fiel auf: Delaney stark, Silhavys Wechsel sorgen für kurzes Störfeuer

BVB-Akteur Thomas Delaney mauserte sich – nicht nur durch sein Treffer zum 1:0 – zum Akteur der ersten Hälfte. Der dänische Mittelfeldmotor verpasste zwar in der 17. Minute das 2:0 für sein Team, machte die vergebene Chance aber durch eine Zweikampfquote von 70% aber wieder vergessen.
Sein Nebenmann Höjberg bediente die Offensive um Damsgaard, Dolberg und Braithwaite immer wieder mit guten Pässen aus dem Mittelfeld. Die drei Offensiven rotierten immer wieder auf ihren Positionen uns sorgten so für etwas Verwirrung beim Gegner. Bei den Tschechen ging fast alles über die rechte Seite von Coufal und Masopust, wirklich zwingend wurde es aber zu selten.
Jaroslav Silhavy wechselte zur Pause und traf damit den Nerv der Dänen, die nach dem Anschluss kurzzeitig den Faden verloren. Nach Schicks verletzungsbedingter Auswechselung zehn Minuten vor Schluss schien der Offensivdrang dann aber endgültig gebrochen. Leidenschaftlich kämpfende Tschechen unterlagen letztendlicher der individuellen Klasse der Dänen.

Die Statistik: 5

Patrik Schick erzielte seinen fünften Treffer bei dieser EM und ist nun Rekordtorschütze Tschechiens bei Europameisterschaften. Weitere Treffer werden für den gebürtigen Prager in Diensten von Bayer 04 Leverkusen jedoch nicht hinzukommen.
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