England vs. Kroatien - Drei Dinge, die bei der EM auffielen: Phillips lässt Modric alt aussehen
Publiziert 13/06/2021 um 19:09 GMT+2 Uhr
England hat sein EM-Auftaktspiel gegen Kroatien am Sonntag im Wembley-Stadion von London knapp, aber überzeugend für sich entschieden. Dabei kristallisierte sich nicht nur die interessante Spielidee von Trainer Gareth Southgate heraus, sondern auch ein neuer Boss im Mittelfeld der Three Lions. Kroatien war indes kaum wiederzuerkennen. Drei Dinge, die auffielen.
Luka Modric
Fotocredit: Getty Images
Englands junge Ballzauberer haben den schier ewigen Fluch des verpatzten EM-Starts nach 53 Jahren endlich gebannt.
Die hoch gewetteten Three Lions nahmen im ersten Topspiel der EURO mit einem 1:0 (0:0) gegen Kroatien süße Revanche für das verlorene WM-Halbfinale 2018 - und sie bejubelten Englands ersten Sieg zum EM-Auftakt im zehnten Versuch seit 1968.
Nach temporeichem Auftakt verflachte das Spiel vor 22.500 Zuschauern in Wembley - bis Raheem Sterling (57.) einen genialen Pass von Kalvin Phillips verwertete. Weitere Gegner beider Teams in der Gruppe D sind Schottland und Tschechien.
Drei Dinge, die uns auffielen.
1. Englands neue Stärke: Wenig Ego, viel Esprit
Trainer Gareth Southgate musste sich in der Vergangenheit so oft für seine Aufstellung rechtfertigen, sie erklären und anpassen. Jetzt stehen sieben Länderspielsiege in Serie und der erste EM-Auftaktsieg der Geschichte in der Statistik.
Die Three Lions sind in ihrer Entwicklung definitiv auf dem richtigen Weg - die solide Leistung gegen Kroatien hat das bestätigt. Die Stärke des Kaders, in den es Jadon Sancho von Borussia Dortmund überraschend nicht einmal geschafft hatte, liegt in der Ausgewogenheit. In der Startelf finden sich keine "Blöcke" - und beispielsweise keine Spieler von ManUnited, dem FC Liverpool oder dem FC Arsenal - sondern Akteure aus insgesamt acht Premier-League-Klubs.
Wenig Ego, viel Esprit, Teamgeist. Kombiniert mit der flotten Spielidee, die Southgate etabliert hat, macht das meist konservativ agierende England - auch etwas überraschend - zu einer attraktiven Mannschaft.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/13/3152550.jpg)
Jubeltraube um Raheem Sterling
Fotocredit: Getty Images
Wenn es Phil Foden, Mason Mount und Sterling gelingt, Speed aufzunehmen - wie in den ersten zehn Minuten der Partie - wird es gefährlich. Harry Kane reißt vorne wichtige Löcher, der Spielaufbau von John Stones und Tyron Mings mutet vielversprechend an. Das Prunkstück ist allerdings das kraftvolle wie kreative Mittelfeld mit Declan Rice und Phillips.
Es sind viele positive Ansätze zu sehen: Die langen Bälle in die Tiefe, das Wirbeln der Offensiv-Akteure zwischen den Linien. Aber die Erwartungshaltung der eigenen Fans auf der Insel an das Team ist enorm hoch. Fraglich ist zudem, wie sehr das intensive Spiel an die Substanz geht. Auffällig war gegen ein insgesamt schwaches Kroatien nämlich auch, wie schnell die Kräfte nachließen.
Viel Speed war nur noch selten zu sehen. "Es wird ein harter Weg, aber wir haben gut begonnen. Ein gutes Zeichen für das ganze Turnier", bilanzierte Kapitän Kane.
2. Kalvin Phillips - WHAT A PLAYER!
International hat er sich noch keinen Namen gemacht - doch sein Marktwert dürfte nach der Vorstellung in Wembley exorbitant angestiegen sein. Ein großes Turnier kann sich wie ein Durchlauferhitzer auf die Karriere eines Profis auswirken - und Phillips ist jetzt "on fire".
Fans von Leeds United, die ihren Spieler natürlich besser kennen, werden wissend genickt haben. Im Verein ist der 25-Jährige das persönliche Projekt von Coach Marcelo Bielsa, der ihn zu einem perfekten Mittelfeldspieler formen will. Nun steht fest: Er hat es nahezu vollendet. Phillips war gegen Kroatien einfach überall.
Etwas vorgelagerter als Rice setzte er das kroatische Mittelfeld mit Pressing unter Dauerdruck, ergriff bei Ballbesitz selbst Initiative, erspielte sich Chancen und krönte seine Leistung letztlich mit dem hervorragenden Assist für Sterling, der das Siegtor erzielen konnte. "Das Anspiel war perfekt", lobte der Schütze. Southgate schenkt Phillips, der robust ist und zweikampfstark, seit jeher viel Vertrauen.
Erstmals hatte er ihn ins Nationalteam berufen, als dieser noch Zweitliga-Spieler war. Jetzt hat Phillips auch die letzten Zweifler verstummen lassen. "Von einem möglichen Startelfkandidaten, hat er sich selbst zum Stammspieler gemacht", lobte der ehemalige Nationalspieler und aktuelle "BBC"-Experte Jermaine Jenas im TV. Im Clash gegen Schottland dürfte tatsächlich kein Weg an ihm vorbeiführen.
3. Kroatien kaum wiederzuerkennen
Personell hat Kroatien einiges zu bieten mit Luka Modric als Spielgestalter sowie den gefährlichen Angreifern Ante Rebic, Ivan Perisic und Andrej Kramaric. Doch was auf dem Papier gut aussieht, hat gegen England auf dem Rasen nicht funktioniert.
Die drei Angreifer waren wie abgeschnitten vom Spiel, Modric mit Defensivaufgaben ausgelastet und so nicht fähig, die Stürmer mit Bällen zu füttern. Grundsätzlich wirkten die Kroaten träge, uninspiriert und entsprachen so gar nicht ihrer eigentlichen kämpferisch-starken Attitüde. Im WM-Halbfinale hatte sich Kroatien vor drei Jahren gegen England durchgesetzt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/13/3152402.jpg)
England vs. Kroatien
Fotocredit: Getty Images
Jetzt haben sich die Kräfte verschoben. Apropos Modric: Der 35-Jährige wird die vielen Aufgaben im Mittelfeld nicht allein übernehmen können, er braucht dringend Unterstützung. So eine, wie sie ihm Ivan Rakitic lange Zeit gegeben hat.
Trainer Zlatko Dalic sah die Defizite natürlich auch: "Wir wollten in der zweiten Halbzeit mehr nach vorne machen, aber wir haben einen Fehler gemacht und das Tor kassiert." Er bemühte sich nach der ersten EM-Auftaktspielniederlage für Kroatien überhaupt, nicht pessimistisch zu wirken: "Wir werden kämpfen und ich werde mein Team weiter nach vorne pushen."
Das könnte Dich auch interessieren: "Lächerliche" Optionen: Schmeichel kritisiert UEFA nach Fortsetzung scharf
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/06/13/3152240-64600528-2560-1440.jpg)
Emotionales Statement: Hjulmand erklärt Spielfortsetzung
Quelle: Perform
Werbung
Werbung