EM - Drei Dinge, die bei Niederlande gegen Österreich auffielen: David Alaba erlebt unschönen Abend
Publiziert 18/06/2021 um 00:22 GMT+2 Uhr
Die Niederlande steht nach einem überzeugenden 2:0 (1:0)-Sieg gegen Österreich im Achtelfinale der EURO 2020. Für Oranje war es der zweite Erfolg im zweiten Spiel der Gruppe C. David Alaba erlebte am Donnerstag dagegen einen eher unschönen Abend in Amsterdam. Der beim FC Bayern München berühmt gewordene und künftige Spieler von Real Madrid verursachte einen Strafstoß. Drei Dinge, die auffielen.
David Alaba
Fotocredit: Getty Images
Nach 13 Jahren Wartezeit ist "Oranje" im Eiltempo in die K.o.-Runde der Fußball-EM gestürmt. Mit dem 2:0 (1:0) gegen Österreich im zweiten Vorrundenspiel in Amsterdam zogen die Niederlande auf dem schnellsten Weg als Gruppensieger ins Achtelfinale ein.
Memphis Depay (11., Foulelfmeter) und Denzel Dumfries (67.) sorgten mit ihren Toren vor 16.000 Zuschauern in der Johan Cruyff Arena für das Ende einer Durststrecke. Denn die Elftal hatte es zuletzt 2008 aus der EM-Vorrunde heraus geschafft, 2012 war sie als Vize-Weltmeister in der deutschen Gruppe gescheitert, 2016 wie bei der WM 2018 gar nicht qualifiziert. Gegner im Achtelfinale könnte die deutsche Nationalmannschaft sein, wenn sie Gruppendritter werden sollte.
Die Niederlage der Österreicher, die vor dem letzten Gruppenspiel am Montag gegen die Ukraine weiter gute Chancen auf das Weiterkommen haben, leitete ausgerechnet Kapitän David Alaba ein. In seinem 83. Länderspiel, mit dem er mit der Legende Herbert Prohaska gleichzog, verursachte der langjährige Bayern-Star schon früh einen Elfmeter.
Drei Dinge, die uns auffielen.
1. David Alaba: Bisserl deppert
Er begann entschlossen, lautstark, willensstark. Doch David Alaba wirkte als Abwehrchef der österreichischen Nationalmannschaft auch etwas überengagiert, überhastet. Die Sprints ein wenig zu dynamisch angezogen, die Pässe einen Tick zu scharf, die Gesten ausladend.
Schon in der elften Minute bestätigte der künftige Akteur von Real Madrid die Wahrnehmung: Einen eigentlich geklärten Ball will er sich vorlegen. Doch der erste Kontakt ist nicht gut, der Abstand wird zu groß, Denzel Dumfries rauscht dazwischen, Alaba will den Fehler ausbügeln und tritt seinem Gegenspieler auf den Fuß. Die Szene war ungefährlich, es gab einen Strafstoß, den Memphis Depay versenkte. Herr Alaba, das war - mit Verlaub - "a bisserl deppert".
Österreich fand danach nie wieder richtig ins Spiel, auch wenn Alaba widersprach: "Wir haben uns nicht verwirren lassen und waren weiter mutig", sagte er im "ZDF". Seinen Fehler sah er ein: "Das war natürlich bitter, da gehe ich zu aggressiv hin."
Auch beim zweiten Gegentor war Alaba beteiligt. Den entscheidenden Zweikampf gegen Depay an der Mittellinie verlor er, weil er zu spät herausrückte. Die Fehler in der Defensive können einem Spitzenspieler dieser Kategorie passieren, aber ob sie es auch dürfen?
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David Alaba (l.) foult Denzel Dumfries
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Grundsätzlich zu Alaba: Es erschließt sich nicht unbedingt, warum ihn Trainer Franco Foda nun nicht mehr im offensiven, zentralen Mittelfeld einsetzt, sondern ganz hinten als quasi Libero. Hat Alaba selbst darauf gedrängt, weil er diese Rolle zuletzt auch beim FC Bayern eingenommen hatte und sie auch bei Real zeigen soll? Will er sich grundsätzlich nicht mehr verschieben lassen?
Fest steht, dass das österreichische Team einer Menge von Alabas Stärken in der Offensive. Erst gegen Mitte der zweiten Halbzeit rückte Alaba dann weiter nach vorne. Mit einem Schuss aus der Distanz scheiterte er nur knapp. Am Ende blieb Alaba wirkungslos und der Eindruck eines für ihn eher unschönen Abends.
2. Österreich: Foda mächtig unter Druck
Nicht für seine Mannschaft, sondern auch für Franco Foda könnte das letzte Gruppenspiel gegen Ukraine ein Endspiel werden. Der Coach steht wieder unter hohem Druck. Was beim Nordmazedonien-Sieg taktisch noch vielversprechend aussah, war gegen die Niederlande nicht befriedigend.
Oranje war enger an den Gegenspielern, zweikampfstark und hinderte die Österreicher daran, ins letzte Drittel vorzustoßen. Lediglich die ersten zehn Minuten sah Österreich ebenbürtig aus. Nach dem Rückstand gab es einen Knacks. Marcel Sabitzer, im ersten Spiel noch ein Aktivposten, war nahezu lahmgelegt.
Österreich ist es mit den Vorgaben von Foda nicht gelungen, das hoch pressende niederländische Mittelfeld zu umspielen. Alaba war hinten verschenkt und konnte den Ball nicht weit genug nach vorne tragen. Auf der Suche nach Anspielstationen schoben sich die Innenverteidiger den Ball lieber selbst hin und her. Überraschende tiefe Läufe gab es dieses Mal auch nicht.
"Wir hatten nicht die Lösungen", analysierte Alaba, lobte seine Kollegen aber gleichzeitig für Mut und Willen, das Spiel noch umzubiegen. Nun ja.
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Franco Foda
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Sasa Kalajdzic, beim VfB Stuttgart zuletzt in ansprechender Form, kam erst in der zweiten Halbzeit. Er hätte dem Team als mitspielender Stürmer und Empfänger von Flanken sicher auch von Beginn an gutgetan.
Foda kämpft nun mit dem Vorwurf, das große Potenzial seiner Spieler nicht adäquat auf den Rasen bringen zu können.
3. Was bei Oranje begeistert
Ob die niederländischen Fans wollen oder nicht, so langsam werden sie sicher mit dem von Trainer Frank de Boer präferierten 5-3-2-System anfreunden. Das geliebte 4-3-3 ist zwar nicht vergessen, doch zwei Siege und anschaulicher Fußball mit motivierten Akteuren ist wahrlich nicht verkehrt.
Das Team lebt von Charakteren wie Matthijs de Ligt, Georgino Wijnaldum, Frenkie de Jong, Denzel Dumfries und Memphis Depay. De Ligt hält die Abwehr zusammen, während Wijnaldum und de Jong die Offensive ankurbeln. Wijnaldums Rolle ist offensiver als die im Verein beim FC Liverpool.
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Torschütze Denzel Dumfries (rechts) und Vorbereiter Donyell Malen bejubeln das 2:0 der Niederlande gegen Österreich
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Das sieht erfrischend und attraktiv aus. Dumfries indes ist der "Pistolero" - überall zu finden, immer aggressiv und bereit abzuschließen. Er geht vorne drauf, wird nicht müde. Kleines Manko: In der Defensive unterlaufen ihm noch zu viele Stellungsfehler.
Depay hingegen bringt Qualität mit, auch wenn er kurz vor der Halbzeit eine hundertprozentige Chance vergab. Die Mannschaft hat einen klaren Plan und arbeitet kompakt daran, diesen umzusetzen. Arbeitet Oranje noch an der Chancenverwertung, kann das Team bei diesem Turnier weit kommen.
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