Die Tschechen wollten nach der Schick-Show im Auftaktspiel gegen Schottland (2:0) gegen Vize-Weltmeister Kroatien nachlegen und frühzeitig das Achtelfinal-Ticket lösen. Die Kroaten standen nach der enttäuschenden 0:1-Niederlage gegen England bereits im zweiten Gruppenspiel unter Druck.
Wer nun aber einen Leistungssprung der favorisierten Kroaten erwartete, wurde enttäuscht. Die Tschechen erwischten den besseren Start. Nach zwei Minuten blockte Domagoj Vida einen ersten Warnschuss von Vladimir Coufal ab (2.). Zwei Minuten später landete ein Kopfball von Tomas Soucek auf dem Tordach (4.).
Die Tschechen traten hochmotiviert auf und spielten weiter munter nach vorn. Erst rettete Dejan Lovren per Kopf vor dem einschussbereiten Patrik Schick (12.), dann schoss sich Schick im Strafraum aus aussichtsreicher Position selbst an (18.).
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Nach etwas mehr als einer halben Stunde kam es dann zur Schlüsselszene des ersten Durchgangs: Schick ging nach einem Luftduell mit Lovren mit blutender Nase zu Boden und blieb liegen. Der Video-Assistent griff ein, Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande ging raus und sah sich die Szene selbst an, um nach einigen Momenten auf den Punkt zu zeigen. Lovren hatte Schick deutlich mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen. Der Gefoulte trat selbst an, verlud Dominik Livakovic und traf mit blutender Nase zur Führung (35.).
Mehr als ein deutlich-verzogener Lovren-Freistoß (10.) aus 23 Metern sowie einem unplatzierten Abschluss von Ivan Perisic (23.) war dem Favoriten bis dahin nicht gelungen.
Nach dem Gegentreffer waren die Kroaten dann aber doch um eine direkte Antwort bemüht: Ante Rebic traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz (39.), Andrej Kramaric prüfte Tomas Vaclik mit einem zu zentralen Distanzschuss (44.). Dann war Pause.
Zlatko Dalic reagierte in der Halbzeit und tauschte doppelt: Bruno Petkovic und Luka Ivanusec ersetzten Rebic und Josip Brekalo. Die Blicke zog aber ein anderer Akteur kurz nach der Pause auf sich.
In einer feinen Einzelaktion kam Perisic mit Tempo über rechts, ließ auf dem Weg ins Zentrum Coufal stehen und traf trocken und wuchtig ins obere rechte Eck zum Ausgleich (47.) – der ideale Start nach Wiederanpfiff.
Die Kroaten wurden im Nachgang stärker, ließen die Tschechen aber immer Mal wieder am Tor schnuppern. Ein Distanzschuss von Soucek verfehlte sein Ziel knapp (52.), ein Kopfball von Schick wurde geblockt (58.).
Nach einer schönen Kombination hätten die Kroaten ihrer Favoritenrolle dann gerecht werden können, doch der eingewechselte Nikola Vlasic jagte den Ball – nach Kopfball-Ablage von Perisic – aus elf Metern knapp am Tor vorbei (72.).
In einer verhaltenen Schlussphase hatte Petkovic kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit die Chance auf den Lucky Punch, doch Tomas Kalas entschärfte den Drehschuss des Angreifers, indem er sich mit vollem Körpereinsatz in den Schuss hineinwarf (89.).
So blieb es beim 1:1. Die Tschechen ließen sich nach vier Punkten aus zwei Spielen von den eigenen Fans feiern, Kroatien hingegen muss am letzten Spieltag gegen Schottland liefern.

Die Stimmen:

Luka Modric (Kroatien): "Das ist bitter, weil wir nicht gewonnen haben. Wir haben sehr schlecht organisiert angefangen, sahen in der zweiten Halbzeit aber besser aus. Wir haben das Tor geschossen und hatten Chancen auf mehr, aber leider haben wir nicht gewonnen. Jetzt müssen wir Schottland schlagen, um weiterzukommen."
Vladimir Coufal (Tschechien): "Es ist wahrscheinlich ein gutes Ergebnis und ein verdienter Punkt. Beide Teams hatten ihre Chancen. Wenn ich beim Gegentreffer nicht ausgerutscht wäre, hätte ich wahrscheinlich Zeit gehabt, den Perisic-Schuss zu blocken. Aber ich will keine Ausreden suchen. Vielleicht hätten wir mehr aus dem Spiel herausholen können, aber wir nehmen den Punkt gern."

Der Tweet zum Spiel:

Die Elfmeterentscheidung nach Lovrens vermeintlichem Foul sorgte im Netz für reichlich Diskussionen. Für viele Beobachter war es nur ein ganz normales Kopfbalduell mit unglücklichem Ausgang.

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Tschechien zwang die Kroaten durch frühes Anlaufen immer wieder zu langen Bällen, die jedoch keine Gefahr brachten. Rebic sah kein Land und wirke frustriert, auch weil sonst nicht viel ging. Doch nicht nur im Angriff haperte es, auch in der Defensive war man viel zu passiv. Die Kroaten lauerten Elfmeter, diesen Gefallen taten ihnen die Tschechen aber nicht.
Nach dem Seitenwechsel verbesserte sich zwar die bis dato mangelhafte Körpersprache der Kroaten, trotzdem hatte man den Eindruck, dass im Gegensatz zu den Tschechen, keine geschlossene Mannschaft mit dem nötigen Willen auf dem Feld stand. Zu sehr verließ man sich auf die individuelle Klasse. Mit einem Sieg am letzten Spieltag gegen die Schotten könnte man jedoch – trotz zweier schlechter Auftritte – mit etwas Glück noch ins Achtelfinale einziehen.

Die Statistik: 3

Mister 100%! Patrik Schick erzielte bislang alle drei Turnier-Tore seiner Mannschaft und führt damit vorerst die Torjägerliste der EM an.
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(SID)

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