Deutsche Nationalmannschaft - Hansi Flick plant vorerst ohne Thomas Müller: Was die Entscheidung bedeutet

Hansi Flick verzichtet in den beiden kommenden Länderspielen gegen Peru (25. März) und Belgien (28. März) auf die Dienste von Thomas Müller. Das gab der Bundestrainer in einem Interview mit dem "kicker" bekannt. Mit der Ausbootung unter Joachim Löw vor vier Jahren ist Flicks Entscheidung zwar nicht zu vergleichen, dennoch ist sie ein Fingerzeig - und in der aktuellen Situation nachvollziehbar.

Thomas Müller wird vorerst nicht für das DFB-Team spielen

Fotocredit: Imago

Thomas Müller hatte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gut lachen, als er die Mixed-Zone der Münchner Allianz Arena durchquerte. Verständlicherweise, hatt er mit dem FC Bayern doch kurz zuvor das Starensemble von Paris Saint-Germain 2:0 bezwungen und damit das Ticket fürs Champions-League-Viertelfinale gelöst. Zudem war der Routinier von der UEFA mit dem Spieler-des-Spiels-Award ausgezeichnet worden.
"Vorhin hat mich eine schwedische Kollegin von Euch mit einem alten Wein verglichen", verriet er im Gespräch mit den anwesenden Reportern. Müller scherzte: "Dann weißt Du schon, was los ist. Da muss man schauen, dass der Wein nicht kippt."
Die Gefahr, dass der Premium-Tropfen namens Müller zeitnah kippt, scheint aktuell nicht zu bestehen. Dass er im obersten Regal schon bald von jüngeren Weinen verdrängt wird, könnte hingegen Realität werden. Zumindest in der deutschen Nationalmannschaft.
"Thomas Müller wird bei den nächsten beiden Maßnahmen (Länderspiele gegen Peru und Belgien, A.d.R.) nicht dabei sein", erklärte Bundestrainer Hansi Flick im Interview mit dem "kicker". Er ergänzte: "Das ist mit ihm besprochen, ich möchte jüngeren Spielern bei der Nationalmannschaft eine Chance geben." Eine Option für die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land sei Müller aber weiterhin.

Müller reagiert gelassen

Müller selbst reagierte gelassen: "Wir schätzen uns und bleiben auch weiterhin in einem guten Austausch. Dann wird man sehen wie es weitergeht. Ich drücke den Jungs die Daumen für die ersten Länderspiele des Jahres", teilte er am Montag in den sozialen Medien mit.
Vergleichbar mit der Ausbootung vor genau vier Jahren, die Joachim Löw seinerzeit mit einem deutlich kleineren Rückkehr-Türspalt vornahm, ist die neuerliche Causa zwar nicht - ein Zeichen ist Flicks Entscheidung dennoch. Immerhin war er es, der nach Niko Kovacs Entlassung im November 2019 sein ganzes Vertrauen in Müller steckte und den Angreifer damit wieder vollumfänglich in die Spur brachte.
Der Ur-Bayer, der unter dem Kroaten zwischenzeitlich zum "Notnagel" degradiert worden war, ist seither wieder von enormer Wichtigkeit für den deutschen Rekordmeister und genießt auch bei Coach Julian Nagelsmann einen großen Stellenwert.
Normalerweise müsste ein Spieler von Müllers Format auch im DFB-Team gesetzt sein, dass er in dieser Saison nicht mehr für Deutschland auflaufen wird, ist dennoch doppelt nachvollziehbar.

Havertz, Musiala und Wirtz sind die Zukunft

Zum einen, weil Flick auf Müllers Position hinter der Spitze auf einige gleichermaßen hochwertige wie junge und vielversprechende Alternativen verfügt. Kai Havertz vom FC Chelsea ist beispielsweise prädestiniert für die Rolle als Zehner. Der frühere Leverkusener, der in der Nationalmannschaft mangels Optionen ein ums andere Mal an vorderster Front ran musste, ist als alleiniger Angreifer aufgrund seiner technischen Qualitäten einigermaßen verschenkt.
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Thomas Müller (M.) und Kai Havertz

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Dementsprechend bezog sich Flick im Zuge des Müller-Verzichts direkt auf den 23-Jährigen: "Kai ist ein genialer Fußballer, sehr reflektiert und seiner Persönlichkeit sehr erwachsen", sagte Flick. Er schob nach: "Unser Aufgabe ist, dabei zu helfen, dass solche Spieler dann den nächsten Schritt machen und auch in der Nationalmannschaft Verantwortung übernehmen."
Doch nicht nur Havertz kann die Müller-Position bekleiden. Auch Youngster Jamal Musiala, der in den vergangenen Monaten sowohl bei den Bayern als auch im Nationalteam mit einer Schlüsselrolle bedacht wurde, eignet sich mit seiner beeindruckenden Stärke im Dribbling und seiner Kreativität hervorragend.

Flick lobt Youngster-Duo

Zudem steht mit Leverkusen-Juwel Florian Wirtz eine weitere zukunftsträchtige Top-Option parat. Der 19-Jährige spielt mittlerweile nach langer Verletzung (Kreuzbandriss, A.d.R.) wieder auf höchstem Niveau und ist der Unterschiedsspieler der Werkself. "Wenn zum Beispiel Jamal Musiala oder Florian Wirtz am Ball sind, geht ein Raunen durchs Stadion", sagte Flick mit Blick auf die technischen Fertigkeiten der beiden Ausnahme-Talente.
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Florian Wirtz (l.) und Jamal Musiala

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Allerdings sind es nicht bloß die erstklassigen Ersatzleute, die Müller in der Nationalmannschaft vermeintlich verzichtbar machen. Anders als bei seinem Verein vermochte der 33-Jährige im DFB-Team seit seiner Rückkehr nur noch selten zu überzeugen.

Müller enttäuschte im DFB-Dress

Sowohl bei der Europameisterschaft 2021 als auch bei der WM in Katar im vergangenen Winter fand der Weltmeister von 2014 nicht zu seiner Form und war in beiden Fällen - wie viele seiner erfahrenen Kollegen - nicht in der Lage, das jeweilige frühe Turnier-Aus abzuwenden (weder Tor noch Vorlage, A.d.R).
Dennoch ist Flicks Entschluss nicht endgültig, er weiß, was er an Müller hat und dass der FCB-Star immer in der Lage ist, noch einmal zu einem entscheidenden Protagonisten zu avancieren. Nicht nur als Fußballer, auch als Kommunikator und Leitfigur für die jüngere Generation.
Müller wird jedenfalls alles geben, um sich mit einer erfolgreichen Heim-EM und nicht mit einem enttäuschenden WM-Aus zu verabschieden. Der gute, alte Wein ist nämlich noch weit von seinem Kipppunkt entfernt.
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Quelle: Perform

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