Deutsche Nationalmannschaft - Joshua Kimmichs ungeliebte Paraderolle: Sechser nur auf dem Trikot

Joshua Kimmich musste zuletzt sowohl beim FC Bayern als auch in der deutschen Nationalmannschaft zurück auf seine alte Position. Obwohl er sich selbst viel lieber in einer anderen Rolle sieht, nahm der 29-Jährige die unliebsame Umstellung an. Mit Erfolg, wie die jüngsten Ergebnisse mit dem Rekordmeister und dem DFB-Team zeigen. Ist Retro-Kimmich auch der Kimmich der Zukunft? Durchaus denkbar.

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Quelle: Perform

Als Thomas Tuchel im vergangenen Sommer am Rande der Asien-Tour öffentlich von einem neuen "richtigen Sechser" träumte, war Joshua Kimmich augenscheinlich nicht sonderlich begeistert.
"Ich bin ein Sechser!", konterte Kimmich seinem Trainer, nachdem er mit Tuchels Aussagen konfrontiert worden war. Dass der gebürtige Rottweiler sich selbst am liebsten im zentralen Mittelfeld sieht, war da freilich längst bekannt.
In Ermangelung der geforderten Neuzugänge hielt Tuchel an Kimmich auf der Sechs fest, doch mit der Zeit wurden die Leistungen schwächer und die kritischen Stimmen lauter. Manch einer, beispielsweise Ex-Capitano Michael Balllack, stellte gar seine Qualitäten als Führungsspieler generell infrage. Kimmich reagierte sachlich, er müsse schließlich nicht jedem gefallen.
Doch plötzlich entstand mal wieder eine Positionsdebatte - nicht von Tuchel, sondern von Bundestrainer Julian Nagelsmann angestoßen. Im Dezember ließ dieser im "Sportstudio" durchblicken, dass er künftig mit Kimmich als Rechtsverteidiger plane.

Tuchel nutzt Nagelsmanns Fahrwasser

"Durch eine kleine Anpassung ist auch Josh ein Kandidat für diese Position. Am Ende entscheiden die Spieler Richtung März, wer wo spielt und wie gut sie es machen", kündigte der 36-Jährige seinerzeit an.
Aus heiterem Himmel traf Kimmich die Prophezeiung laut Nagelsmann aber nicht. "Natürlich" habe er bereits mit seinem ehemaligen Bayern-Schützling über die etwaige Umstellung gesprochen.
Nun ist besagter März gekommen - und Kimmich wurde die Entscheidung über seine Position quasi im Vorfeld abgenommen. Im Fahrwasser Nagelsmanns "Sportstudio"-Aussagen und aufgrund der misslichen Personallage hatte FCB-Coach Tuchel Kimmich erstmals vor einem Monat gegen RB Leipzig in dessen alte und mittlerweile etwas ungeliebte Rechtsverteidiger-Rolle gezwängt - und seither nicht mehr "befreit".

Kimmich: Zurück zu den Anfängen

Kimmich löst die Aufgabe jedoch ansprechend, zudem überzeugte Alternative Aleksandar Pavlovic im Mittelfeld-Zentrum auf ganzer Linie. Die Pflichtspiel-Bilanz mit Retro-Rechtsverteidiger Kimmich: Vier Siege, ein Remis. Mit Blick auf die Nationalmannschaft konnte diese Wendung und die Rückkehr von Toni Kroos für Kimmich nur eines bedeuten: Zurück zu den Anfängen.
Zwischen 2016 und 2018 hatte Kimmich beim viermaligen Weltmeister stets den Rechtsverteidiger gegeben, bei der EM in Frankreich sein erstes und bis dato bestes Turnier gespielt.
Gegen den Gastgeber und Halbfinal-Gegner von damals schwang bei Kimmichs Comeback rechts hinten somit ein wenig Nostalgie mit. Spätestens nachdem er Kylian Mbappé eindrucksvoll über weite Strecken in Schach gehalten hatte (Zweikampfbilanz 72 Prozent) und Deutschland den WM-Finalisten dominiert hatte (2:0), schob Aufbruchstimmung die Nostalgie beiseite.
Ein Sonderlob gab es am Montag von Nagelsmann: "Er hat sehr, sehr gut gespielt, offensiv wie defensiv. Seine Tempodefizite gegen Kylian hat er gut und clever kompensiert. Für ihn ist das Bedeutende, dass er spielt und der Mannschaft helfen kann. Das macht er inhaltlich und mentalitätsmäßig top."

Kimmich als Rechtsverteidiger: Leider geil

Kimmich hatte zuvor immer wieder betont, dass er sich in den Dienst der Mannschaft stellen werde. Selbst wenn dies bedeute, die Sechs schweren Herzens räumen zu müssen. Selbstredend steht er qua Position weniger im Fokus, vielleicht trägt aber genau das dazu bei, dass der naturgemäß ehrgeizige Allrounder, der in der Vergangenheit mitunter etwas gehemmt wirkte, wieder etwas Leichtigkeit gewinnt.
Das Einzige, was Kimmich dieser Tage noch mit der Sechs verbindet, ist sowohl bei den Bayern als auch im Nationalteam die Trikotnummer. Das wird sich aller Voraussicht nach bis zur EM auch nicht ändern.
Könnte der alte vielleicht sogar darüber hinaus auch der neue Kimmich sein? Durchaus denkbar, immerhin glänzt er dieser Tage in seiner ungeliebten Paraderolle. Oder anders gesprochen: Leider geil.
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Quelle: Perform

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