Deutschland blamiert sich gegen Ukraine: Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim DFB-Team weit auseinander

Deutschland quält sich zu einem 3:3 gegen die Ukraine. Ein Jahr vor Beginn der Europameisterschaft 2024 ist die Nationalmannschaft in einem alarmierendem Zustand. Hauptziel auf dem Weg zur Heim-EM war, die Fans (endlich) wieder zu begeistern. Davon ist die Auswahl von Bundestrainer Hansi Flick genauso weit entfernt, wie vom Anspruch, den besten Teams Europas auf Augenhöhe begegnen zu können.

Deutschland kam gegen die Ukraine nicht über ein 3:3 hinaus

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Joshua Kimmich klatschte zaghaft in die Hände, Niclas Füllkrug winkte ein paar Mal ins weite Rund. Artig verabschiedeten sich die Spieler der deutschen Nationalmannschaft vom Bremer Publikum, dabei hatte es vor allem in der ersten Halbzeit starke atmosphärische Störungen gegeben.
Nach einer kurzen Phase der Euphorie infolge des frühen Führungstreffers von Fan-Liebling Füllkrug (6.) kippte die Stimmung im Weserstadion schnell. "Hier regiert der SVW"- und "Werder Bremen"-Sprechchöre, sowie lautstarke Pfiffe und Buhrufe waren deutliche Ausdrücke der Empörung der Zuschauer angesichts der vor allem defensiv miserablen Vorstellung.
Die Fans verstanden die Welt nicht mehr. Viel schlimmer: auch die Spieler nicht. "Es gab Phasen, in denen wir dachten: 'Wie kann das jetzt gerade sein, dass wir in dieser Situation sind? Und was geht hier gerade ab?'", sagte Füllkrug nach der Partie.
Dabei hätte alles so schön werden sollen: 1000. Länderspiel des DFB, ein Jahr vor Beginn der Heim-EM 2024. Traumwetter und eine kundenfreundliche Anstoßzeit (18 Uhr). Helau, Juhu - die Party kann beginnen.

Rudi Völler spornt an: "Die EM wird eine Riesennummer"

In der Aufarbeitung der blamablen WM 2022 war von der DFB-Spitze um Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Bundestrainer Hansi Flick unisono zu hören, wie wichtig es sei, die Fans wieder mitzunehmen, sie wieder für die Nationalmannschaft zu begeistern, sie auf die Heim-EM einzustimmen. Weg von politischen Diskussionen und "One-Love"-Binde, zurück zu "Schland".
"Wir möchten, dass das ganze Land hinter dem Turnier steht. Viele haben noch gar nicht begriffen, welch eine Riesennummer die EM werden wird, ähnlich wie 2006, unser Sommermärchen", sagte Völler in einem "Stern"-Interview.
Doch der Kick gegen die Ukraine hat nicht im Ansatz dazu beigetragen, dass bei den Fans der Glaube entstehen könnte, bei der Heim-EM große Siege der DFB-Elf zu feiern. Der entscheidende Punkt: Es war kein Einzelfall. Die Aneinanderreihung von schlechten Spielen der Nationalmannschaft ist bemerkenswert. In den letzten neun Partien gab es nur drei Siege - gegen Oman, Costa Rica und Peru.

Flick hat die Mannschaft nicht weiterentwickelt

Im März wurde Deutschland beim 2:3 gegen Belgien teilweise vorgeführt, aber noch verschont - der Gegner hatte Chancen für zehn Tore. Und jetzt der Murks gegen die Ukraine - ziemlich genau ein Jahr vor Beginn der Heim-EM, der geplanten Sommermärchen-Neuauflage. Die Mannschaft ist in einem erstaunlich schlechten Zustand, Bundestrainer Hansi Flick hat sie seit Amtsübernahme im August 2021 kein Stück weiterentwickelt.
"Das Spiel zeigt die Verfassung der Mannschaft", sagte Flick. Ein Statement, dass den erhofften Aufbruch konterkariert und eher Alarmstimmung signalisiert. Unbeholfen und unsortiert stolperte Deutschland ins nächste Debakel. Flicks Experiment mit der Dreierkette und Leon Goretzka als alleinigem Sechser davor ging nach hinten los.
Antonio Rüdiger wollte die Systemumstellung nicht als Grund gelten lassen. "Wir haben das schon einige Male gespielt. Es hat auch ein bisschen was mit Hingabe zu tun. Du musst Zweikämpfe gewinnen und nach 15 Minuten haben wir das einfach nicht mehr. Dann läufst du hinterher. Das Problem ist die mangelnde Konzentration", sagte der Verteidiger. Sehr ähnlich hatte sich Rüdiger bereits nach dem WM-Vorrunden-Aus in Katar geäußert. Auch hinsichtlich ihrer Einstellung auf dem Platz scheint die Nationalmannschaft im letzten halben Jahr wenig dazugelernt zu haben.
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Ratlose DFB-Stars: Niclas Füllkrug (l.) und Antonio Rüdiger

Fotocredit: Getty Images

Flick beschwört den Geist von 2006 herauf

Nach dem Katar-Debakel sollte vieles besser werden. Wie nach der WM 2018. Wie nach der EM 2021. Resümee? Nichts ist besser geworden. Wieder einmal. Flick musste auch nach dem Ukraine-Spiel erneut "viele individuelle Fehler" mitansehen. Praktikable Lösungen, wie diese abzustellen sind, hat der Bundestrainer bislang nicht entwickelt.
Stattdessen griff Flick am Montagabend in die Nostalgiekiste. 2006 habe man drei Monate vor WM-Beginn "1:4 gegen Italien verloren und danach war eine wahnsinnig schlechte Stimmung. Trotzdem ist die WM ein Sommermärchen geworden", sagte er. Etwas anderes als den Geist von 2006 heraufzubeschwören, bliebt dem Bundestrainer derzeit offenbar nicht übrig.
Sein Ziel für die Heim-EM 2024 hat der DFB klar formuliert: Die Fans begeistern durch tolle Leistungen der Nationalmannschaft. So eindeutig die Vorgabe ist, so undurchsichtig ist der Weg, wie das denn gelingen soll. Nach den Eindrücken von Bremen um so mehr.
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Nach ManCity-Triumph: Töpfe für die Auslosung stehen fest

Quelle: SID

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