Julian Nagelsmann startet Mission als neuer Bundestrainer - das sind die Fragen und Antworten zum Start des DFB-Coaches

Julian Nagelsmann ist zurück auf der großen Fußball-Bühne. Der 36-Jährige führt das DFB-Team als neuer Bundestrainer zur Heim-EM 2024. Bei seiner Vorstellung am Freitag sprach er demütig über die Zeit nach seinem Aus beim FC Bayern und stellte seinen Plan für das Großereignis im eigenen Land vor. Viel Zeit bleibt Nagelsmann jedoch nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nagelsmann-Coup.

Neuer-Comeback zur EM? Das sagt Nagelsmann

Quelle: Perform

Julian Nagelsmann wirkte demütig, fast schon geläutert, als er sich auf dem Podium gemeinsam mit Sportdirektor Rudi Völler und DFB-Präsident Bernd Neuendorf den Fragen der anwesenden Journalisten stellte.
"Ich habe große Lust, diese Herausforderung anzunehmen. Es ist für mich ein großes Privileg und ein Anreiz, Bundestrainer bei einer Heim-EM zu sein", sagte der 36-Jährige eloquent wie eh und je am Freitag bei seiner Vorstellung in Frankfurt.
Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr nachdem er als Trainer vom FC Bayern München freigestellt wurde, ist Nagelsmann zurück auf der großen Fußball-Bühne und übernimmt wie schon im Sommer 2021, als er das Amt beim deutschen Rekordmeister antrat, ein Weltteam von Vorgänger Hansi Flick.
"Ich hatte keinen Moment des Zweifels", betonte der gebürtige Landsberger angesprochen auf sein bevorstehendes Engagement beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und ergänzte entschlossen: "Die Emotionen waren sofort so, dass wir es zusammen machen und das zusammen wuppen."
Auf dem Weg zur Heim-Europameisterschaft im kommenden Jahr (14. Juni bis 14. Juli 2024), für die er vordergründig verpflichtet wurde, wartet auf Nagelsmann und sein Team allerdings einiges an Arbeit. Das sind die wichtigsten Fragen und Aufgaben.

1.) Was hat Nagelsmann vor?

Gemeinsam mit seinem Trainerteam, bestehend aus den beiden Assistenten Benjamin Glück, langjähriger Co-Trainer des neuen Bundestrainers, und Sandro Wagner, möchte der 36-Jährige das EM-Projekt zum Erfolg führen.
"Wir werden im kommenden Jahr ein eingeschworener Haufen sein", kündigte Nagelsmann vollmundig an. Dabei will er sich nicht von äußeren Faktoren wie der kürzlich veröffentlichten DFB-Dokumentation über die WM in Katar beeinflussen lassen, sondern sich sein eigenes Bild machen. "Ich habe die Doku noch nicht geguckt und mich bewusst noch nicht damit befasst", sagte er. Allerdings werde er dies noch zeitnah machen.
Aus taktischer Hinsicht sei es das Ziel, mit seinem Team eine "klare Idee zu entwickeln" mit einer "gesunden Aggressivität Richtung gegnerisches Tor", anstatt "14 verschiedene Grundordnungen zu spielen", wie der ehemalige Bayern-Trainer wiederholt betonte.
Kurzum, so wie es Völler in seiner Rolle als Interimscoach jüngst im Testspiel gegen Frankreich (2:1) erfolgreich vorgemacht hatte. Nagelsmann stellte in diesem Zusammenhang nochmal heraus, dass er den Sportdirektor auch weiterhin als Teil des Trainerteams sehe. "Ich bin sehr, sehr froh, dass ich ihn an meiner Seite habe", freute sich der jüngste Bundestrainer der DFB-Historie.
Ebenso wie über die tatkräftige Unterstützung seiner beiden Assistenten. Speziell Wagner, den Nagelsmann einst selbst bei der TSG Hoffenheim trainierte, habe vollen Enthusiasmus gezeigt: "Das Telefon wurde sehr warm an meinem Ohr, weil er so dafür gebrannt hat."
Die erste Personalentscheidung wurde darüber hinaus vom neuen Trainerteam schon getroffen: Ilkay Gündogan bleibt Kapitän, wie Nagelsmann verriet, dies sei vorab mit dem Mittelfeld-Star des FC Barcelona so besprochen worden.
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DFB-Präsident: Mit Nagelsmann "kann Positives entstehen"

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2.) Wie hat Nagelsmann die Auszeit genutzt?

Zu viele Gedanken wollte Nagelsmann bei seiner Vorstellung nicht an die Vergangenheit verschwenden, einen kleinen persönlichen Einblick über die letzten Monate seit seiner Entlassung beim deutschen Rekordmeister gab er aber dennoch.
"Ich habe die Zeit auch genutzt, um die Zeit beim FC Bayern zu reflektieren: Dinge, die gut gelaufen sind - Dinge, die nicht gut gelaufen sind", so Nagelsmann: "Ich bin froh, dass ich jetzt die Chance habe, die Fehler, die ich bei Bayern gemacht habe, nicht nochmal zu machen."
Der Übungsleiter wurde im März diesen Jahres aufgrund "starker Leistungsschwankungen" im Laufe der vergangenen Saison in München freigestellt. Damals sahen die Vereinsbosse um Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn die Saisonziele des Klubs in Gefahr.
"Ich hoffe, wir haben daraus unsere Lehren gezogen, um nun erfolgreicher zu sein", zeigte sich Nagelsmann reflektiert.
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Nagelsmann will Fehler aus Bayern-Zeit nicht wiederholen

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3.) Wie lief die Vertragsauflösung mit den Bayern?

Völler ließ es sich nicht nehmen, gleich zu Beginn der Pressekonferenz, einen besonderen Dank an den FC Bayern auszusprechen. Sowohl die Münchner als auch Nagelsmann selbst seien dem DFB in der Causa extrem entgegengekommen.
"Julian und sein Management sind uns in unglaublicher Weise entgegengekommen", sagte Völler, "und auch Bayern München hat wunderbar mitgespielt."
Konkret heißt das, dass der Übungsleiter auf viel Geld verzichtet, da er seinen bis 2026 datierten Kontrakt mit dem amtierenden Meister auflöst. Im Gegenzug erhält er zwar eine Abfindung in unbekannter Höhe, diese soll dem Vernehmen nach aber deutlich geringer sein als die rund 20 Millionen Euro an Gehalt, die Nagelsmann offenbar bis zu seinem Vertragsende in München zugestanden hätten.
Der FC Bayern kann seinen Ex-Coach damit von der Gehaltsliste streichen, stellte sich im Zuge der Verhandlungen aber auch nicht quer.
Für den Deutschen Fußball-Bund ist die ablösefreie Verpflichtung damit gleich in vielerlei Hinsicht ein "Glücksfall", wie Völler Nagelsmanns Entscheidung am Freitag bezeichnete. Von etwaigen Worten der Anerkennung aufgrund seiner vermeintlichen Selbstlosigkeit wollte der neue Bundestrainer jedoch nichts wissen. "Ich brauche dafür keine Lorbeeren", versuchte er das Thema klein zu halten: "Mein Job ist ein Privileg, und ich verdiene genug Geld. Ich will darüber auch nichts Lobendes in der Presse lesen. Es geht für mich um die Sache und das Turnier."
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Neuendorf verrät: So liefen die Nagelsmann-Gespräche

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4.) Was erwartet sich der DFB?

Der volle Fokus liegt auf einer erfolgreichen Heim-EM - nicht mehr und nicht weniger. Dass Nagelsmann und seinem Team allerdings für jenes Projekt nur wenig Zeit bleibt, ist allen Beteiligten durchaus bewusst.
"Julian kommt sehr stark aus den Vereinen, deshalb wollten wir ihm vermitteln, was es bedeutet, Bundestrainer zu sein. Wie funktioniert der DFB, so ein Turnier, das ganze Drumherum, wir haben über alles Mögliche gesprochen. Wir haben uns einfach ein bisschen darüber ausgetauscht, wie wir die Aufgabe verstehen und was er hier vorfinden wird", erklärte Präsident Neuendorf.
Die erste Kontrollaufsicht hat dabei in Zukunft Völler, der obwohl er künftig wieder auf der Tribüne Platz nehmen wird, "natürlich nah dran ist." Der Ex-DFB-Teamchef verdeutlichte jedoch, dass "Julian der Bundestrainer ist, er wird immer die Entscheidungen treffen."
Auch im Hinblick auf die bevorstehenden EM im eigenen Land, für die Nagelsmann sehr offensiv das Ziel Europameister formulierte. "Ich glaube, das ist selbstredend. Das ist auch in der F-Jugend und im Amateurbereich so, dass man bei allen Turnieren, bei denen man als Team teilnimmt, gewinnen möchte", gab er sich selbstbewusst.
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Nagelsmann legt los: "Heim-EM ein extremer Anreiz"

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5.) Was passiert nach der EM?

Kurz gesagt: Alle beteiligten Parteien halten sich alles offen.
"Von meiner Seite aus ist nichts ausgeschlossen", sagte Nagelsmann mit Blick auf seinen bis Sommer 2024 datierten Vertrag. Allerdings stehe die EM über allem. "Wir hatten den Wunsch, dass die Arbeit gegenseitiges Vertrauen weckt - und nicht ein Arbeitspapier. Wenn wir erfolgreich sind und es vielleicht auch noch Spaß macht, dann können wir über eine gemeinsame Zukunft reden", so der 36-Jährige.
Immerhin sei er selbst "ein gutes Beispiel: Ich hatte einen langfristigen Vertrag und habe die Erfahrung jüngst gemacht, dass ein Vertrag nicht immer das garantiert, was draufsteht", ergänzte er und spielte damit auf sein verkürztes Engagement beim FC Bayern an.
Sollte es sich bei Nagelsmann tatsächlich nur um eine "Zwischenlösung" handeln, wie Lothar Matthäus jüngst bei "RTL" mutmaßte, hat sich der DFB genug Zeit gekauft, um andere Kandidaten wie etwa den von vielen Teilen der deutschen Fans gewünschten Jürgen Klopp zu kontaktieren.
Zunächst einmal steht allerdings eine erfolgreiche Heim-EM im Vordergrund - mit einem reflektierten und motivierten Bundestrainer Nagelsmann.
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Vertrag nur bis zur EM - Nagelsmann findet es "sinnvoll"

Quelle: Perform

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