Julian Nagelsmann wird neuer Bundestrainer und Nachfolger von Hansi Flick - Vertrag bis Heim-EM 2024

Julian Nagelsmann soll die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-EM zu alter Stärke führen. Der frühere Coach des FC Bayern unterschrieb am Freitag in Frankfurt einen Vertrag bis zum 31. Juli 2024. Der 36-Jährige folgt als jüngster Bundestrainer der Nachkriegsgeschichte dem am 10. September freigestellten Hansi Flick. Sein Debüt wird Nagelsmann auf der US-Tour (ab 9. Oktober) geben.

Nagelsmann legt los: "Heim-EM ein extremer Anreiz"

Quelle: Perform

Nagelsmann wurde vom Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung der DFB GmbH einstimmig bestätigt. DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler hatten ihn als zwölften Bundestrainer in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorgeschlagen.
Zuvor war der noch bis 2026 laufende Vertrag von Nagelsmann beim FC Bayern, wo er im März freigestellt worden war, aufgelöst worden. Als Co-Trainer stehen Nagelsmann der frühere Nationalspieler Sandro Wagner (35) und sein langjähriger Vertrauter Benjamin Glück (37) zur Seite.
"Wir haben eine Europameisterschaft im eigenen Land. Das ist etwas Besonderes - etwas, das alle paar Jahrzehnte mal vorkommt. Dieser Tatsache, ein großartiges Turnier in einem großartigen Land zu haben, ordne ich alles unter", sagte Nagelsmann in einem ersten DFB-Statement.
Nagelsmann habe "große Lust, diese Herausforderung anzunehmen. Der Auftritt in Dortmund war der Anfang. Wir werden im kommenden Jahr ein eingeschworener Haufen sein", versprach der neue Bundestrainer.
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DFB-Präsident: Mit Nagelsmann "kann Positives entstehen"

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Nagelsmann: Gündogan bleibt Kapitän

Auf dem Weg zur Heim-EM 2024 setzt der neue Bundestrainer auf eine Spielidee, "die leicht umzusetzen ist". Das kündigte der 36-Jährige am Freitag bei seiner Antrittspressekonferenz in Frankfurt an: "Vor allem in schwierigen Momenten ist es wichtig, dass die Spieler etwas haben, das sie greifen können."
Die Spielweise der Nationalmannschaft werde "nicht so komplex wie im Vereinsfußball sein", sagte Nagelsmann, sie sei darauf ausgelegt, "attraktiven Fußball zeigen zu können" und "den Spielern Halt zu geben". Der frühere Bundesligatrainer (München, Leipzig, Hoffenheim) strebt "eine gesunde Aggressivität in Richtung gegnerisches Tor" an: "Es soll dem Gegner auch weh tun, gegen uns zu spielen."
Zudem legte sich Nagelsmann frühzeitig fest, dass der von Ex-Bundestrainer Hansi Flick ernannte Ilkay Gündogan Kapitän bleibt. "Ich belasse es dabei, ich bin von Ilkay als Mensch und Spieler extrem überzeugt", sagte Nagelsmann: "Ich finde die Entscheidung gut und habe Ilkay schon darüber informiert."
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Offiziell: Nagelsmann neuer Bundestrainer

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Nagelsmann-Debüt gegen die USA

In den Vereinigten Staaten trifft die DFB-Auswahl am 14. Oktober (21:00 Uhr im Liveticker) in Hartford auf die USA und am 18. Oktober (2:00 Uhr) in Philadelphia auf Mexiko. Zum Jahresabschluss geht es gegen Österreich mit Trainer Ralf Rangnick (21. November).
DFB-Präsident Neuendorf sagte: "Die Europameisterschaft im kommenden Jahr ist für den gesamten Fußball in Deutschland von enormer Bedeutung. Wir sind überzeugt, dass Julian Nagelsmann als Bundestrainer dafür sorgen wird, dass die Nationalmannschaft ihre Fans begeistert und die EM auch sportlich ein Erfolg wird."
Nagelsmann sei "ein herausragender Trainer, der seine neue Aufgabe mit höchster Motivation angeht. Wir alle werden den Fokus jetzt auf das Turnier im kommenden Sommer richten und Julian Nagelsmann nach Kräften unterstützen."
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Neuendorf verrät: So liefen die Nagelsmann-Gespräche

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Frankreich-Spiel als Stimmungsaufheller

Der DFB hatte sich nach dem blamablen 1:4 gegen Japan am 10. September 2023 von Hansi Flick getrennt.
Unter Flick hatte Deutschland nur vier der letzten 17 Länderspiele gewonnen und war bei der WM 2022 in Katar schon in der Vorrunde an Japan und Spanien gescheitert.
Beim Länderspiel gegen Frankreich am Dienstag vergangener Woche (2:1) saß einmalig DFB-Sportdirektor Völler auf der Bank, er schaffte mit dem Sieg einen kleinen Stimmungsumschwung in Deutschland.

Nagelsmann verzichtet auf Bayern-Geld

Nagelsmanns Gehalt soll Medienberichten zufolge bis zur Heim-Europameisterschaft bei ca. 3,6 Millionen Euro liegen.
Interessant an der Vertragskonstellation: Weil Nagelsmann noch bis 2026 beim FC Bayern unter Vertrag stand, hätte er doch weiter sein Trainergehalt beziehen können - insgesamt bis zu 20 Millionen Euro.
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Vertrag nur bis zur EM - Nagelsmann findet es "sinnvoll"

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Der DFB hätte wiederum nun für das Abwerben des 36-Jährigen aus dem laufenden Vertrag eine Ablöse an den Rekordmeister zahlen müssen. Laut "Bild" ist das alles hinfällig: Nagelsmann wechselt ablösefrei, der Vertrag mit Bayern wird gegen eine Einmalzahlung von 1 bis 1,5 Millionen Euro aufgelöst.
Heißt: Der DFB spart sich Geld und Bayern hat Nagelsmann nicht mehr auf der Payroll. "Julian und der FC Bayern sind uns entgegen gekommen", bestätigte Völler.
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Nagelsmann will Fehler aus Bayern-Zeit nicht wiederholen

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Nach der EM dann Klopp?

Für nach der EM halten sich der DFB und der Trainer alle Optionen offen - der DFB könnte eine neue Trainerlösung finden, Nagelsmann wieder ins Klubgeschäft einsteigen. "Die EM steht im Fokus", sagte Nagelsmann.
Medienberichten zufolge könnte der DFB bis dahin Jürgen Klopp bezirzen. Der Teammanager des FC Liverpool ist seit längerer Zeit der Traumkandidat des DFB mit Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke an der Spitze.
Auch diesmal hatte Watzke bei seinem alten Kumpel aus Dortmunder Zeiten wieder vorgefühlt, sich aber erneut eine Abfuhr eingehandelt. Klopp, hieß es, wolle seinen Vertrag bei den Reds bis 2026 erfüllen. Stand jetzt - weitere Gespräche nicht ausgeschlossen.
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Völler: Nagelsmann für Deutschland "ein Glücksfall"

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Völler: Nagelsmann war Wunschkandidat

Sportdirektor Völler bestätigte nun aber erstmal, dass Nagelsmann "mit Beginn der Suche unser Wunschkandidat als Bundestrainer" gewesen sei. "Er ist nicht nur ein absoluter Fußball-Fachmann, sondern hat auf all seinen Stationen in für einen Cheftrainer sehr jungen Jahren bereits bewiesen, dass er eine Mannschaft und das gesamte Umfeld motivieren und mitreißen kann."
Völler weiter: "Sein Feuer für den Fußball ist spürbar und ansteckend - ebenso wie bei seinen beiden Co-Trainern Benjamin Glück und Sandro Wagner, dessen große Energie ich zuletzt selbst erleben durfte."
"Julian Nagelsmann wird mit seinen Qualitäten und seiner Persönlichkeit an entscheidender Stelle dazu beitragen, dass wir alle gemeinsam im Sommer eine tolle Europameisterschaft im eigenen Land erleben werden", so der Interimscoach vom Frankreich-Spiel.

Hoeneß rät: "Den Laptop zuhause lassen"

Nagelsmann galt von Beginn an als heißester Kandidat - und anderen Anwärtern wie Louis van Gaal, Oliver Glasner oder Stefan Kuntz als überlegen.
"Natürlich kann er das", sagte zum Beispiel sein früherer Chef aus Augsburger Tagen, Thomas Tuchel: "Er ist ein herausragender Trainer", an "fachlicher Qualität oder Skills" werde es nicht scheitern. "Es ist auf jeden Fall etwas zu tun und mit Sicherheit nicht damit getan, ein Freundschaftsspiel gewonnen zu haben, da muss auf jeden Fall eine Wende her. Das ist nicht auf dem Niveau, auf dem es sein muss", fügte der Bayern-Trainer an.
"Ich finde Julian eine ganz tolle Lösung, weil er ein toller Trainer ist", sagte auch Klopp: "Alter? Komplett egal! Er hat schon mit 28 bewiesen, dass er ein fantastischer Trainer ist. Er hat acht Jahre Erfahrung. Das haben andere mit 45 oder 50 - auf höchstem Niveau. Das ist überhaupt kein Kriterium."
Auch Uli Hoeneß traute Nagelsmann den Job "grundsätzlich zu", gab aber zu bedenken: "Der DFB könnte jetzt den Kaiser von China holen, der würde es auch schwer haben." Der Neue müsse "den Laptop zu Hause lassen und erst einmal über die Emotion kommen".

Nagelsmann vs. Neuer - wie geht es weiter?

Für bis zu sieben Bayern-Profis - Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Leroy Sané, Serge Gnabry, Leon Goretzka, Thomas Müller und eventuell auch Manuel Neuer - würde das ein baldiges Wiedersehen mit dem Ex-Trainer bedeuten.
Erste Entscheidungen muss er vorher treffen: In der ersten Oktober-Woche wird er seinen Kader für den Trip benennen - und die Kapitänsfrage neu klären. Behält der eben erst ernannte Ilkay Gündogan die Binde? Oder gibt Nagelsmann das edle Stück Stoff seinem Liebling Joshua Kimmich zurück?
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Neuer-Comeback zur EM? Das sagt Nagelsmann

Quelle: Perform

Auch andere wichtige Personalien wie Manuel Neuer, Leon Goretzka oder Timo Werner harren einer Klärung. Zudem lechzt die DFB-Elf nach einer Spielphilosophie, die auf höchstem Niveau trägt.

Nagelsmann jüngster Bundestrainer

Der 36 Jahre alte gebürtige Landsberger ist der jüngste Cheftrainer seit dem Amtsantritt von Otto Nerz 1926, der damals 34 Jahre und neun Tage alt war (aber noch als "Reichstrainer" firmierte, nicht als Bundestrainer).
Nagelsmann war zuvor bei der TSG 1899 Hoffenheim (2016-2019), RB Leipzig (2019-2021) und dem FC Bayern (2021-2023) als Bundesliga-Trainer aktiv. Unvergessen bleibt, wie Karl-Heinz Rummenigge ihn im Oktober 2022 "ein großes Trainertalent" nannte. Das führte zu Zerwürfnissen. In München musste er im März nach einem 1:2 bei Bayer Leverkusen am 25. Spieltag gehen. Er wurde durch Tuchel ersetzt.
Vor seiner Bundesliga-Berufung war Nagelsmann beim FC Augsburg II zunächst Co-Trainer von Tuchel, ehe er mit 25 übergangsweise in Hoffenheim im Profi-Team assistierte, damals unter Interimstrainer Frank Kramer. Mit 28 stieg er dann als Nachfolger von Huub Stevens in Hoffenheim zum jüngsten hauptamtlichen Cheftrainer der Bundesligageschichte auf.

Deutschland-Trainer im Überblick:

(mit SID)
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