EM 2024: Julian Nagelsmann will nach Deutschland-Pleite gegen Österreich "raus aus der Opferrolle"

Die deutsche Nationalmannschaft ist mit der 0:2-Niederlage gegen Österreich am Dienstagabend an einem weiteren Tiefpunkt angelangt. Die Heim-EM 2024 rückt immer näher, doch die Probleme werden nicht weniger. Bundestrainer Julian Nagelsmann richtet nach der Pleite in Wien einen Appell an das DFB-Team und unterstreicht, dass man "mit ein bisschen kicken" nicht aus dieser Krise rauskommt.

"Bringt dich nie weiter": Nagelsmann will raus aus Opferrolle

Quelle: Perform

"Es geht darum, dass die Spieler akzeptieren, dass sie mit ein bisschen kicken da nicht rauskommen", wird Nagelsmann nach der Niederlage gegen Österreich vom "SID" zitiert. "Dass wir davon wegkommen, dass alle tolle Fußballer sind, wir aber über Emotion und Mentalität kommen müssen."
Kurz zuvor kassierte die deutsche Nationalmannschaft im Ernst-Happel-Stadion in Wien die nächste bittere Pleite, welche die von vielen Seiten erhoffte Aufbruchstimmung endgültig zunichte machte.
Ans Aufgeben denkt Nagelsmann nach dem Rückschlag in der Alpenrepublik jedenfalls nicht. "Wir müssen uns da rausarbeiten, mit allem, was wir haben. Das wird die nächsten dreieinhalb Monate nicht so leicht."
Die Aussagen von Bundestrainer Nagelsmann folgen hier im Wortlaut.
Julian Nagelsmann, Sie haben Ihrer Mannschaft nach dem niederschmetternden 0:2 gegen Österreich mehrere Botschaften mitgegeben. Welche?
Julian Nagelsmann: "Die erste war: Ich habe den Eindruck, dass wir außerhalb des Platzes eine sehr geschlossene Gemeinschaft sind mit einem unglaublich guten Miteinander. Ich habe noch nie eine Mannschaft trainiert, die im Umgang so gut war. Was uns nicht gelingt, ist, dass wir den Transfer aufs Feld hinkriegen. Da habe ich noch keine Paradelösung. Da habe ich das Gefühl, dass wir zu viel Einzelkämpfer sind, jeder ist mit sich beschäftigt."
Die zweite Botschaft?
Nagelsmann: "Die große Stärke der Mannschaft ist Spielkontrolle, Offensivfußball. Wenn wir aber absurde Ballverluste haben, wie in der ersten Halbzeit, haben wir viel zu verteidigen - und da haben wir einfach Probleme. Da ist unser Spielvortrag zu langsam, zu undynamisch."
Und die dritte?
Nagelsmann: "Ich will rauskommen aus der Opferrolle, das bringt nichts. Wir haben sorgenvolle Fans und eine kritische Medienlandschaft. Aber es geht darum, dass die Spieler akzeptieren, dass sie mit ein bisschen kicken da nicht rauskommen. Dass wir noch mehr arbeiten müssen. Dass wir davon wegkommen, dass alle tolle Fußballer sind, wir aber über Emotion und Mentalität kommen müssen."
Außer Ihnen hat auch noch Leroy Sané in der Kabine gesprochen. Warum?
Nagelsmann: "Leroy hat sich bei der Mannschaft entschuldigt, das war absolut der richtige Schritt. Das finde ich gut. Wenn man die Rote Karte sieht - das ist ein Reifeprozess, eine Drecksackmentalität. Der Gegenspieler versucht, Leroy zu treten, trifft ihn aber nicht - und Leroy reagiert, wir kriegen Rot. Da kann man auch beim Gegner Rot provozieren."
Haben Sie es schon bereut, den Job übernommen zu haben?
Nagelsmann: "Nein, ich habe es nicht bereut, es macht mir Spaß. Wir müssen uns da rausarbeiten, mit allem, was wir haben. Das wird die nächsten dreieinhalb Monate nicht so leicht. Ich bin traurig, aber nicht frustriert. Die Niederlagen tun weh. Ich bin öfter in Österreich und habe keine Lust, dass mich jeder darauf anspricht. Wir müssen Emotionen wecken, aber das geht nicht über Palavern, nur durch Leistung."
Ist die aktuelle taktische Variante ein Experiment oder Ihr Ideal?
Nagelsmann: "Man knallt eine Idee nicht auf eine Mannschaft, man schaut sich an, was man für Spieler hat. Und dann schaut man, welche Lösungen es drumherum besser machen. Wir haben uns für einen Weg entschieden - auch in Rücksprache mit der Mannschaft - und in allen Spielen dasselbe gespielt, nur mit zwei, drei Wechseln in der Startelf. Schmeiße ich im März alles um und passe es nur noch dem Gegner an? Darüber muss ich nachdenken."
Sie sagten, es brauche in Ihrer Mannschaft vielleicht mehr Arbeiter. Haben Sie diese Spieler oder müssen neue gefunden werden?
Nagelsmann: "Wir haben schon welche im Kader. Leon (Goretzka) hat sich voll reingehauen, Robert (Andrich) hat super gespielt, Grischa Prömel zeichnet genau das aus, er ist nur deswegen Profi geworden. Pascal Groß ist der Parademensch dafür, ich habe selten einen Profi gesehen, der sich selbst nicht so wichtig nimmt. Auch Jo (Kimmich) ist einer, der sich voll reinwirft. Da haben wir ein paar."
Aber?
Nagelsmann: "Das brennt mir unter den Nägeln. Aber wenn ich jetzt zu viel sage, gibt es Schlagzeilen, das will ich nicht. Wenn man die ganzen Talente sieht, die wir haben, die ganzen Zauberer - die wuppen es normal, wenn es nicht schon seit Jahren so läuft, wie es läuft. Vielleicht müssen wir auf zwei Prozentpunkte Talent verzichten und zwei mehr 'Worker' reinwerfen."
(SID)
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Nagelsmann blickt auf Duell mit Österreich und Rangnick

Quelle: SID

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