Kloppo-Mania

Schon nach der Auslosung der Europa-League-Viertelfinals war klar: FC Liverpool gegen Borussia Dortmund - das wird Kloppos Spiel. Sieben Jahre verbrachte der charismatische Mann aus dem Schwarzwald in Dortmund – sieben äußerst erfolgreiche Jahre, die ihn zur Vereinslegende machten.

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Und wie läuft's Liverpool? Da ist er auf dem besten Weg, eine Legende zu werden. Spätestens nach dem Achterbahnspiel gegen seinen Ex-Klub ist der 48-Jährige angekommen an der Mercyside - und daran wollte er keinen Zweifel lassen.

Klopp ist kein Trainer, der sich gegen den Ex-Verein mit Jubelgesten an der Seitenlinie zurückhält – im Gegenteil. Nach dem ersten, zweiten und dritten Treffer brach es wie zu besten Zeiten aus ihm heraus. Dass er nach dem 4:3 eher ruhig und zurückhaltend in der Coaching-Zone stand, passte weniger ins Bild, zeigte aber auch, welche unglaubliche Wendung das Spiel genommen hatte. Klopp schien sprachlos.

Mindestens genauso bemerkenswert wie die Energie, mit der Klopp selbst am Spielgeschehen teilnahm, war sein Gang zu den BVB-Fans nach dem Spiel. "Ich habe euch im Kopf und im Herzen", gab er den 4.000 mitgereisten Borussen-Anhängern mit deutlichen Gesten zu verstehen. Auch in der Mixed-Zone nach der Partie deutete er noch einmal an, dass er zwar Trainer der "Reds" ist, seine Zeit in Dortmund aber nie vergessen wird:

Ich gönne Dortmund natürlich alles. Aber auch alles!

Mythos Anfield Road: Die Serie hält

Lange Zeit sah es danach aus, als würde der BVB das erste deutsche Team werden, das an der Anfield Road gewinnt. Nach neun Minuten führten die Westfalen bereits mit 2:0, nach 57 Minuten 3:1 – am Ende reichte es nicht.

Liverpool spielte eine zweite Hälfte, die mit den ersten 45 Minuten überhaupt nichts zu tun hatte. Angetrieben vom "zwölften Mann" – den 44.000 euphorischen Fans auf der Tribüne – wuchsen die "Reds" über sich hinaus und erzielten nach nur drei Minuten den Anschlusstreffer in Person von Divock Origi. Der erste Versuch der Wiedergeburt wurde von den Dortmundern nur neun Minuten später gekontert. Marco Reus traf nach Pass von Mats Hummels zum 3:1. Das 2:3 durch Coutinho (66.) ließ auf den Rängen aber endgültig die Dämme brechen. Mamadou Sakho (77.) mit dem 3:3-Ausgleich und das 4:3 durch Dejan Lovren brachten das Stadion zum Überkochen.

Teammanager Klopp war nach dem Spiel sichtlich beeindruckt: ,

"Es war eine fantastische Atmosphäre heute Abend – Hut ab."

Die Serie des FC Liverpool gegen deutsche Teams bleibt also bestehen. 18. Mal wurde von deutscher Seite bereits versucht, die Festung Anfield Road zu stürmen – ohne Erfolg. Dortmund darf sich nun auf die Fahne schreiben, im 19. Versuch am nächsten dran gewesen zu sein. Trösten wird das aber niemanden.

Roman Weidenfeller brachte es am Sky-Mikrofon nach dem Spiel auf dem Punkt:

"2013 haben wir in so einem Spiel Malaga geschlagen (3:2), heute verlieren wir so in Liverpool."

Comeback-Kings

Das ging schnell! Die Vereinshymne des FC Liverpool, "You'll never walk alone", war kaum verstummt, da führte die Borussia aus Dortmund schon mit 2:0. Henrich Mchitarjan (5.) und Pierre-Emerick Aubameyang (9.) brachten die Anfield Road früh zum Schweigen. Für die "Reds" war es das früheste Gegentor der Vereinsgeschichte in der Europa League. Der BVB führte auf internationaler Bühne nur in im Champions-League-Achtelfinale 2014 in St. Petersburg früher mit 2:0 – damals durch Treffer von Mchitarjan und Marco Reus nach nur fünf Minuten.

Dortmund zeigte in der Folge den Fußball, der sie unter Jürgen Klopp zu zwei Meisterschaften (2011/2012) und dem DFB-Pokalsieg (2012) geführt hatte. Ein funktionierendes Gegenpressing bescherte immer wieder hohe Ballgewinne und leitete schnelle Konter ein. Die Offensive der Borussia bestehend aus Reus, Mchitarjan, Shinji Kagawa und Aubameyang erwischte einen Sahnetag – bis zum Pausenpfiff.

Denn mit Beginn der zweiten Hälfte, begannen auch die "Reds" zu funktionieren. Das Team von Coach-Klopp verlor zu keinem Moment den Glauben an die eigene Stärke, immer im Wissen, dass es Comeback-Qualitäten besitzt. Liverpool spielte sich mehr und mehr in einen Rausch, der BVB verkrampfte. In der Nachspielzeit versetzen die "Reds" dem BVB mit dem 4:3 den Gnadenstoß.

Emre Can war überwältig:

"Ich habe Mitte der zweiten Hälfte meinen Mitspielern in die Augen gesehen – jeder einzelne hat noch daran geglaubt."

Dieser Glaube wurde am Ende belohnt. Liverpool steht im Halbfinale der Europa League. Der BVB verspielt die zweite Titelchance innerhalb von fünf Tagen.

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