Eurosport
Liverpool-King Jürgen Klopp: Nach dem Sieg über den BVB hat er sie alle!
Von
Publiziert 15/04/2016 um 19:45 GMT+2 Uhr
Der Sieg des FC Liverpool über Borussia Dortmund war auch und gerade ein Triumph von Jürgen Klopp. Mit seinem Charisma hat er die Engländer schnell für sich eingenommen, das erstaunliche Comeback setzt nun den Startschuss innerhalb seiner begonnenen Ägide. Nach dem Viertelfinal-Rückspiel der Europa League ist klar: Was Klopp sagt, gilt als Gesetz. Und im Sommer bastelt er am Kader.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Sein rechter Arm schmerzte, bekannte Jürgen Klopp. Er wisse gar nicht, warum...
Bei Anlässen wie dem 4:3-Thriller des FC Liverpool über Borussia Dortmund entfaltet Klopp seine mitreißendsten Kräfte. Wird das Spektakel an der Anfield Road aufgeführt und handelt obendrein gegen Klopps Ex-Liebe (fußballerisch gesehen), quillt der Kitsch fast aus jeder Pore. "Das ist ein Platz für große Geschichten. Wir haben damit nicht angefangen, aber wir haben die Verantwortung, ebenfalls einige schöne Geschichten zu schreiben", sagte der Trainer über das legendäre Liverpooler Stadion.
Dass es eine der größten Geschichten wurde, die Anfield historisch serviert bekam, lag speziell an Klopp selbst - und seinem rechten Arm. Bei diesem Viertelfinal-Rückspiel der Europa League ruderte er wie auf hoher See, als Animationsvehikel für die Haupttribüne und Richtungsweiser an seine Spieler. Klopp, der Menschenfänger.
Klopp ist jetzt Liverpooler
"Jeder Einzelne hat daran geglaubt, das ist krank", berichtete Liverpools Mittelfeldmann Emre Can nach dem 0:2-1:3-4:3-Triumph, der die nicht eben ereignisarme Vereinschronik um ein Kapitel Drama erweitert hat.
Nach dem 1:3 in Minute 57 war‘s quasi vorbei, drei weitere Treffer fehlten zu diesem Zeitpunkt. An der Seitenlinie verzog sich Klopps Gesicht kurz zu einer grimmigen Fratze, und die Zuschauer verstummten. Aber dann: Attacke! "Das war der Moment, in dem du Charakter zeigen musst. Und das haben die Jungs getan", lobte Klopp später.
Seit Oktober 2015 arbeitet der Deutsche beim LFC. In der Premier League gab‘s selten die Schablone und oft Ausreißer, nach oben wie unten, Liverpool ist Achter. Im FA-Cup erwischte es die "Reds" in der vierten Runde, im Ligapokal erreichten sie das Finale, das gegen Manchester City nach Elfmeterschießen verloren wurde.
Es läuft durchwachsen. Aber Klopp ist nunmal Klopp, ein Magnet, der Leute allein durch sein Charisma anzieht und abholt. Am Donnerstag, den 14. April 2016, verwandelte sich dieser "German Guy" endgültig zum Liverpooler.
"Übergang vom Gelben zum Roten"
Das Wahnsinnsspiel werde eine "gewaltige Auswirkung auf die Ära Klopp" haben, orakelt der "Telegraph". Für den "Mirror" dient die Nacht als Klopps Mutation "vom Gelben zum Roten". Das steht tatsächlich zu vermuten, ein derart emotionales Comeback beschleunigt die Prozesse der Verschmelzung. Klopp hat ein mittelmäßig begabtes Team vorangepeitscht, mit dem rechten Arm als Symbol des Widerstands und der Weigerung, auch nur einen Zentimeter vom Glauben abzurücken. Ein Sieg als Statement. Sowas brennt sich ein.
Jetzt glauben sie ihm alles in Liverpool, diesem Deutschen mit dem "08/15-Gesicht", der ja ohnehin beharrlich versucht, seinen Durchschnitt zu betonen: "Ich brenne 95 Minuten. Wenn ich das kann, kann das jeder."
Seine Halbzeitansprache beim 0:2-Rückstand gegen den BVB war eine der Marke Klopp. Dogma: Der Wille kann viel auslösen, wenn er ausgeprägt genug ist. Klopps künftige Reden werden vom Wunder zehren können, der Trainer hat dem Klub etwas Unvergessenes beschert - so ähnlich wie einst in Dortmund gegen Malaga, mit zwei Toren in der Nachspielzeit.
Vorm Stadion werden "Klopp Dogs" verkauft
Das 4:3 kreiert nun eine Grundlage, die es Klopp erlaubt, einen Startschuss innerhalb der begonnenen Ägide zu setzen: psychisch, taktisch, personell. Im Sommer wird der Kader nach seinem Gusto verändert, das verspricht den nächsten Aufbruch.
Für sich eingenommen hat er die Liverpooler bereits. Nach Abpfiff trommelte er sich mit der Hand aufs Herz, während vor dem Stadion die "Klopp Dogs" verkauft wurden. Fans hissten Plakate, auf denen sie "Trust in Klopp" gepinselt hatten, vertraut auf Klopp.
Und wer weiß: Vielleicht muss die Tribüne "The Kop" demnächst um ihre Betitelung bangen. Auch ein intoniertes "You‘ll never Klopp alone" soll schon vernommen worden sein...
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung