Taktik-Check: Tottenham Hotspur entpuppt sich als Top-Team

Mit Borussia Dortmund und Tottenham Hotspur treffen am Donnerstag (ab 19:00 Uhr im Liveticker) zwei der Topfavoriten auf den Titel in der Europa League aufeinander. Beide Mannschaften spielen eine starke Saison und liegen jeweils auf dem zweiten Platz in ihren Ligen. Thomas Tuchel wird seine Mannschaft gut auf die flexiblen Londoner vorbereiten. Eurosport.de macht vorab den Taktik-Check.

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José Mourinho scheitert beim FC Chelsea. Leicester City überrascht die ganze Fußballwelt (zum Artikel: 3 Gründe Leicesters Höhenflug).
Manchester City verkündet die Verpflichtung von Pep Guardiola. Und Louis van Gaal sorgt bei Manchester United ohnehin wöchentlich für Schlagzeilen. Es war viel los in der Premier League. Dass sich eine Mannschaft still und heimlich zum Spitzenteam entwickelt, ging da medial schon etwas unter.
Hohe Außenverteidiger, enge Dreierreihe
Tottenham Hotspur spielt unter Mauricio Pochettino im 4-2-3-1, das ebenso harmonisch wie stabil funktioniert. Mit Walker und Rose hat Tottenham zwei pfeilschnelle Außenverteidiger, die unermüdlich den Weg nach vorne suchen. Diese Wege auf die offensiven Außenbahnen "befreien" die offensive Dreierreihe hinter Mittelstürmer Harry Kane.
Weil Rose und Walker weit vorschieben, können die nominellen offensiven Flügelspieler weit einrücken, sodass man praktisch mit drei Zehnern spielt. Hierfür hat Pochettino einige perfekt geeignete Spieler zur Verfügung. Shootingstar Delle Ali, die Dribbler Nacer Chadli und Erik Lamela, Spielmacher Christian Eriksen sowie den Ex-Bundesligaspieler Heung-Min Son (Leverkusen, HSV).
Wie verteidigt der BVB?
Alle diese Spieler kommen dank ihrer Ballsicherheit unter Druck in engen Räumen zurecht und stellen den Gegner häufig vor Probleme. Die Dreierreihe agiert in der Regel sehr nah beieinander, um schnelle und direkte Kombinationen zu starten. Will der Gegner hier Zugriff erhalten, müssen sich gleich mehrere Spieler aus der kompakten Defensivordnung lösen. In die dadurch geöffneten Räume startet Kane, der vor dem Tor nicht lange fackelt - 17 Ligatore können sich sehen lassen.
Für den BVB wird diese unangenehm zu verteidigende Offensivbesetzung der Londoner eine große Herausforderung werden. Sind sie zu sehr auf den direkten Zugriff aus, kann Tottenham über Doppelpässe und Dribblings der technisch starken Dreierreihe gefährlich werden. Verteidigt Dortmund raumorientierter und dementsprechend passiver, droht eine andere Gefahr: Die Spurs haben ausgezeichnete Distanzschützen in ihren Reihen. Zehn ihrer 51 Ligatore erzielten sie von außerhalb des Strafraums - darunter einige Traumtore von Delle Ali.
Konterräume resultieren aus Mängeln im Spielaufbau
Um diesem Dilemma zu entgehen, könnte Tuchel seinem Team ein hohes Mittelfeldpressing oder gar Angriffspressing verordnen. Tottenham könnte nämlich durchaus Probleme bekommen, wenn sie früh unter Druck gesetzt werden. In der Premier League geschieht dies in der Regel nur von einzelnen Spielern, die mal vorne drauf gehen - von kollektivem, kompakten Pressing keine Spur. Der BVB hingegen kann mit seinen mannschaftstaktisch sehr gut abgestimmten Laufwegen gegen den Ball einige Probleme der Spurs offenlegen.
Weil die Außenverteidiger so früh und weit aufrücken, hängt das Aufbauspiel an den Innenverteidigern und defensiven Mittelfeldspielern. Eric Dier, der den tieferen Part der Doppelsechs gibt, hat jedoch Probleme, sich hinter den gegnerischen Stürmern anspielbar zu machen. Er wird meistens erst als Rückpassoption ins Spiel eingebunden wenn der Ball ohnehin schon weiter vorne war. Mousa Dembélé ist in Ballbesitz sehr viel unterwegs, schiebt aber zu oft weit nach vorne, um bei der Spieleröffnung zu helfen.
Die Innenverteidiger Toby Alderweireld und Kevin Wimmer - der Ex-Kölner vertritt den verletzten Jan Vertonghen - sind zwar ball- und passsicher, könnten durch das Dortmunder Pressing und die Schwächen der Doppelsechs jedoch isoliert werden. Die Folge wären lange Bälle, die Dortmund in der Regel gut verteidigt. Die große Gefahr dabei: Hinter den aufgerückten Außenverteidigern sind große Räume geöffnet, die der BVB über ihre schnellen Akteure nutzen kann.
Tottenham hat sich in dieser Saison hervorragend entwickelt. Spielstil und System passen zum Spielermaterial, zudem bietet der Kader in jedem Mannschaftsteil Optionen von der Bank. Gelingt es, die kleinen taktischen Schwächen zu verbessern, könnten die Spurs sogar dem BVB Probleme bereiten.
Damit würden sie sicherlich auch einmal Thema werden zwischen all den "großen" Geschichten im englischen Fußball.
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