Unter durch die Corona-Pandemie stark erschwerten Bedingungen reiste der dritte Gegner in der Europa-League-Gruppenphase, Slovan Liberec, nach Hoffenheim. Da der Ligabetrieb in Tschechien seit Oktober ruht, hatten die Gäste nur wenig Spielpraxis. Weil zudem noch viele Profis mit dem Virus infiziert waren, kamen in der zusammengewürfelten Gästemannschaft gleich zwei Spieler zu ihrem Profidebüt.
Die Taktik der Tschechen war daher vor allem auf Fehlervermeidung ausgerichtet. Liberec überließ Hoffenheim komplett den Spielaufbau und griff erst einige Meter in der eigenen Hälfte an. Die TSG spielte auf einen schnellen Torerfolg, musste aber zunächst die Lücken in der gegnerischen Abwehr finden.
Joao Klauss (8.) und Mijat Gacinovic (18.) sprang der Ball bei einem Zuspiel in die Schnittstelle jeweils zu weit weg, sodass Keeper Lukas Hasalik noch an den Ball kam.
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Dann aber brach Munas Dabbur den Bann. Nach einer zunächst geklärten Ecke brachte Robert Skov den Ball noch einmal vor das Tor. Weil Liberec-Verteidiger Taras Karacaba ausrutschte, konnte Dabbur den Ball annehmen, ließ einen weiteren Verteidiger aussteigen und brachte das Spielgerät zur 1:0-Führung im Tor unter (22.).
Hoffenheim machte weiter und legte wenig später nach: Skov schoss einen Freistoß von der rechten Strafraumkante scharf vor das Tor. Dabbur fälschte den Ball noch leicht mit der Fußspitze ab, wodurch Hasalik ins Leere griff - das 2:0 (29.). Besonders gut sah der tschechische Schlussmann dabei allerdings nicht aus.
Die Gastgeber hatten das Spiel komplett unter Kontrolle. Sebastian Rudy (39.) und Skov (42.) hatten noch weitere Abschlussgelegenheiten. Liberec dagegen konnte am Ende von Halbzeit eins nicht einen Torschuss vorweisen.
In der zweiten Halbzeit bot sich ein ähnliches Bild. Hoffenheim diktierte das Spiel und ließ praktisch nichts zu. Gleichzeitig suchten die Kraichgauer auch immer wieder den Abschluss.
Florian Grillitsch markierte mit einem Distanzschuss durch die Beine eines Verteidigers das 3:0 (59.). Wieder machte Hasalik, dem die Sicht etwas verdeckt war, nicht die beste Figur beim Gegentor.
Etwas später erhöhte der eingewechselte Sargis Adamyan per Abstauber auf 4:0 (71.). Ihlas Bebou hatte eine Flanke knapp verpasst, wodurch Hasalik nur wenig Zeit zum Reagieren blieb und der Keeper den Ball unzulänglich nach vorne abwehrte, von wo au Adamyan einschob.
Kurz darauf schnürte der Armenier mit dem Treffer zum 5:0 den Doppelpack (76.). Nach einer Flanke von Bebou wurde ein Kopfball des eingewechselten Ishak Belfodil abgefälscht und landete vor den Füßen von Adamyan, der aus kurzer Distanz abstaubte.
Das halbe Dutzend verpasste Bebou kurz vor dem Abpfiff, als er aus spitzem Winkel nur das Außennetz traf (88.).
So blieb es bei einem hochverdienten 5:0-Sieg, durch den Hoffenheim mit neun Punkten aus drei Spielen die Spitze in Gruppe L behauptete und gleichzeitig die perfekte deutsche Woche eintütete. Alle sechs international vertretene deutsche Mannschaften verließen den Platz siegreich - die Fünfjahreswertung wird’s freuen.

Die Stimmen zum Spiel:

Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim): "Ich denke, dass wir heute eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt haben. Wir haben uns vorgenommen, keine Sekunde nachzulassen, das ganze Spiel über Vollgas zu geben und auf Tore zu spielen. Jeder war gierig. Deswegen ging das auch in der Höhe so aus. Wir wollen auf jeden Fall so weitermachen. Wir wollen weiterkommen. Wir haben die Tür aufgestoßen, jetzt müssen wir nur noch durchlaufen."
Florian Grillitsch (TSG Hoffenheim): "Ich denke, es war ein super Spiel von uns. Wir haben nichts anbrennen lassen. Klar, müssen wir den Sieg auch richtig einordnen. Es war bei Slovan Liberec nicht viel Stammpersonal auf dem Platz. Nichtsdestrotz nehmen wir den gerne mit. Dritter Sieg im dritten Spiel - jetzt wollen wir auch in der Bundesliga ein anderes Gesicht zeigen, dass wir auf Dauer Siege einfahren."
Munas Dabbur (TSG Hoffenheim): "Wir sind zufrieden mit unserem Spiel heute und ich persönlich auch mit den zwei Toren. Ich versuche, dem Team so gut es geht zu helfen, damit wir so weit wie möglich in der Europa League kommen. Ich versuche, so viele Tore wie möglich zu schießen. Wir müssen Schritt für Schritt machen und versuchen, so weit wie möglich zu kommen."
Sebastian Hoeneß (Trainer TSG Hoffenheim): "Es läuft ganz gut. Wir müssen das schon realistisch einschätzen. Heute war ein Gegner auf der anderen Seite, der ganz schön geschwächt war. Ich glaube, dass wir das Spiel sehr seriös und klar bestritten haben. Das wird jetzt das Ziel sein, dass wir auch in der Bundesliga den Turnaround schaffen."

Der Tweet zum Spiel:

Besonders rosig waren die Voraussetzungen für die Gäste aus Liberec bereits vor der Partie nicht. Aufgrund von Corona-Infektionen traten die Tschechen mit einer stark ersatzgeschwächten Mannschaft an. Für einige Fans hätte das Spiel gar nicht erst ausgetragen werden sollen.

Das fiel auf: Hoffenheim zeigt Solidarität für Sessegnon

Am vergangenen Wochenende war Hoffenheims Leihgabe Ryan Sessegnon rassistischen Beleidigungen ausgesetzt. Die TSG hatte sich bereits in einem Statement positioniert. Nun bekundeten auch Sessegnons Mitspieler ihre Solidarität und setzten nach dem Tor zum 1:0 ein Zeichen gegen Rassismus.

TSG Hoffenheim

Fotocredit: Getty Images

Die Statistik: 80 Prozent

Die Favoritenrolle war vor dem Spiel klar verteilt. Obwohl auch Hoffenheim etwas rotierte, zählte für die Gastgeber nur der Sieg. Und diese Vorgabe setzte der deutsche Vertreter auch eindeutig um. Die Hoffenheimer zeigten einen Auftritt, der kaum souveräner hätte sein können. Slovan Liberec hatte wenig Spielanteile, kam nur selten überhaupt in die gegnerische Hälfte und blieb dabei völlig ungefährlich. Am Ende hatte Hoffenheim 80 Prozent Ballbesitz und ein Torschussverhältnis von 24:3.
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