Drei Dinge, die bei Eintracht Frankfurt gegen FC Barcelona auffielen: Frankfurter Fiesta
VonThomas Gaber
Publiziert 08/04/2022 um 00:16 GMT+2 Uhr
Eintracht Frankfurt trotzt dem FC Barcelona im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League ein 1:1 ab und hat zumindest eine Außenseiter-Chance, nächste Woche im Camp Nou den großen Coup zu landen. Die Frankfurter waren auf Augenhöhe mit dem großen Gegner, weil sie eine gute Balance zwischen Attacke und Rückzug fanden. Barça dagegen bekommt den Auswärts-Mief nicht raus. Drei Dinge, die uns auffielen.
Glasner schürt Halbfinal-Traum: "Können in Barcelona gewinnen"
Quelle: Perform
Eintracht Frankfurt rockt Europa. Die Hessen lieferten gegen den FC Barcelona im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League eine starke Leistung ab und dürfen trotz des 1:1 weiter vom Einzug ins Halbfinale träumen.
Vor 48.000 Zuschauern schoss Ansgar Knauff die Eintracht mit einem Traumtor in Führung (48.), Ferran Torres glich für Barça aus (66.).
Das Rückspiel findet nächste Woche Donnerstag im Camp Nou statt (ab 21 Uhr im Liveticker).
Was uns in Frankfurt auffiel.
1.) Frankfurter Fiesta
2019 spielte Eintracht Frankfurt im Halbfinale gegen den FC Chelsea und schied äußerst unglücklich erst im Elfmeterschießen aus. Das Duell mit den Blues stellte den Höhepunkt einer großartigen Europareise in der Saison 2018/19 dar.
Drei Jahre später greift Frankfurt wieder nach den Sternen in der Europa League. Das Los FC Barcelona ist nochmal eine Stufe höher anzusiedeln als Chelsea, weil attraktiver und ehrfürchtiger. Das Spiel des Jahres für Eintracht Frankfurt, wenn nicht gar des letzten Jahrzehnts.
Da kann man leicht mal überdrehen, erst recht, wenn die Bude endlich wieder voll sein darf und 48.000 Zuschauer für eine einzigartige Atmosphäre sorgen.
Doch Frankfurt tat genau das Gegenteil. Von Nervosität oder (zu) großem Respekt keine Spur. Der Eintracht gelang es im Spiel gegen den Ball exzellent, die richtige Dosierung zu finden zwischen frühem Pressing und rechtzeitigem Zurückziehen, um Barça keinen Raum zu geben, zwischen die Linien zu kommen.
Bei aller Leidenschaft vergaßen die Frankfurter nicht, den Kopf einzuschalten. Nach dem Ballgewinn wurde nicht blind nach vorne gerannt und langer Hafer geschlagen, sondern Barça mit präzisen, vertikalen Pässen in Verlegenheit gebracht.
"Wir freuen uns sehr über eine fantastische Leistung. Wir haben wenig zugelassen und waren mutig. Genau das hatten wir uns vorgenommen", sagte Frankfurts Trainer Oliver Glasner bei "RTL".
Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann die mangelhafte Chancenverwertung. "Wir hätten das Spiel sogar gewinnen können, wenn man die Qualität der Torchancen sieht. Aber wir wollten mit einem Ergebnis nach Barcelona reisen, das uns eine Chance gibt, weiterzukommen. Das haben wir geschafft", sagte Glasner.
2.) Barça zeigt sein Auswärts-Gesicht
Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat Xavi die Katalanen wieder in die Spur gebracht. Barça spielte zuletzt häufiger wie zu alten Glanzzeiten inklusive einer Galavorstellung beim 4:0 im Clasico bei Real Madrid. Seit drei Monaten hat der FC Barcelona kein Spiel mehr verloren.
Die Blaugrana fuhren als klarer Favorit nach Frankfurt, ließen sich aber dort den Schneid abkaufen. Ein strammer Abschluss von Ferran Torres in der 3. Minute, den Frankfurts Torhüter Kevin Trapp bravourös parierte, sollte für sehr lange Zeit die einzige vernünftige Offensivaktion der Gäste bleiben.
Barça agierte im Angriff zumeist behäbig und uninspiriert. Das Flügelspiel lahmte und Pierre-Emerick Aubameyang bekam im Sturmzentrum keinen Fuß auf den Boden. Barcelona schoss sieben Mal aufs Tor, Frankfurt 16 Mal.
Es war wie so oft in den letzten Jahren bei Auswärtsspielen des FC Barcelona auf internationalem Terrain. Man erinnere an das 0:3 beim AS Rom im CL-Viertelfinale 2018, an das 0:4 beim FC Liverpool im Halbfinale ein Jahr drauf oder die beiden 0:3-Klatschen in der Gruppenphase dieser Saison in der Königsklasse in Lissabon gegen Benfica und in München gegen die Bayern.
Barça bekommt den Mief in der Fremde nicht raus, das Potential wird nicht im Ansatz ausgeschöpft. Letztlich war es dieser einen genialen Aktion von Ousmane Dembelé, Frenkie de Jong und Ferran Torres (66.) zu verdanken, dass die Xavi-Elf das Spiel nicht verlor.
Der Coach hatte in der Startelf auf de Jong und Dembelé verzichtet und sich dabei ein wenig verzockt. Kurz nach ihrer Einwechslung waren beide maßgeblich am Ausgleich beteiligt.
"Es war ein schwieriges Spiel. Frankfurt hat viele Torchancen kreiert im Umschaltspiel. Wir haben zu wenig dagegengehalten und waren im Angriff einfach nicht gut. Wir müssen im Rückspiel deutlich besser spielen, sonst werden wir auch dort große Probleme bekommen", resümierte Xavi.
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Quelle: Perform
3. ) Vor Flicks Augen: Knauff lässt die Muskeln spielen
Bundestrainer Hans-Dieter Flick ließ sich den Leckerbissen nicht entgehen: Mit Marc-Andre ter Stegen und Kevin Trapp standen schließlich auch seine Nummer zwei und drei im Kasten.
Doch es gab noch einen Spieler, der schon bald interessant werden könnte für Flick. Ansgar Knauff präsentiert sich seit Wochen in sehr guter Verfassung und ist fester Bestandteil der deutschen U-21-Nationalmannschaft.
Der 20-Jährige nutzte die Gunst der Stunde. Knauff beackerte seine rechte Seite, unterstützte Tuta tatkräftig bei der Verteidigung von Torres und schoss obendrein ein absolutes Sahnetor. Kurz nach der Pause hämmerte er den Ball aus 20,6 Metern in den rechten Giebel.
"Ich kann das Tor noch gar nicht richtig wahrnehmen. Davon träumt man als kleines Kind. Das werde ich nie vergessen", sagte Knauff bei "RTL": "Es war ein unglaublicher Abend, wir haben ein Hammer-Spiel geliefert und über 90 Minuten nicht viel zugelassen. Das ist gegen Barcelona nicht selbstverständlich. Wir haben gezeigt, dass wir Barcelona weh tun können."
Sein Wechsel von Borussia Dortmund im Januar erweist sich für Knauff als goldrichtig. Er bekommt in Frankfurt jede Menge Spielzeit und kann sein Potential voll entfalten.
Bis 2023 ist Knauff an die Eintracht ausgeliehen. Bringt er öfter solche Leistungen wie gegen Barça, wird ihn der BVB mit Kusshand zurücknehmen. Und Flick vielleicht mit nach Katar.
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