Drei Dinge, die bei Eintracht Frankfurt gegen West Ham United auffielen: Klare Knauff-Empfehlung

Eintracht Frankfurt siegt im Halbfinal-Hinspiel der Europa League 2:1 bei West Ham United und bestätigt damit das grandiose Barça-Erlebnis. Ansgar Knauff tritt erneut als Türöffner in Erscheinung, während Filip Kostic und Daichi Kamada die linke Seite royal beherrschen. Jetzt sind es nur noch 180 Minuten bis zum großen Traum - und bis zur Champions League. Drei Dinge, die uns in London auffielen.

Ansgar Knauff lässt sich von den Eintracht-Fans feiern - West Ham United vs. Eintracht Frankfurt

Fotocredit: Getty Images

Präsident Peter Fischer war mal wieder fix und fertig.
"Unendliche Leidenschaft", hatte der Vorsteher von Eintracht Frankfurt beim 2:1 (1:1)-Sieg im Halbfinal-Hinspiel der Europa League im Londoner Olympiastadion gegen West Ham United gesehen und meinte in Richtung der TV-Zuschauer in Deutschland leicht übereuphorisiert: "Wer heute nicht Eintracht-Fan war, den kann ich nicht verstehen."
Objektiv betrachtet lieferte die Eintracht nach dem Husarenstück von Barcelona (3:2) im Osten der englischen Mega-Metropole erneut eine enorm reife Leistung ab und siegte nicht unverdient - zwei Alu-Treffer der Londoner hin oder her.
"Überrascht hat es mich nicht, wir haben eine konzentrierte Leistung gezeigt und uns bis zum Schluss voll reingehauen", freute sich Torwart Kevin Trapp bei "RTL: "Wir wissen: Wenn wir alle alles bringen, können wir so spielen." Und es in sieben Tagen vielleicht auch ins Endspiel (am 18. Mai in Sevilla) schaffen.
Drei Dinge, die uns in London auffielen.

1.) Klare Knauff-Empfehlung

Bevor Ansgar Knauff im Januar auf Leihbasis von Borussia Dortmund zu Eintracht Frankfurt wechselte, hatte der 20-Jährige gerade mal 338 Einsatzminuten im Profigeschäft auf dem Buckel. Bei der Eintracht hat sich der gebürtige Göttinger nun in nur drei Monaten in die Herzen der Fans gespielt.
Nach seinem Kracher zum 1:0 im Hinspiel gegen den FC Barcelona fungierte Knauff nun auch im Halbfinal-Hinspiel bei West Ham als Türöffner; schon nach 51 Sekunden stahl er sich im Rücken seines Abwehrspielers davon, sprang perfekt getimed in die Flanke von Rafael Borré und köpfte den Ball zur Eintracht-Führung ins Netz.
Als rechter Läufer im 3-4-3 eingesetzt, überzeugte der U21-Nationalspieler aber auch im Defensivbereich, lief viele Löcher zu, ließ sich auch im rechten Moment in die Abwehrkette fallen und bestritt aufseiten der Eintracht nach Martin Hinteregger die zweitmeisten Zweikämpfe (9). Es scheint fast so, als sei Knauff das fehlende Puzzleteil für Trainer Oliver Glasner gewesen.
"Das Tor war super, auch in der Entstehung. Bei ihm ist wichtig, dass er bescheiden bleibt, dann kann er eine große Karriere starten", sagte der Eintracht-Coach: "Er hat in den Monaten hier schon einen riesigen Schritt nach vorne gemacht und so wie ich ihn kenne, wird er auch bescheiden bleiben."
"Das war von der ganzen Mannschaft ein starker Auftritt. Wir haben wie in Barcelona direkt Druck gemacht und den Gegner ein bisschen überrascht", sagte Knauff bei "RTL": "Es ist einfach ein tolles Gefühl und ein unglaublicher Weg, den wir gerade gehen. Jetzt sind wir nur noch einen Schritt vom Finale entfernt."
An die Eintracht ist Knauff übrigens auch noch für die kommende Saison verliehen. Eine Kaufoption haben die Frankfurter aber nicht.

2.) K&K statt Rule Britannia

In London verbindet die Jubilee Line die Haltestelle Green Park am Buckingham Palace mit Stratford am Olympiastadion. Auf der linken Angriffsseite der Eintracht regierte am Abend aber nicht Queen Elizabeth II., sondern Filip Kostic und Daichi Kamada. Frankfurts K&K-Monarchie brachte vor allem West Hams Rechtsverteidiger Ben Johnson ordentlich ins Schwitzen. Nicht von ungefähr fanden beide Eintracht-Treffer ihre Entstehung auf der linken Seite.
Kostic flankte sich erneut aus jeder Lebenslage wund (sieben Flanken aus dem Spiel), während Kamada im Halbraum vor ihm viele wichtige Läufe startete. Seinen wichtigsten wohl in Minute 54: West-Ham-Keeper Alphonse Aréola wehrte da zwar noch den Schuss des durchgestarteten Djibril Sow fantastisch ab, in der Mitte war jedoch der Japaner zur Stelle und drückte souverän ein.
Kurz vor Schluss scheiterte Kamada, mit nun 14 Torbeteiligungen in 21 Europa-League-Spielen für die Eintracht sowas wie der Mr. Europacup der Neuzeit, auch noch mit einem Schuss am Pfosten (79.). Ein 3:1 wäre angesichts des insgesamt eher ausgeglichenen Torchancenverhältnisses aber vielleicht auch des Guten zu viel gewesen.
Wie Kamada und Sow verstanden es aber auch Borré und der später verletzt ausgewechselte Jesper Lindström, immer wieder in sich bietende Räume zu stechen und dort Eins-gegen-Eins-Situationen zu provozieren.
"Diesen Tiefgang - das wollten wir. Wir wussten auch, dass West Ham im Strafraum mit den Innenverteidigern manchmal passiv ist", erklärte Glasner zufrieden: "Wir wollten uns ihrer Manndeckung entziehen. Respekt, wie die Jungs das auch immer gleich so umsetzen."

3.) Noch 180 Minuten bis zur Champions League

2018/19 war die Eintracht in London noch denkbar knapp am FC Chelsea im Halbfinale gescheitert - Stichwort Elfmeterschießen. Drei Jahre später kehrte Frankfurt wahrhaft triumphal in Englands Hauptstadt zurück und hat nun bereits etwas mehr als die halbe Miete fürs Endspiel in Sevilla in der Tasche.
Der Traum vom Titel in der Europa League lebt jedenfalls - und mit ihm der vom Ticket für die Champions League. "Es waren 30.000 in Barcelona, weil sie an uns glauben - nicht, weil Barcelona so eine schöne Stadt ist", meinte Trapp zur entsprechenden Unterstützung der Fans, auf die es auch in sieben Tagen in Frankfurt ankommen wird: "Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition und können es vor eigenem Publikum klar machen. Das Stadion wird platzen. Wir glauben dran und wir können es packen."
Präsident Fischer hoffte indes, dass die Adler nun nicht vorschnell abheben. "Ich bin sprachlos. Ich denke, wir haben verdient gewonnen. Aber es ist erst Halbzeit. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie Lyon im Rückspiel auswärts 3:0 weggehauen haben. Also: Demut. Wir freuen uns, aber keiner von uns dreht ab", meinte der 66-Jährige mit heiserer Stimme.
Eine Statistik, die Mut macht: Nach einem Hinspielsieg kam die Eintracht in den letzten zehn Fällen in der K.o.-Phase des Europapokals auch immer eine Runde weiter
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Quelle: Perform

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