Timo Werner feiert Europa-League-Triumph mit Tottenham Hotspur: Titel gewonnen, Anschluss verloren

Timo Werner darf sich Europa-League-Sieger nennen. Zudem wird der 29-Jährige in die Geschichte von Tottenham Hotspur eingehen, schließlich gehört er zum erweiterten Kreis der Mannschaft, die die jahrzehntelange titellose Durststrecke der Spurs beendete. Doch die glorreichen Zeiten des einst besten deutschen Stürmers sind lange vorbei - und die Optionen für seine sportliche Zukunft überschaubar.

Spurs-Trainer Postecoglou: "Mache jetzt eine schöne Flasche Scotch auf"

Quelle: Perform

Aleksander Ceferin ist ein alter Hase, was die Preisverleihung nach großen Finals angeht. Als langjähriger UEFA-Präsident hat der Slowene die Abläufe perfektioniert.
Als am Mittwochabend in Bilbao die Europa-League-Sieger von Tottenham Hotspur ihre Medaillen in Empfang nahmen, spulte Ceferin bei jedem einzelnen Spieler sein Programm ab: Handshake mit der rechten Hand, während die linke nach hinten nach den Medaillen greift, die ihm sein Adjutant bereithält.
Doch diesmal unterlief den Organisatoren ein peinlicher Fehler: Es waren nicht genügend Medaillen vorhanden, sodass drei Spieler, darunter Kapitän Heung-min Son, leer ausgingen. Seinen bemitleidenswerten Helfer musterte Ceferin daraufhin mit einem strengen Blick - inklusive verbalem Einlauf.
Der Grund für den Fauxpas: Die UEFA hatte ihre Rechnung ohne vier Spurs-Profis gemacht, die gar nicht im Finalkader standen, aber an der Siegerehrung teilnahmen - darunter auch Timo Werner.

Werners Stationen: Leipzig, London, Leipzig, London

Für den 29-Jährigen war die Zuschauerrolle kein Einzelfall. Werner wurde vom Verein nicht für K.o.-Phase der Europa League gemeldet. Auch in der Premier League war der Stürmer zuletzt zum Zuschauen verdammt, in den letzten zehn Spielen stand er es nicht mehr im Spurs-Kader.
Der Absturz des ehemaligen besten deutschen Angreifers, der für die A-Nationalmannschaft 57 Länderspielen 24 Tore erzielte, ging damit im Norden Londons gnadenlos weiter.
Rückblick: Im Sommer 2020 legte der FC Chelsea noch 53 Millionen Euro für Werner auf den Tisch, um ihn aus Leipzig auf die Insel zu holen. RB bezahlte zwei Jahre später immerhin noch 20 Millionen für die Rückholaktion.
2022/23 schoss er in 40 Pflichtspielen für Leipzig 16 Tore. In der Hinrunde 2023/24 kam er nur noch zehn Mal zum Einsatz (zwei Treffer), woraufhin er sich im Januar 2024 auf Leihbasis für eineinhalb Jahre Tottenham anschloss.
picture

Timo Werner (im roten Kreis) feiert den Titel in der Europa League 2024/25 mit Tottenham Hotspur

Fotocredit: Getty Images

Stress mit Trainer und Fans der Spurs

Dort hat Werner in 41 Spielen nur drei Tore erzielt, dafür aber regelmäßig Trainer und Fans auf die Palme gebracht. Die Spurs-Anhängerschaft pfiff ihn immer mal wieder aus, weil er aus ihrer Sicht nicht die richtige Einstellung mitbrachte.
Werners Laissez faire kam auch bei Coach Ange Postecoglou nicht gut an. Nach einem Europa-League-Spiel gegen die Glasgow Rangers im Dezember 2024 wurde er vom Coach heftig angezählt.
"Seine Leistung war nicht akzeptabel. Er hat bei weitem nicht das Level gebracht, das er bringen sollte. Wenn ich von jüngeren Spielern verlange, einen guten Job zu machen, erwarte ich das erst recht von den erfahrenen Spielern", sagte Postecoglou.
Von da an war Werner bei ihm unten durch. Dabei hatte er im Herbst noch ein kleines Zwischenhoch erlebt. Nachdem er im November gegen Manchester City einen Treffer von Brennan Johnson sehenswert vorbereitet hatte, lobte TV-Experte Paul Robinson: "Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so an Kyle Walker vorbeigelaufen ist. Timo Werner hat den Turbo eingeschaltet."

RB Leipzig erwägt Verkauf zum Nulltarif

Werners Spiel war stets auf seine Schnelligkeit mit und ohne Ball ausgelegt. Er war im Laufe seiner Karriere aber nicht in der Lage, einen Plan B zu entwickeln, wenn seine Stärken nicht zum Tragen kamen. "Werner ist eindimensional und dadurch leicht auszurechnen. So hilft er Tottenham überhaupt nicht weiter", urteilte auch die "Daily Mail".
In London hat Werner keine Zukunft, bei seinem Stammverein Leipzig auch nicht. RB spielt nach einer schwachen Saison in der nächsten nicht im Europacup und plant infolgedessen einen Kaderumbruch - ohne Werner.
"Verträge gilt es zu respektieren. Dennoch werden wir sehr ehrliche Gespräche führen und unsere Gedankengänge erklären", kündigte Geschäftsführer Marcel Schäfer unlängst vielsagend an. Laut "Sport Bild" erwägt Leipzig sogar, Großverdiener Werner (rund zehn Millionen Euro Jahresgehalt) trotz eines bis 2026 laufenden Vertrages zum Nulltarif gehen zu lassen.

Champions-League- und Europa-League-Sieger

Eine geringe (oder gar keine) Ablöse machen Werner zu einem begehrten Spieler, wenn auch nicht für die Klubs der ersten Riege in Europa.
Immerhin ist da aber ein Profi preisgünstig auf dem Markt, der für den VfB Stuttgart, Chelsea, Leipzig und Tottenham insgesamt 153 Tore geschossen und 86 vorbereitet hat.
Zudem ist Werner erst der sechste Spieler, der mit verschiedenen Klubs Champions-League- (Chelsea 2021) und Europa-League-Sieger (Tottenham 2025) wurde.
Ein Verbleib in der Bundesliga ist eher unwahrscheinlich, auch wenn die "Bild" sogar den FC Bayern als möglichen Abnehmer ins Gespräch brachte. Werner als Backup für Harry Kane? Kaum vorstellbar.
Um für andere deutsche Klubs interessant zu werden, müsste Werner auf einen beträchtlichen Teil seines Gehalts verzichten. Am wahrscheinlichsten ist ein Wechsel nach Saudi-Arabien oder in die USA.
Den Triumph von Bilbao feierte Werner derweil mit allerhand Selfies im Stadion und einem Instagram-Post. "What a Team! Like I said. I came to win titles. Thank you and good night!", schrieb er. Sein Lächeln auf dem Foto - eher gequält. Trotz Medaille.
picture

United-Coach Amorim stellt klar: "Ich werde nicht kündigen"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung