UEFA Supercup: Martínez schießt FC Bayern zum nächsten Titel

Der FC Bayern München hat den UEFA Supercup gewonnen. Das Team von Trainer Hansi Flick setzte sich in Budapest nach Verlängerung mit 2:1 (1:1, 1:1) gegen den FC Sevilla durch. Leon Goretzka glich in der 34. Minute die frühe Führung durch Lucas Ocampos (13./FE) aus. Den entscheidenden Treffer erzielte ausgerechnet Joker Javier Martínez (104.), der mit einem Abschied in Verbindung gebracht wird.

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So lief das Spiel:

Hansi Flick vertraute fast der gleichen Elf wie beim furiosen 8:0-Auftaktsieg gegen den FC Schalke. Nur David Alaba kehrte für Jerome Boateng in die Mannschaft zurück. Mit entsprechendem Selbstvertrauen startete der deutsche Rekordmeister in die Begegnung und übte früh Druck auf Europa-League-Sieger Sevilla aus. Gnabry kam erstmals gefährlich vor das gegnerische Tor, doch sein Querpass landete in den Armen von Keeper Bono (5.).
Dann allerdings zeigte Schiedsrichter Anthony Taylor plötzlich auf den Punkt. Es gab Elfmeter für Sevilla. Ausgerechnet Alaba, dessen Zukunft in München nach wie vor ungeklärt ist, hatte Ivan Rakitic mit einem Stoß in den Rücken zu Fall gebracht. Zuvor hatte sich Luuk de Jong im Kopfballduell gegen Niklas Süle durchgesetzt. Beim fälligen Strafstoß übernahm Lucas Ocampos die Verantwortung, verlud Manuel Neuer und verwandelte sicher unten links zum 1:0 (13.).
Die Bayern brauchten nach dem Rückschlag eine Weile, um wieder in den Rhythmus zu finden, auch weil Sevilla sehr konzentriert verteidigte. Dann allerdings häuften sich die Chancen für den Champions-League-Sieger. Thomas Müller hatte die erste von einer Reihe guter Gelegenheiten, als er nach einem Pass von Robert Lewandowski aus kurzer Distanz zum Abschluss kam, aber im letzten Moment noch von Jules Kounde geblockt wurde (22.). Kurz danach verfehlte Benjamin Pavard nach einer Müller-Ablage knapp den linken Winkel, hätte dabei aber auch im Abseits gestanden (26.). Und auch Lewandowski zeigte sich nicht treffsicher. Nach einem langen Pass scheiterte der Pole mit einem deutlich zu kurzen Lupfer an Sevilla-Torwart Bono (30.).
Stattdessen machte es Leon Goretzka nach feinem Zusammenspiel der Münchner besser. Müller spielte einen hohen Außenristpass in den Strafraum, Lewandowski drehte sich um die eigene Achse und legte auf Goretzka ab, der den Ball direkt nahm und zum 1:1-Ausgleich verwertete (34.).
Nach dem Ausgleich traute sich Sevilla, das sich zuvor komplett auf die Verteidigung beschränkt hatte, auch wieder nach vorne. Größere Chancen blieben aber auf beiden Seiten aus. So ging es mit dem Unentschieden in die Pause.
Sevilla startete gleich mit einer guten Chance in Durchgang zwei. Sergio Escudero flankte auf de Jong, doch Neuer parierte den Abschluss des Niederländers (46.). Danach übernahmen allerdings wieder die Münchner. Ein wunderschön herausgespieltes Tor wurde aberkannt, weil Lewandowski beim Pass von Sane knapp im Abseits stand. Der Pole hatte das Anspiel per Kopf auf Müller abgelegt, der den Ball mit der Brust stoppte und wieder auf Lewandowski zurücklegte, sodass der Pole nur noch einschieben musste (52.).
Wenige Minuten später war der Ball wieder im Tor, doch erneut zählte der Treffer nicht. Leroy Sane hatte einen Abpraller aus zehn Metern ins Eck geschoben, doch Schiedsrichter Taylor pfiff den Treffer zurück, weil sich Lewandowski zuvor gegen Escudero aufgestützt hatte – erneut eine harte Entscheidung gegen die Bayern (64.).
Der deutsche Rekordmeister drückte weiter, doch Sevilla stand defensiv gut und ließ wenig zu. Und dann hatten die Spanier kurz vor Schluss die Riesenchance auf den Sieg. Nach einer Bayern-Ecke startete Jesus Navas einen blitzschnellen Konter und bediente Youssef En-Nesyri. Doch der Marokkaner scheiterte freistehend am glänzend reagierenden Neuer (87.).
Es ging daher in die Verlängerung. Und Sevilla hatte gleich wieder zwei gute Gelegenheiten. Zunächst verpasste Ocampos den richtigen Zeitpunkt für ein Abspiel (91.), kurz darauf lenkte Neuer einen Schuss von En-Nesyri noch an den Pfosten (92.).
Dann allerdings schlug die Stunde von Javi Martínez. Nur fünf Minuten nach seiner Einwechslung wuchtete der Spanier einen Abpraller nach einer Ecke per Kopf ins Tor zum 2:1 (104.).
Sevilla fehlte nach dem Treffer die Kraft, noch einmal zurückzukommen. Stattdessen hatte Lewandowski die letzte Chance des Spiels, verfehlte das Tor aber erneut mit einem Lupfer (120).
Dann war Schluss und der FC Bayern durfte sich über den nächsten Titel unter Hansi Flick freuen. Die Siegesserie von 22 Spielen war durch das Unentschieden nach 90 Minuten allerdings gerissen. Doch das dürfte die Bayern mit dem Pokal in der Hand nur bedingt interessieren.

Die Stimmen zum Spiel:

Javi Martínez (FC Bayern): "Egal ob ich 10 oder 15 Minuten spiele, ich gebe alles, ich versuche immer, der Mannschaft zu helfen. Und heute war das mit einem Tor. Es war ein Traum. Es war wie 2013, da habe ich auch ein Tor gemacht. Es war ein sehr schöner Abend. Ich will heute nur feiern mit der ganzen Mannschaft. Nicht zu viel, weil wir haben noch ein Spiel am Sonntag. Wenn ich am Sonntag dabei bin, werde ich alles geben. Solange ich hier bin, werde ich alles geben und dieses Trikot verteidigen."
Thomas Müller (FC Bayern): "Sevilla war der erwartet schwierige Gegner, weil sie ein sehr eingespieltes Team sind. Sie sind durch den Elfmeter in Führung gegangen und dann standen wir erstmal da und mussten uns ein bisschen sammeln. Wir haben uns das Leben ein bisschen selbst schwer gemacht. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir dem Spiel unseren Stempel aufgedrückt. Die Kirsche auf der Sahne war natürlich, dass unser Mister Supercup, Javi Martínez, uns zum Sieg geköpft hat. Ich glaube, er hat dem Verein sehr, sehr viel gegeben. Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt mit ihm weitergeht. Aber er hat mir in den letzten acht Jahren geholfen, den einen oder anderen Titel zu holen. Also danke Javi. Aber ein Schlawiner ist er auch."
Manuel Neuer (FC Bayern): "Dass der Javi ein guter Kopfballspieler ist, weiß man nicht nur national, sondern international auch. Es ist nicht so leicht, gegen Sevilla zu spielen. Wir haben den Sieg verdient, weil wir immer am Drücker waren. Ich denke, dass wir auch stolz auf unsere Leistung sein können."
Ivan Rakitic (FC Sevilla): "Es sind kleine Details, die heute das Spiel entschieden haben. Ich glaube, man hat heute auch gesehen, wie wichtig Manuel Neuer ist. Wir hatten zwei super Chancen, das zweite Tor zu machen. Dann schenken wir einen Eckball an die Bayern, aus dem dann das zweite Tor kommt. Ich glaube, wir können wirklich stolz auf die Mannschaft sein, auf die Art und Weise, wie wir gearbeitet haben gegen die beste Mannschaft Europas. Wir sind gut vorbereitet für die Liga."

Das fiel auf: Sevilla zeigt, wie es geht

Man muss zugeben, dass auch Glück im Spiel war, als zwei Tore der Bayern aberkannt wurden. Dennoch zeigte Sevilla, wie man den übermächtigen Bayern beikommen kann und entwarf damit die Blaupause, die sich wohl auch einige Bundesligisten in den nächsten Wochen zu Herzen nehmen werden. Die Andalusier zogen sich zeitweise sehr tief in die eigene Hälfte zurück und machten die Räume sehr eng. Aus dieser Position heraus starteten sie immer wieder gefährliche Konter. Diese Taktik wäre auch fast schon in der regulären Spielzeit belohnt worden, als En-Nesyri kurz vor Schluss frei vor dem Tor an Neuer scheiterte. Sevilla war die erste Mannschaft seit 22 Spielen, die sich den Bayern nach 90 Minuten nicht geschlagen geben musste.

Der Tweet zum Spiel:

Der große Matchwinner war einer, der eigentlich nicht mehr da sein sollte: Javi Martínez. In seinem vielleicht letzten Spiel für den FC Bayern besorgte der Spanier den spielentscheidenden Treffer in der Nachspielzeit und war nach dem Spiel sichtlich berührt.

Die Statistik: 3

Drei Tore wurden am Ende auf dem Spielberichtsbogen eingetragen, ganze drei weitere Male fand sich der Ball noch im Tor wieder. Allerdings erkannte Schiedsrichter Anthony Taylor die Treffer ab. Beide Mannschaften erzielten je ein Abseitstor, das korrekterweise zurückgenommen wurde, der dritte Treffer wurde den Bayern aufgrund eines Foulspiels von Lewandowski aberkannt. Gerade über diesen Pfiff ärgerten sich viele Bayern-Fans und auch viele neutrale Zuschauer zeigten ihre Verwunderung. Das Einsteigen von Lewandowski gegen Escudero als Foul zu werten, war aus Bayern-Sicht eine harte Entscheidung.

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