Oliver Kahn spricht von "einer Art Streitkultur", Karl-Heinz Rummenigge zieht Vergleiche zu früheren Meinungsverschiedenheiten mit Uli Hoeneß.
Immer wieder wird deutlich: Das Verhältnis zwischen Triple-Trainer Hans-Dieter "Hansi" Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic ist nicht das Beste - es gilt vielmehr als professionell, aber unterkühlt.
Professionalität, die sich darin zeigt, dass beide in der vergangenen Saison Teil der mit sechs Titeln erfolgreichsten Spielzeit der Münchner Vereinsgeschichte waren. Unterkühlt, weil sich zwischen Flick und Salihamidzic immer wieder Spannungen aufbauen.
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Blick hinter die Kulissen: "Amazon" dreht Bayern-Doku
02/02/2021 AM 13:21
Kein Wunder, gehen die Verantwortungsbereiche von Sportvorstand und Trainer doch fast fließend ineinander über.

Streitpunkt 1: Die Tripleabwehr vs. Hernández

Als Sportvorstand ist Salihamidzic der Hauptverantwortliche für die Kaderzusammenstellung, Flicks Aufgabe als Trainer ist es, mit den ihm zur Verfügung stehenden Spielern größtmöglichen sportlichen Erfolg einzufahren. Dafür hat er logischerweise ein gewisses Mitspracherecht was Transfers angeht, das letzte Wort aber hat Salihamidzic - und das birgt offensichtlich Konfliktpotenzial.
In der Vergangenheit gerieten Flick und Salihamidzic immer wieder wegen des Personals aneinander. Dass Thiago den Verein im Sommer ablösefrei in Richtung Liverpool verließ, David Alaba und Jérôme Boateng im Sommer womöglich folgen, schmeckte und schmeckt dem Trainer beispielsweise ganz und gar nicht.

Jérôme Boateng (l.) jubelt mit David Alaba - FC Bayern München vs. TSG 1899 Hoffenheim

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Zumal das Duo Alaba/Boateng momentan wieder Flicks erste Wahl in der Abwehrzentrale ist. Der 55-Jährige setzte zuletzt auf die erfolgreiche Viererkette aus der Triple-Saison bestehend aus Benjamin Pavard, Boateng, Alaba und Alphonso Davies und stabilisierte die in dieser Saison nicht immer sattelfeste Defensivreihe so merklich. In den vergangenen drei Bundesligaspielen stand zwei Mal die Null, einzig beim 4:1-Erfolg gegen die TSG 1899 Hoffenheim gab es ein Gegentor.
Die Kehrseite der Medaille: 80-Millionen-Mann Lucas Hernández kommt auch in seinem zweiten Jahr in München noch nicht wirklich von der Stelle. Ein Transfer, den Salihamidzic einfädelte und den er sich gerne als Erfolg anheften würde.
Dafür muss der 24-Jährige allerdings regelmäßig spielen.

Streitpunkt 2: Die Sommertransfers

Der Franzose ist nicht der einzige Salihamidzic-Neuzugang, der es unter Flick schwer hat. Im Herbst schlug Brazzo kurz vor Schließung des Transferfensters gleich fünf mal zu. Marc Roca kam für neun Millionen Euro von Espanyol Barcelona, Buona Sarr für acht Millionen Euro von Olympique Marseille und Eric Maxim Choupo-Moting ablösefrei von PSG.
Zudem wurde mit Douglas Costa ein alter Bekannter von Juventus Turin bis zum Saisonende ausgeliehen, Tiago Dantas kam von Benfica Lissabon.
Zugegeben: Keiner der fünf wurde mit der Erwartungshaltung verpflichtet, auf Anhieb eine Hauptrolle beim amtierenden Triple-Sieger zu spielen - dennoch hatte man sich etwas mehr erwartet. Roca (366 Minuten), Choupo-Moting (413 Minuten), Sarr und Costa (je 630 Minuten) dürfen aktuell allenfalls als Kaderauffüller bezeichnet werden. Dantas spielte nur in der Drittligamannschaft.

FC Bayern: Hansi Flick mit den Neuzugängen Eric Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr, Tiago Dantas und Marc Roca

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Immer wieder sollen die Nachzügler-Neuzugänge für Diskussionen zwischen "Brazzo" und Flick sorgen. Laut "Sky" seien alle Transfers allerdings in "gegenseitigem Einvernehmen" getätigt worden.
Das allerdings ist ein dehnbarer Begriff, der nicht selten für unter Druck geschlossene Kompromisse steht.

Hört Flick im Sommer auf?

Dass der Job des Bayern-Trainers einer der forderndsten in Deutschland ist, wird Flick bei seiner Unterschrift gewusst haben. In den vergangenen 15 Monaten, die er jetzt als Cheftrainer beim FC Bayern im Amt ist, hat er größtmöglichen Erfolg gebracht, aber auch Körner gelassen.
Die immer wieder aufkommenden atmosphärische Schwankungen in Kombination mit dem Wissen, dass es für Flick als Trainer des FC Bayern eigentlich nichts mehr zu gewinnen gibt, könnten durchaus dafür sorgen, dass sich die Wege schon vor Vertragsende im Juni 2023 trennen.

Joachim Löw (l.) und Hans-Dieter Flick (r.) arbeiteten acht Jahre bei der Nationalmannschaft zusammen

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Noch immer hat der 55-Jährige guten Kontakt zum DFB, wo im Sommer 2021 die Europameisterschaft ansteht. Womöglich das letzte große Turnier mit seinem alten Weggefährten Joachim Löw an der Seitenlinie.
Just sayin’.
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