Die Musiala-Verletzung und die Folgen für den FC Bayern: Was der Ausfall für Müller, Eberl und Woltemade bedeutet
Update 06/07/2025 um 16:31 GMT+2 Uhr
Das Ausscheiden des FC Bayern im Viertelfinale der Klub-WM gegen PSG (0:2) wird durch die Verletzung von Jamal Musiala überschattet. Der Offensivspieler fällt vermutlich bis ins neue Jahr aus. Schon tauchen Gedankenspiele auf, nochmals mit Thomas Müller zu reden, ob er seinen Abschied rückgängig macht. Aber will er das überhaupt? Und wie weit müsste Uli Hoeneß dafür über seinen Schatten springen?
Müller nach Musiala-Aus: "Keine geschmacklosen Diskussionen führen"
Quelle: Perform
Die 0:2-Niederlage gegen Paris St.Germain, das damit besiegelte Aus des FC Bayern München im Viertelfinale der Klub-WM, verbunden mit dem Ende des fast vierwöchigen US-Trips – all das war zur Nebensache geworden. Natürlich war auch Enttäuschung in den Gesichtern der Profis und Verantwortlichen des Meisters zu abzulesen über das etwas unglückliche, aber letztlich verdiente Ausscheiden nach einem dramatischen Spiel im Hallenstadion von Atlanta.
Doch zum Thema machen wollte es niemand in den Katakomben des Mercedes-Benz-Stadium vor der Abreise zum Flughafen. Einer fehlte im Mannschaftsbus, er war längst in ein Krankenhaus von Atlanta gebracht worden.
Die schrecklichen Bilder der schlimmen Verletzung von Jamal Musiala waren bei allen aus dem Bayern-Tross noch zu präsent, ebenso seine herzzerreißenden Schreie als er auf dem Boden lag.
Der Spielmacher, erstmals in der Startelf nach drei Monaten, die er infolge eines Muskelbündelrisses größtenteils in der Reha verbracht hatte, war in der Nachspielzeit der ersten Hälfte das Opfer eines Zusammenpralls. PSG-Torhüter Gianluigi Donnarumma stürzte aus seinem Tor und warf sich auf den Ball, mit Schwung und ohne Rücksicht auf Verluste – so interpretierten die Münchner die Aktion.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-11d89d18-fd01-42b4-84f4-44984dc4a4ce-85-2560-1440.jpeg)
Klub-WM: Gianluigi Donnarumma (Paris Saint-Germain) rauscht in Jamal Musiala (FC Bayern), der bricht sich das Bein
Fotocredit: Getty Images
Neuer klagt Donnarumma an
Der Italiener, der sein Gesicht total erschrocken in seinem Trikot vergrub, erwischte den DFB-Nationalspieler am linken Knöchel. Sportvorstand Max Eberl meinte angefasst: "Ich unterstelle ihm nullkommanull Absicht, aber er hat keine Rücksicht genommen. Wenn ich mit 100 Kilo und im Sprint auf den Unterschenkel draufspringe - kein Vorwurf, aber das Risiko geht er ein."
Also doch, wenn auch indirekt, ein Vorwurf. Auf "Instagram" schrieb Donnarumma etwas später: "Jamal, ich schicke Dir all meine Gebete und Genesungswünsche."
Torwart-Kollege Manuel Neuer sah "eine Situation, wo man, glaube ich, nicht so hineingehen muss. Da so reinzuspringen, ist schon risikofreudig. Da nimmt man die Verletzung des Gegenspielers einfach in Kauf." Musiala musste auf einer Trage abtransportiert werden, die Halbzeitpause der Bayern war für sinnvolle taktische Anweisungen kaum zu gebrauchen.
"Es war hart. Ich war selten so wütend in der Halbzeitpause", sagte Vincent Kompany, der auf der Pressekonferenz sichtlich mit seinen Emotionen kämpfte. "Das, was mein Blut im Moment noch zum Kochen bringt, ist nicht das Ergebnis", meinte der Bayern-Trainer, "sondern die Tatsache, dass es jemandem passiert ist, der so viel Spaß am Spiel hat und für uns immer wichtig ist."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-11d89d18-fd01-42b4-84f4-44984dc4a4ce-85-2560-1440.jpeg)
Neuer: Darum habe ich Donnarumma die Meinung gegeigt
Quelle: Perform
Der 39-Jährige wird im Verein für seine Empathie und die Nähe zu seinen Spielern geschätzt, was durch folgende Aussagen deutlich wurde: "Es gibt viele Dinge im Leben, die wichtig sind, viel wichtiger, aber für diese Jungs ist es ihr Leben. Jemand wie Jamal lebt dafür, und er ist von einem Rückschlag zurückgekommen und dann passiert es so, wie es passiert. Man fühlt sich machtlos."
Hinrunde für Musiala wohl gelaufen
Am Nachmittag (Ortszeit) kam die Diagnose: Musiala hat sich das linke Wadenbein gebrochen, dazu mehrere Bänder gerissen. Er wird nach München zurückfliegen. Nach der Operation folgt eine monatelange Reha, die Ausfallzeit wird auf bis zu fünf, sechs Monate gerechnet.
Die Hinrunde dürfte für Musiala gelaufen sein. Er wird fehlen. Und das wenige Tage nach dem Abschied von Offensivspieler Leroy Sane, der seit dem 1. Juli bei Galatasaray in Istanbul unter Vertrag steht.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-d2242af5-628b-47e3-84a4-f8b3e2afcc0e-85-2560-1440.jpeg)
Klub-WM 2025: Spieler des FC Bayern München sind entsetzt über die Verletzung von Jamal Musiala
Fotocredit: Getty Images
Klar ist auch: Durch Musialas Verletzung haben sich die Personal-Sorgen bei den Bayern vergrößert. Stuttgarts Jungstar Nick Woltemade (23), der Torschützen-König der U21-EM, wird nicht günstiger werden in den Verhandlungen mit dem VfB – im Gegenteil, die Schwaben haben nun ein (ungewolltes) Ass mehr im Ärmel.
Und die Bayern-Bosse ein dringendes Bedürfnis nach den gescheiteren Transfers von Florian Wirtz, der zum FC Liverpool gewechselt ist, und Nico Williams, der seinen Vertrag bei Athletic Bilbao doch verlängert hat, Woltemade unbedingt zu bekommen.
So sieht es auch Lothar Matthäus. "Die Musiala-Situation dürfte auch einen Einfluss auf die Verhandlungen um Nick Woltemade haben", sagte der Ex-Bayer zur "Bild": "Der Stuttgarter ist ein Spieler, der die Position von Jamal Musiala spielen könnte. Bayern hat nun mehr Bedarf denn je für den U21-Star. Auf den Außenpositionen würde dann auch eine kleinere Lösung auf dem Transfermarkt reichen."
Bleibt Müller nun doch?
Würde es aber nicht auch naheliegen, doch noch einmal mit Thomas Müller zu sprechen? Der Oldie war in seinem 756. – und wohl letzten - Pflichtspiel für den FC Bayern in der 80. Minute eingewechselt worden. Könnte der 35-Jährige nun doch bleiben, als Back-up? Eventuell für ein halbes Jahr und dann Anfang 2026 zu Bayerns Partner-Klub Los Angeles FC in die US-Liga wechseln? Die Saison der MLS wird nach dem Kalenderjahr gespielt, beginnt Ende Februar. Könnte aufgehen.
"Es fühlt sich für mich unangenehm an", sagte Müller darauf angesprochen und meinte zu einem Reporter: "Ich verstehe, dass du die Frage stellst, deswegen sage ich nicht, dass sie geschmacklos ist. Jeder kann sich seine Gedanken machen, ich will sie Richtung Jamal richten und würde mir wünschen, dass wir aufpassen, dass wir nicht irgendwelche geschmacklosen Diskussionen führen, nachdem sich jemand verletzt hat. Mir ist es bewusst, dass es mein letztes Spiel war."
Geht es nach Matthäus, muss das nicht so sein. "Der FC Bayern sollte sich in dieser Situation überlegen, ob Thomas Müller nicht noch einen Vertrag über ein halbes Jahr bekommen sollte", sagte er der "Bild": "Die Saison in den USA startet dann ja erst und in der Zwischenzeit könnte er dem FC Bayern eine große Hilfe sein. Ähnlich wurde es ja auch von Bayern mit mir bei meinem Wechsel zu den New York Metro Stars gemacht. Auch die Fans würden sich mit Sicherheit freuen."
So oder so: Bei Müller klang es auch nicht so, als sei wirklich das allerletzte Wort gesprochen. Doch Ehrenpräsident Uli Hoeneß müsste schon weit über seinen Schatten springen, um Müller doch noch einen Kurzzeit-Vertrag anzubieten. Unwahrscheinlich, aber nicht unrealistisch.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/05/image-465379ef-b070-47fb-ae14-f08ca64c6e42-85-2560-1440.jpeg)
Kompany sorgt sich um Musiala: "Es sah nicht gut aus"
Quelle: Perform
Und will die Vereinslegende wirklich weitermachen, obwohl man ihm im Winter zunächst eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt hatte und dann auf Initiative von Hoeneß doch verwehrt hat? Wohl kaum. Eine Frage des Stolzes, auf beiden Seiten.
Auf Nachfrage erwiderte Eberl zu einem möglichen Müller-Comeback kaum, dass er sein letztes Spiel absolviert hatte: "Das war bis vor ein paar Minuten nicht in meinem Kopf, nicht in unserem Kopf, nicht in unserem Gedanken. Wir haben noch gar nicht darüber gesprochen."
Was auch kein klares Nein war. Der Sportvorstand war emotional, sagte dazu: "Ich kann jetzt hier doch keine strukturelle Kaderplanung machen." Aber in den nächsten Tagen und Wochen, wenn die Mannschaft einen dreiwöchigen Urlaub antritt bis zum Beginn der Saisonvorbereitung.
Setzt Bayern nun auf die Jugend?
"Ich werde arbeiten", betonte Eberl. Er hat viel zu tun. In der Offensive kann Kompany in der Hinrunde der kommenden Saison lediglich planen mit: Mittelstürmer Harry Kane, den variablen Offensivspieler Serge Gnabry, der laut interner Analyse als Neuner- oder Zehner-Ersatz infrage kommt, sowie Michael Olise und Kingsley Coman. Wie Gnabry galt auch der Franzose einst als Verkaufskandidat.
Vor dem PSG-Spiel sagte Hoeneß: "Kingsley Coman hat mir bislang sehr gut gefallen, auch Gnabry zeigt sich verbessert." Kommt nicht von ungefähr. Beide wollen ihre gut dotierten Verträge (Gnabry bis 2026, Coman bis 2027 erfüllen). Dazu Eberl am Samstag in Atlanta: "Wir haben nie gesagt, dass wir Coman verkaufen wollen."
Bleibt die Frage, ob die Bayern abgesehen von ihrem Transfer-Ziel Nummer eins, Nick Woltemade, nun noch einen weiteren Linksaußen verpflichten wollen – und das auch finanziell gestemmt bekommen. Die Alternative: Auf die Jugend setzen. Auf Paul Wanner, der letzte Saison an Heidenheim ausgeliehen war, den nun Werder Bremen oder der VfB Stuttgart gerne für ein Jahr hätten.
Ohne Müller, Sané und – verletzungsbedingt- Musiala könnte der 19-jährige Wanner mehr Spielzeit erhalten und reifen. Ebenso das große Talent aus der U19, Lennart Karl. Der 17-Jährige, ebenfalls Linksfuß, bestritt bei der Klub-WM sein erstes Pflichtspiel für den FC Bayern.
Eberl verspricht: "Für ihn als Familie da"
Viel Arbeit für Eberl. Er wird einen langen Atem brauchen – womöglich bis zum Ende der Transferperiode Anfang September. Wichtiger war allen Beteiligten vor dem Heimflug aber die menschliche Komponente, um Musiala Mut zuzusprechen und zu versichern, ihm auf seinem Weg zum Comeback beizustehen.
"Wir lieben ihn für seine Spielfreude, jetzt so ein Nackenschlag - das ist für ihn extrem schwierig, "Das ist leider dramatisch, das hat uns sehr getroffen. Wir sind sehr angefasst", sagte Eberl, "aber wir sind für ihn da als Familie."
Das könnte Dich auch interessieren: BVB-Aufbäumen gegen Real kommt zu spät
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/07/06/image-ef7c6eb5-d3db-4b71-a6c2-5bef0c4646b2-85-2560-1440.jpeg)
BVB-Coach Kovac: "Tor am Schluss wäre unverdient gewesen"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung