3 Dinge, die bei Argentinien gegen Kroatien auffielen: Die große Last des Lionel Messi
Lionel Messi zeigt beim 0:3 (0:0) von Argentinien gegen Kroatien in Gruppe C der WM 2018 erneut, dass er nicht derselbe ist, wenn er für Argentinien spielt. Die große Last der Erwartungshaltung einer ganzen Nation schnürt ihm und Argentiniens Spiel die Luft ab. Luka Modric ist erneut nicht zu bremsen, Kroatiens Trainer Zlatko Dalic macht sein Meisterstück. Was uns bei Kroatiens Sieg auffiel.
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1. Die Last des Lionel Messi
Blickte man Lionel Messi bei der Nationalhymne ins Gesicht, der sah die Last.
Schließlich soll er ja ganz alleine Argentinien nach 25 Jahren wieder einen ersehnten Titel bescheren, endlich seine Weltkarriere krönen. So jedenfalls könnte man es glauben.
Die Realität sah gegen Kroatien aber wieder mal anders aus: Messi spielte in Argentiniens neu ausgepackten 3-4-2-1-System zwar in leicht veränderter und theoretisch raumgreifenderer Rolle halbrechts offensiv, bekam von Kroatien aber über weite Strecken seinen Vereinskollegen Ivan Rakitic auf die Füße gestellt, der ihm wenig Luft zum Atmen ließ - es sei denn, Messi setzte sich ganz auf den rechten Flügel ab.
Von den Mitspielern abgeschnitten, las sich seine Bilanz in Halbzeit eins verheerend: null Torschüsse, keine Torschussvorlage, nur 20 Ballkontakte, die Passquote mit 79 Prozent überschaubar. Immerhin gewann er vier seiner fünf Zweikämpfe.
Die Last eben.
Erst als Argentinien nach Willy Caballeros Komplettaussetzer und Ante Rebic' artistischem Tor (53.) hinten lag, erwachten Messi und Argentinien zumindest ansatzweise aus der Lethargie. Endlich sah man auch mal die gefürchteten Tempoläufe vom Mann mit der Nummer 10, Pässe in die Spitze (ein geblockter Torschuss, zwei Torschussvorlagen).
Doch nach ein paar Minuten des argentinischen Aufbäumens bekam Kroatien durch eine clevere Umstellung wieder die Spielkontrolle. Sogar ohne dass Rakitic Messi weiter auf den Füßen stehen musste. Das übernahm Marcelo Brozovic. Die Bälle kamen einfach gar nicht mehr bei Messi an.
"Wir haben Argentinien nicht viel Raum gegeben und die Pässe auf Messi verhindert", sagte Luka Modric. "Am Ende sah es vielleicht einfach aus, aber das war es nicht. Das erste Tor hat uns natürlich geholfen, aber wir haben insgesamt verdient gewonnen."
Argentiniens Trainer Jorge Sampaoli gab zu, dass er sein Team damit auf Lionel Messi zuschneiden wollte- es aber schlicht nicht schaffte. "Ich habe keinen Weg gefunden, das Team richtig auf Messi einzustellen", gab er unumwunden zu.
Gemessen an der lausigen Leistung der anderen war Messi sogar noch der beste Argentinier. Wenn auch ohne Schuss aufs Tor.
Die letzten Spielminuten sah man ihn bedröppelt um den Mittelkreis schleichen. Die Körpersprache ein einziges Elend. Mit Abpfiff war er nach Trainer Jorge Sampaoli als Erster in der Kabine. Die Last eben.
2. Mittelstürmer abgeschnitten
Sergio Agüero hatte vor Donnerstagabend in seinen letzten vier Länderspielen getroffen, machte es Sampaoli also auch schwer, auf ihn zu verzichten. So stürmte der einstige Superstar von Manchester City auch im 3-4-2-1-System als einziger Argentinier - und fiel komplett durch.
Agüero, der an sich ein mitspielender Stürmer ist, fand in Kroatiens Deckung keine Lücken, bot sich schlecht an, lief in der Rückwärtsbewegung aber auch mal zu weit zurück, um nach Balleroberungen angespielt zu werden.
Ergebnis: Sage und schreibe nur sieben Ballkontakte in Halbzeit eins - ab Minute 26 sah er sogar überhaupt keinen Ball mehr.
Dennoch dauerte es bis Minute 55, ehe Sampaoli direkt nach dem Rückstand Agüero erlöste und Gonzalo Higuaín einwechselte.
Das Problem: Der machte es auch nicht besser, war sogar noch weniger in Argentiniens Spiel eingebunden (zehn Ballkontakte), brachte aber zumindest einen Torschuss und eine Torschussvorlage zustande (Agüero: 1 TS, 0 V).
3. Meisterliches Kroaten-Mittelfeld
Der Sieg der Kroaten war nicht nur wegen der drei Torschützen ein Sieg der Mittelfeld-Strategie bzw. Strategen - und damit auch ein großer Sieg für den bislang eher unbekannten Trainer Zlatko Dalic, der Kroatien erst im Oktober 2017 übernahm und als größte Erfolge ein paar Titel in Saudi-Arabien (Al-Hilal FC) und den Emiraten (Al-Ain FC) sowie eine kroatische Vize-Meisterschaft mit NK Varazdin vor zwölf Jahren in seiner Vita stehen hat.
So lag er schon mit der Hereinnahme von Brozovic als Staubsauger vor der Abwehr statt des offensiveren Andrej Kramaric goldrichtig. Dass Modric dafür ein bisschen weiter vor auf eine Art Zehnerposition musste und so ein wenig seiner Spielgestalterfähigkeiten einbüßte, nahm er in Kauf; brauchte er schließlich Modric in Anbetracht von Rakitic' Bewacherrolle für Messi eine Station weiter vorne als Relaisstation.
Mitte der ersten Halbzeit ließ Dalic Ivan Perisic und Rebic auf den offensiven Außen die Seiten tauschen und fortan eher aus dem Halbfeld flanken oder direkt zum Tor ziehen - ein erster guter Taktikkniff.
Als sich die Statik des Spiels nach der 1:0-Führung durch die argentinischen Wechsel (Higuáin, Pavón, Dybala) zu verändern drohte, stellte Dalic vollends auf 4-3-3 um (Rakitic leicht vor, Modric leicht zurück) und schnitt so Messi vom Nachschub der schlecht passenden Mitspieler ab. Nicht zufällig trafen Modric und Rakitic nach Ballgewinnen im Mittelfeld zum 2:0 (80.) und 3:0 (90.+1).
"Die letzten zwei Tage haben wir nicht mal über Taktik gesprochen", sagte Dalic nach dem Spiel:
Den Schachzug mit Brozovic vor der Abwehr habe er aber bewusst so geplant, um Messi aus dem Spiel zu nehmen. Auch Perisic habe zunächst ein Auge auf Messi haben sollen. "Er war der Schnellste, den ich dafür zur Auswahl hatte und er hat die Position auch schon die letzten drei Monate bei Inter Mailand gespielt", sagte Dalic.
Letztlich also ein voller Erfolg. "Ein toller Abend für uns", sagte der abermalige "Man of the Match" Modric:
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