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Niko Arnautis vom 1. FFC Frankfurt im exklusiven Interview
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Publiziert 12/12/2019 um 11:03 GMT+1 Uhr
Niko Arnautis, Coach des 1. FFC Frankfurt, hat sich im Interview mit Eurosport.de unter anderem über seinen beruflichen Werdegang, die Nachwuchsförderung und die Hinrunde des Klubs geäußert. Der Coach zog ein insgesamt positives Fazit und attestiert seinem Verein, den nächsten Schritt gemacht zu haben. Auch die Zusammenarbeit mit Eintracht Frankfurt sieht er positiv.
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Fotocredit: Eurosport
Das Interview führte Susanna Strauss
Herr Arnautis, im April gab der Verein bekannt, mit Ihnen als Cheftrainer bis 2021 zu verlängern. Zuvor waren Sie beim 1. FFC Frankfurt unter anderem als Coach der U17-Bundesliga-Mannschaft und der 2. Mannschaft in der 2. Bundesliga tätig. Woher kommt diese Verbundenheit zum Verein?
Niko Arnautis: Das ist eine längere Geschichte (lacht). Ich bin in Frankfurt geboren und habe daher eine große Verbundenheit mit der Stadt und dem Verein. Als B-Jugendspieler hatte ich ein Testspiel gegen die SG Praunheim, dem Vorgängerverein des 1. FFC Frankfurt. Als 15-Jähriger war das damals mein erster Kontakt mit dem Verein. Danach spielte ich für Rot-Weiss Frankfurt, dessen Anlage damals auch die neue Heimat des 1. FFC Frankfurt nach der Vereinsumbenennung war. Dadurch hatte ich Ende der 1990-er Jahre viel Kontakt mit Steffi Jones und weiteren Spielerinnen. So entstand die Verbindung zum FFC.
Danach folgte ein interessanter Werdegang bei Ihnen ...
Arnautis: Eigentlich war es mein Plan zu promovieren und meine Doktorarbeit gemeinsam mit der Uni Frankfurt und dem Deutschen Fußball-Bund zu schreiben. Doch 2011 erhielt ich eher zufällig über meinen Uni-Dozenten eine Anfrage vom HFV, dem Hessischen Fußball-Verband, der für die Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt eine Elternzeitvertretung für ein Jahr suchte. Mittlerweile ist daraus eine unbefristete Lehrer-Trainerstelle geworden. Von 2014 bis 2016 war ich zudem Co-Trainer im Nachwuchsleistungszentrum bei Eintracht Frankfurt. Doch aufgrund meiner Anstellung bei der Schule entschied ich mich, zum 1. FFC Frankfurt zurückzukehren - mit der Perspektive, die erste Mannschaft zu coachen. Die Arbeit beim Verein macht mir sehr viel Spaß und ich bin hier zu Hause.
Der 1. FFC Frankfurt ist ein wichtiger Kooperationspartner der Carl-von-Weinberg-Schule, an welcher Sie neben Ihrer Trainertätigkeit auch als Lehrer arbeiten – wie gehen Sie mit dieser Doppelbelastung um?
Arnautis: Dadurch, dass meine Lehrer-Trainerstelle umgewandelt wurde, betreue ich nun zu 100 Prozent ausschließlich das Fußball-Projekt an der Carl-von-Weinberg-Schule. Die Schule ist anerkannte "Eliteschule des Sports" und wurde zudem 2015 als "Eliteschule des Fußballs" im Jungen- und Mädchenbereich ausgezeichnet. Meine Aufgaben umfassen daher unter anderem die Internatsbetreuung und das Fußballtraining am Vormittag. Zudem bin ich Betreuungsperson und Ansprechpartner für alle Fußballspielerinnen an der Schule. Natürlich wäre es noch aufwendiger, wenn ich unterrichten würde. Doch auch so ist es viel Arbeit, weil ich zwei volle Stellen ausfülle.
Ihre Spielerin Sophia Kleinherne sagte in ihrem Eurosport-Interview vom 19. November 2019: "Mit Niko Arnautis haben wir einen Trainer, der sich für die Talentförderung einsetzt und absolut von diesem Weg überzeugt ist." – Wie sieht die Talentförderung beim FFC im Detail aus?
Arnautis: Es freut mich natürlich sehr, dass meine Schülerin Sophia die erste FFC-Spielerin der aktuellen Talente im Verein gerade bei der deutschen A-Nationalmannschaft debütiert hat. Als ich die Trainerposition übernommen habe, gab es gemeinsam mit Manager Siggi Dietrich die Überlegung, wie wir die Mannschaft am sinnvollsten aufstellen können. Ich war sofort davon überzeugt, dass sehr viel Talent innerhalb der Mannschaft vorhanden und eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen wichtig ist. Wir wollen den Talenten die Möglichkeit geben, sich bei uns zu entwickeln. Ich habe viel Vertrauen in die jungen Spielerinnen und es ist schön, dass sie es uns mit guten Leistungen zurückgeben.
Die Hinrunde der laufenden Saison 2019/2020 steht in den Büchern. Wie lautet ihr Fazit – sind Sie zufrieden?
Arnautis: Im Sommer haben wir uns als Ziel gesetzt, dass wir uns weiterentwickeln und unsere tolle Leistung aus der Vorsaison bestätigen wollen. Wir mussten zwar einige Abgänge von Stammspielerinnen verkraften, welche wir aber mit jungen Spielerinnen wie Sjoeke Nüsken, Barbara Dunst, Sandrine Mauron, Yvonne Weilharter und der erfahrenen brasilianischen Außenverteidigerin Letícia Santos auffangen konnten. Nach der Hinrunde haben wir sogar einen Punkt mehr geholt als in der vergangenen Saison. Zudem ärgert es uns, dass wir in manchen Spielen Punkte liegen gelassen haben. Für mich zeigt das jedoch, dass wir einen weiteren Entwicklungsschritt gemacht haben. Ich finde, dass wir eine gute Hinrunde mit tollem Fußball gespielt haben.
Das Aus im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen mit einer 0:1-Niederlage war denkbar knapp. Wie gehen Sie und die Mannschaft mit Rückschlägen dieser Art um?
Arnautis: Uns ist bewusst, dass es immer mal wieder Rückschläge während der Saison geben wird. Jedoch glauben wir weiterhin an uns und nach schwierigen Phasen kommen wir immer gestärkt zurück. Die Spielerinnen wissen selbst, dass die Entwicklung der Mannschaft noch nicht abgeschlossen ist. Wichtig ist es, dass wir nach Rückschlägen weiter wachsen und uns aus eigener Kraft wieder nach vorne bringen. Es ist eine tolle Moral innerhalb der Mannschaft vorhanden und wir versuchen, bis zum Ende alles zu geben. Rückschläge werfen uns nicht um, sondern wir freuen uns immer auf das nächste Spiel.
Am Freitag trifft der 1. FFC Frankfurt jetzt auf den FC Bayern München. In der aktuellen Tabelle liegen die Münchnerinnen 10 Punkte vor Ihrer Mannschaft. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?
Arnautis: Die Mannschaft und ich wissen, dass es eine verdammt schwere Aufgabe für uns wird. Jedoch hat man an einem guten Tag immer die Chance, gegen eine Top-Mannschaft zu gewinnen. Wir müssen unsere Leistung abrufen und benötigen auch das gewisse Spielglück auf unserer Seite. Ich habe meinen Spielerinnen gesagt, dass wir als Team leiden und alles versuchen müssen, um gegen einen Gegner wie Bayern München zu bestehen. Wir wollen zeigen, dass wir guten und mutigen Fußball spielen können. Natürlich ist Bayern Favorit, aber wir können ohne Druck frei aufspielen und wollen ihnen einen harten Fight liefern.
Ab der nächsten Saison spielt der 1. FFC Frankfurt voraussichtlich unter dem Dach von Eintracht Frankfurt. Wie bewerten Sie die neue Zusammenarbeit beider Vereine?
Arnautis: Ich sehe die Zusammenarbeit sehr positiv und freue mich darauf. Zum einen habe ich schon einmal bei Eintracht Frankfurt gearbeitet und zum anderen ist es mein Herzensverein im Männerfußball. In den vergangenen Jahren wurde bei Eintracht Frankfurt unter der Führung von Fredi Bobic und Axel Hellmann hervorragende Arbeit geleistet und eine tolle Basis für die Zukunft geschaffen. Wir als 1. FFC Frankfurt bringen nun die ganze Erfahrung und Historie als Frauenfußballverein mit. Ich bin zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit mit dem Männerverein in Frankfurt in den nächsten Jahren Früchte trägt. Ich bin auch überzeugt, dass wir mit den neuen Möglichkeiten und Know-how sowie der Infrastruktur ein toller Verein werden und Frankfurt als Standort für den Frauenfußball sichern und vergrößern werden.
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