Am Freitagabend trifft Nationalspielerin Maximiliane Rall mit dem Tabellenzweiten FC Bayern München im Spitzenspiel der FLYERALARM Frauen-Bundesliga auf den Dritten Eintracht Frankfurt (ab 19:15 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!).
Dass es zu dieser Situation am Freitag kommt, ist aus ihrer Sicht durchaus bemerkenswert, denn Rall hat einen ungewöhnlichen Karriereweg hinter sich. Während ihrer Abitur-Phase 2014 spielte sie bereits für den VfL Sindelfingen in der Bundesliga. Doch nach einer Saison mit nur zwei Punkten hatte sie den Spaß am Fußball verloren.
Rall entschied sich zunächst in einer Bäckerei zu arbeiten und anschließend auf Reisen zu gehen. Während ihrer Reise meldete sich die TSG Hoffenheim bei ihr und Rall kehrte nach mehreren Monaten Pause doch wieder auf den Platz zurück.
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Im Eurosport-Interview spricht die 28-Jährige unter anderem über das Top-Duell gegen Eintracht Frankfurt, ihren besonderen Lebensweg und das anstehende Champions-League-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain, bei dem die Bayern-Frauen erstmals in der Allianz Arena auflaufen werden. Außerdem beklagt sie das mitunter fehlende Interesse für den Frauenfußball in Deutschland.
Frau Rall, welche Position macht Ihnen eigentlich mehr Spaß: Verteidigung oder Mittelfeld?
Maximiliane Rall: Eine gute Frage. (lacht) Ich mag eigentlich beide Positionen. Die Außenverteidiger-Position ist ja auch immer offensiv ausgerichtet. Aber klar ist man vorne häufiger in einer torgefährlichen Position. Deswegen sage ich jetzt einfach mal: Vorne macht mir noch ein bisschen mehr Spaß!
Ich frage Sie, weil Sie seit ihrem Wechsel aus Hoffenheim beim FC Bayern aus der Abwehr nach und nach ins Mittelfeld gerückt sind. Wie schwer ist Ihnen diese Umstellung gefallen?
Rall: Ich habe vor zwei Jahren bei Hoffenheim überwiegend vorne gespielt, deswegen kannte ich die Position schon. Zudem haben beide Positionen viele Gemeinsamkeiten. Es ist immer noch Außenbahn, von daher ist es eigentlich kein Problem.
So habe ich mir meine Rückkehr nach Hoffenheim vorgestellt. Deswegen bin ich umso glücklicher, dass es geklappt hat. Es waren ein wichtiges Tor und wichtige drei Punkte.
Ihre erste Saison beim FC Bayern lief bisher hervorragend. Sie haben schnell Fuß gefasst und sich als Stammkraft etabliert. Hätten Sie damit vor der Saison gerechnet?
Rall: Man hofft natürlich, dass man in einem neuen Team schnell ankommt, sich gut einlebt und auch auf dem Platz überzeugen kann. In dieser Saison gelingt es mir aus meiner Sicht vor allem mit Toren. Was ja nicht so schlecht ist, schließlich gewinnst du mit Toren Spiele. (grinst)
Am vergangenen Wochenende gelang Ihnen dann ausgerechnet beim 4:2-Auswärtssieg gegen Ihren Ex-Klub Hoffenheim das wichtige 3:2. Wie emotional war dieser Moment für Sie?
Rall: Das war überragend - bei dem Spielstand reinzukommen und dann das 3:2 zu erzielen. So habe ich mir meine Rückkehr nach Hoffenheim vorgestellt. Deswegen bin ich umso glücklicher, dass es geklappt hat. Es waren ein wichtiges Tor und wichtige drei Punkte.
Was sind die größten Unterschiede zwischen dem FC Bayern und der TSG Hoffenheim?
Rall: Das Umfeld ist der größte Unterschied. Die Rahmenbedingungen waren schon in Hoffenheim sehr gut, aber hier am FC Bayern Campus ist es nochmal eine andere Dimension. Uns fehlt es an nichts. Es ist einfach alles auf Fußball ausgerichtet. Das ist die größte Veränderung.
Am Freitagabend kommt es zum Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt. Zweiter gegen Dritter. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in dieses Duell?
Rall: Das oberste Ziel ist natürlich, das Spiel zu gewinnen. Wir spielen zuhause und sind in meinen Augen Favorit. Auch wenn Frankfurt bisher eine gute Saison spielt und eine super Mannschaft hat. Aber wenn wir unser Spiel durchziehen und unsere Torchancen nutzen, werden wir das Spiel für uns entscheiden.

Maximiliane Rall im Spiel gegen England beim Arnold Clark Cup im Februar 2022

Fotocredit: Getty Images

Sie haben einen durchaus ungewöhnlichen Lebensweg. Nach Ihrem Abitur 2014 haben Sie eine fußballerische Pause eingelegt und sind verreist, haben unter anderem in Marokko gearbeitet. Wie kam es zu diesem Schritt, die fußballerische Karriere erstmal nicht weiter zu verfolgen?
Rall: Während meiner Abitur-Phase habe ich beim VfL Sindelfingen gespielt. Wir sind im Jahr davor eigentlich nur in der Bundesliga geblieben, weil Bad Neuenahr insolvent gegangen ist. Alle guten Spielerinnen waren aber schon weggegangen, wir hatten dann viele Nachwuchsspielerinnen. In der Saison haben wir zwei Punkte geholt und eigentlich immer verloren. Da habe ich so ein bisschen den Spaß am Fußball verloren. Nach dem Abitur habe ich mich gefragt: “Was mache ich jetzt?” Ich wollte auf keinen Fall in Sindelfingen bleiben, etwas anderes hat sich aber nicht ergeben. Daher habe ich dann erstmal zuhause in einer Bäckerei gearbeitet. Von dem gesparten Geld bin ich nach Marokko gegangen.
Da bin ich sehr früh aufgestanden, um zirka 2:30 Uhr in der Nacht, und bin mit dem Fahrrad zwei Dörfer weiter gefahren. In der Bäckerei habe ich das ganze Gebäck zusammengesucht und an die Filialen ausgeliefert.
Was haben Sie aus Marokko mitgenommen?
Rall: Ich bin sehr offen für andere Kulturen und andere Menschen. Auf einer Reise kann man immer ganz viel mitnehmen. Man trifft Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Religionen. Auch beim FC Bayern sind wir ein internationales Team. Mir macht es Spaß, von anderen etwas über deren Kultur und Land zu erfahren.
Wie sehen Ihre Erinnerungen an die Arbeit in der Bäckerei aus?
Rall: Da bin ich sehr früh aufgestanden, um zirka 2:30 Uhr in der Nacht, und bin mit dem Fahrrad zwei Dörfer weiter gefahren. In der Bäckerei habe ich das ganze Gebäck zusammengesucht und an die Filialen ausgeliefert. Um 9 Uhr war mein Arbeitstag beendet.
Fällt es Ihnen durch die Erfahrungen in der Bäckerei leichter, das Fußballspielen als Privileg zu verstehen?
Rall: Auf jeden Fall! Dort zu arbeiten, war richtig anstrengend. Das war harte körperliche Arbeit. Ich habe großen Respekt vor jedem, der solch einem Beruf nachgeht und jede Nacht früh aufsteht. Ich bin natürlich dankbar, dass ich heute Fußballspielen kann und mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Es gibt nichts Schöneres.
Während Ihrer Zeit in Marokko wurden Sie von der TSG Hoffenheim angefragt, ob Sie nicht wieder spielen möchten. Wie war es, wieder in den Spielbetrieb zurückzukehren?
Rall: Genau, nach einem halben Jahr meldete sich jemand aus Hoffenheim und fragte, ob ich nicht Lust hätte, bei der 2. Mannschaft ein Probetraining zu machen. Ich merkte, dass mir Fußball gefehlt hat und dachte mir, ich probiere es nochmal. Am Anfang war es hart, nach einem halben Jahr wieder zurückzukommen. Ich habe ein paar Monate gebraucht, bis ich wieder ein Level hatte, auf dem es mir persönlich Spaß gemacht hat. Zugleich habe ich schnell gute Freunde kennengelernt - und mit Freunden Fußball zu spielen, macht einfach Spaß.
In der Folge ging es stetig bergauf. Im November 2018 debütierten Sie für die deutsche Nationalmannschaft. Wie haben Sie damals von Ihrer Nominierung erfahren?
Rall: An dem Tag, an dem ich das erste Mal nominiert wurde, war ich im Freibad und habe die ganze Zeit nicht in meine Mails geguckt. Als ich zurückkam, hatte ich schon Glückwunsch-Nachrichten, weil es schon veröffentlicht worden war. Daraufhin habe ich in mein Mail-Postfach geschaut und gesehen, dass ich vom damaligen Bundestrainer Horst Hrubesch nominiert wurde. Das war lustig.
Als Kind fand ich es immer faszinierend, mit meinem Vater in die Allianz Arena zu gehen. Dass ich jetzt selbst dort spiele, ist eine coole Geschichte.
In der kommenden Woche spielen Sie im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain. Für die Bayern-Frauen ist es das erste Spiel in der Allianz Arena. Blicken Sie nur mit Vorfreude auf diese Partie oder spüren Sie auch einen gewissen Druck?
Rall: Nein, ich habe nur Vorfreude. Wir freuen uns alle riesig, dass wir in der Allianz Arena spielen werden. Wir hoffen natürlich, dass viele Fans kommen. Druck spüre ich keinen. Das sind ja genau die Spiele, für die man die ganze Saison arbeitet. Da geht es darum, alles auf den Platz zu bringen. Es ist eine großartige Herausforderung.
Was bedeutet es für Sie, in der Allianz Arena auflaufen zu dürfen?
Rall: Als Kind habe ich mir früher dort Spiele angeschaut und ich fand es immer faszinierend, mit meinem Vater in die Allianz Arena zu gehen. Dass ich jetzt selbst dort spiele, ist eine coole Geschichte.

Maximiliane Rall beim Women's Cup im Sommer 2021 gegen Paris Saint-Germain in Louisville (USA). In der kommenden Woche treffen sich beide Mannschaften in der Allianz Arena

Fotocredit: Getty Images

Die Partie in der Allianz Arena ist ein starkes Signal des FC Bayern und dürfte dem gesamten Frauenfußball in Deutschland einen Schub verleihen. Wie sehen Sie denn generell dessen Entwicklung?
Rall: Die generelle Entwicklung des Frauenfußballs sehe ich sehr steil. Insbesondere was Athletik, Tempo und Dynamik angeht. Das Spiel ist viel schneller und technisch anspruchsvoller geworden. Fußballerisch ist es viele Schritte nach vorne gegangen. Was die gesellschaftliche Entwicklung angeht, finde ich, dass Deutschland immer noch ein bisschen hinterherhinkt. Wir waren mit der Nationalmannschaft zuletzt in England, und dort habe ich gesehen, wie echte Begeisterung für den Frauenfußball aussehen kann. Da waren über 13.000 Zuschauer im Stadion. Die EM im Sommer wird sicher eine tolle Erfahrung, weil die britischen Fans ihr Frauen-Team im Grunde genauso unterstützen wie ihr Männer-Team. Das ist in Deutschland leider nicht so der Fall. Ich habe das Gefühl, hier interessieren sich nur sehr wenige Fans wirklich dafür. Man hört sogar immer noch hin und wieder Klischees wie: "Die können ja eh nicht kicken", "Die sind zu langsam und treffen den Ball nicht" – das ist eine Meinung wie vor 50 Jahren. Wobei es natürlich auch bei uns Fans und Unterstützer gibt, die uns richtig unterstützen. Denen sind wir sehr dankbar.
Welche Ziele haben Sie für Ihre weitere Karriere?
Rall: Für mich ist das Wichtigste, dass ich jeden Tag Spaß an dem habe, was ich mache. Ich hoffe, dass ich verletzungsfrei bleibe und jeden Tag zum Training gehen kann. Am Ende der Saison wären ein bis zwei Titel der Lohn für unsere harte Saison. Beim FC Bayern wirst du letztlich an Titeln gemessen.
Wie sieht es mit ihren Zielen für die Zeit danach aus? 2018 haben Sie ein Praktikum bei der SWR-Sportsendung 'Flutlicht' absolviert. Könnten Sie sich vorstellen, nach der Karriere die Seiten zu wechseln?
Rall: Ja, den Medienbereich könnte ich mir sehr gut vorstellen. Durch mein Praktikum habe ich einige Eindrücke gesammelt und Kontakte geknüpft. Es kann aber auch in eine komplett andere Richtung gehen. Vielleicht habe ich irgendwann mal vom Fußball genug und möchte mich nicht auch noch nach der Karriere damit beschäftigen. Aber da bin ich offen.
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