Jule Brand nach Raketenstart im Nationaldress als Hoffnungsträgerin zur EM: Top-Talent der TSG Hoffenheim im Interview

Erst vor etwas mehr als einem Jahr debütierte Jule Brand bei der TSG Hoffenheim in der Frauen-Bundesliga. In dieser Saison zählt die 19-Jährige beim Champions-League-Klub bereits zum Stammpersonal, dazu debütierte die Flügelspielerin in der deutschen Nationalmannschaft - und bestach sofort mit Treffern und Torvorlagen. Vor dem EM-Jahr ist Brand eine der Hoffnungsträgerinnen des deutschen Fußballs.

Lea Schüller (l.) und Jule Brand - DFB-Frauen

Fotocredit: Imago

Brand bekommt den Ball von Leonie Maier zentral 25 Meter vor dem Tor zugespielt, erkennt den freien Raum hinter der Abwehr, zieht mit einem dynamischen Antritt an Innenverteidigerin Clare Polkinghorne vorbei in den Strafraum und schließt mit ihrem linken Fuß flach ins lange Eck ab. Sofort sind Maier und Sara Däbritz bei ihr, herzen die 19-Jährige. Keine drei Minuten nach der Einwechslung in ihrem Nationalmannschaftsdebüt erzielt die Offensivspielerin ihr erstes Länderspieltor.
Nur zwei Minuten später legt sie im Freundschaftsspiel gegen Australien das 4:0 von Laura Freigang auf. "Das war ein sehr spezieller Moment. Den werde ich nie vergessen", sagte Brand über ihren Debütauftritt im Nationaldress exklusiv im Interview mit Eurosport.de. Nach ihrem Kurzeinsatz wurde sie zur Spielerin des Spiels gekürt.
Der Raketenstart in der deutschen Nationalmannschaft im April steht sinnbildlich für die Karriere und die Entwicklung der Jule Brand. "Das war bisher mein erfolgreichstes Jahr", erklärte sie. Erst 2020 hatte die Flügelspielerin in der Bundesliga für die TSG Hoffenheim debütiert.
Inzwischen ist sie aus der Mannschaft der Kraichgauerinnen nicht mehr wegzudenken. In der laufenden Bundesliga-Saison brillierte sie mit vier Treffern und drei Vorlagen in zwölf Pflichtspielen und hat maßgeblichen Anteil daran, dass der Dritte der Vorsaison auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze überwintert.
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Jule Brand

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"Sie ist im Kopf häufig einen Schritt vor ihren Gegenspielerinnen", analysiert Hoffenheim-Trainer Gabor Gallai die Qualitäten seiner Flügelspielerin im Gespräch mit Eurosport.de. "Und sie hat durch ihre Dynamik und ihre Technik die wichtigsten Waffen, die man für ihre Position braucht."

Talent in die Wiege gelegt

"Ich glaube, dass mir meine Geschwindigkeit in vielen Situationen hilft. Ich denke, dass dadurch auch das Dribbling eine meiner Stärken ist", sagt Brand selbst. Dabei half ihr unter anderem, dass sie in der Jugend über viele Jahre gemeinsam mit Jungs auf dem Feld stand. Erst im Januar 2018 wechselte sie in das Nachwuchsleistungszentrum der TSG.
Ein Jahr zuvor hatte sie ein Angebot aus Hoffenheim noch abgelehnt, weil sie weiter mit Jungs zusammenspielen wollte. "Je älter man wird, desto körperlicher wird das Spiel und desto schneller werden auch die Jungs. Mit diesem Tempo Schritt zu halten, hat mir geholfen", erklärte Brand.
Doch auch Talent wurde ihr aus dem Elternhaus mit auf den Weg gegeben: Brand stammt aus einer Sportlerfamilie. Die Mutter war Leichathletin, der Vater spielte Handball. "Zum Fußball kam ich durch meinen älteren Bruder", verriet die 19-Jährige.
Auch Felix Brand schaffte den Sprung in den Profifußball. Der 20 Jahre alte Verteidiger spielt in der dritten Liga beim FSV Zwickau. "Als er mit dem Fußball angefangen hat, bin ich immer mitgegangen", erklärte die Nationalspielerin. "Das hat mir immer Spaß gemacht und so bin ich dabei geblieben", so Brand gegenüber Eurosport.de.

Brand glänzt in Champions-League-Debütsaison

Vor knapp vier Jahren wechselte das Toptalent dann doch vom FC Speyer zum Bundesligaklub. "Es war ein schwieriger Schritt für mich", gibt Brand zu und erklärt: "Ich war im jungen Alter ein Mensch, der nicht aus der Komfortzone herauswollte. Ich hatte in Speyer meine Freunde.“
Nichtsdestotrotz war der Schritt nach Hoffenheim für die 19-Jährige die "richtige Entscheidung", wie sich spätestens nun herausstellt: Mit der TSG spielte Brand im zurückliegenden Sommer die Qualifikation für die Champions League.
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Jule Brand im Duell mit Clare Polkinghorne

Fotocredit: Getty Images

Mit drei Torbeteiligungen in vier Begegnungen hatte sie maßgeblichen Anteil daran, dass sich die Elf von Gallai gegen Valur Reykjavik, die AC Mailand und den FC Rosengard durchsetzte und erstmals in der Vereinsgeschichte für die Champions-League-Gruppenphase qualifizierte.
Zwar verpassten die Kraichgauerinnen dort den Viertelfinaleinzug knapp, lieferten aber gerade in den Heimspielen gegen HB Køge und den FC Arsenal beeindruckende Vorstellungen. Bei der 4:1-Gala im abschließenden Gruppenspiel gegen die Engländerinnen überragte Brand erneut mit einem Tor und einer Vorlage.

Ein symbiotisches Verhältnis

"Ihre große Stärke ist, dass man sie in kein Raster drücken kann. Sie ist unheimlich spielintelligent", lobt Trainer Gallai die "Instinktfußballerin" im Gespräch mit Eurosport.de. "Sie antizipiert Situationen gut und trifft mit ihren ersten ein, zwei Kontakten häufig die richtige Entscheidung."
So wie die TSG Hoffenheim von Brand profitiert, profitiert auch Brand von der TSG Hoffenheim: "Wir haben hier gute Möglichkeiten, können beispielsweise Einzeltraining machen. Es ist ein gutes Umfeld, um sich weiterentwickeln zu können", schwärmt die Offensivspielerin.
Entwickeln möchte sich die Flügelspielerin, die sich auch im Zentrum wohlfühlt, trotz ihrer starken Torquote allen voran beim Torabschluss.
"Es gibt viele Situationen, in denen sie selbst in einer guten Abschlusssituation ist und etwas egoistischer denken muss. Ihr Abschluss ist gut, den muss sie noch mehr zur Geltung bringen", fordert Coach Gallai.
In dieser Saison strebt die 19-Jährige mit ihrer Mannschaft erneut eine Top-3-Platzierung in der Bundesliga an, um auch im kommenden Jahr wieder um die Champions-League-Qualifikation zu spielen.

Europameisterschaft im Sommer als Ziel

Und auch mit der Nationalmannschaft hat Brand große Pläne: "Bei der Europameisterschaft möchte ich natürlich dabei sein, das ist ein klares Ziel", unterstreicht sie im Gespräch mit Eurosport.de.
Berechtigte Hoffnungen, im Juli in England zumindest zum Kader zu gehören, darf sie sich durchaus machen: Nach ihrem Debüt gegen Australien glänzte sie im Nationaldress auch in der WM-Qualifikation: In sechs Begegnungen war sie an sieben Toren beteiligt. Alle 49 Minuten sammelte das Toptalent einen Scorerpunkt.
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg schwärmt: "Jule weiß manchmal noch gar nicht, was sie alles kann. Die hat noch so viel in petto. Da können wir uns - wenn sie gesund bleibt - in den nächsten Jahren auf eine ganz, ganz tolle Spielerin in dieser deutschen Nationalmannschaft freuen."
Nach zwei ernüchternden Turnieren 2017 und 2019 hat die Nationalelf durchaus Bedarf nach talentierten Hoffnungsträgerinnen. Spätestens mit ihrem Raketenstart gegen Australien im April hat Brand gezeigt, dass sie auch bei der EM in diese Rolle schlüpfen kann.
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