Lina Magull vom FC Bayern München im Eurosport-Interview: "Es braucht ein Machtwort vom DFB"

Lina Magull war eins der Gesichter einer tollen Frauen-EM 2022. Im Eurosport-Interview spricht die 28-Jährige vor dem Auftakt der Bundesliga zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München (Fr., ab 18:35 Uhr live bei Eurosport) über einen magischen Sommer, die Schubwirkung des Hypes, strukturelle Probleme im Frauen-Fußball und ihre Freundschaft zur Frankfurterin Laura Freigang.

Start in der Frauen-Bundesliga: EM-Heldin Magull im XXL-Interview

Quelle: Eurosport

Lina Magull sorgte mit der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2022 in England für Furore. Die Mittelfeldspielerin war mit drei Toren maßgeblich am Finaleinzug der DFB-Frauen beteiligt. Die 28-Jährige erzielte auch im Finale von Wembley das Tor, das zur Verlängerung gegen England (1:2) führte.
Trotz des verlorenen Finals blickt die Spielerin des FC Bayern München vor dem Auftakt der Bundesliga im Deutsche Bank Park bei Eintracht Frankfurt am Freitag (ab 18:35 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1 und im Livestream bei discovery+) im Interview mit Eurosport mit positiven Gefühlen auf die Zeit in England zurück.
Im Interview spricht Magull über den EM-Hype, den alle so gerne in die Liga übertragen würden, mangelnde Strukturen im Frauen-Fußball, die Anziehungskraft der großen Bühne, den neuen Bayern Trainer Alexander Straus und ihre Freundschaft zur Frankfurterin Laura Freigang.
Das Interview führte Fabian Wenninger
Frau Magull, mit welchen Gefühlen schauen Sie auf die EM zurück?
Lina Magull: Nur mit positiven! Die Enttäuschung war nach dem verlorenen Finale entsprechend groß. Aber schon einen Tag später hat sich das Gefühl mit dem Empfang in Frankfurt ins Positive verwandelt. Ich hatte wie viele andere Tränen in den Augen, weil uns das so viel gegeben hat. Das war eine tolle Wertschätzung für uns.
Wie kann man diesen Hype in die Bundesliga übertragen?
Magull: Wir sind bei verschiedensten Generationen gut angekommen und konnten daraus viel mitnehmen. Allein, dass 18 Millionen Leute unser Finale geguckt haben, war für uns ein fabelhaftes Gefühl. Es wird schwierig, das in den Liga-Alltag zu transportieren. Wir haben kleinere Stadien - zurecht, weil die Nachfrage nicht so groß ist. Wir müssen schauen, dass wir die Nachfrage stetig erhöhen und es auch schaffen, die Spiele in die größeren Stadien zu bekommen, wie es nun am Freitag der Fall sein wird. Das lockt dann auch mehr Menschen an, so wie letztes Jahr in der Champions League mit mehr als 10.000 Zuschauern in der Allianz Arena. Das ist der erste Schritt.
Und der zweite?
Magull: Wir sprechen seit Jahren von den fehlenden Strukturen in der Liga - und da sind alle in der Verantwortung, der DFB, die Vereine. Jeder Lizenzverein braucht eine Frauen-Mannschaft, weil dort schon bessere Bedingungen gegeben sind. Sonst kann es passieren wie bei Frauen von Turbine Potsdam, die keinen starken Männer-Verein hinter sich stehen haben, dass es wieder abfällt, weil es an Sponsoren fehlt. Wir brauchen ein Zusammenspiel vieler Akteure, um die Leidenschaft zu entwickeln, dass man Spaß daran hat, in den Frauen-Fußball zu investieren.
Wie sind diese Strukturen beim FC Bayern?
Magull: Da mag ich mich wirklich nicht beschweren. Wir haben tolle Bedingungen auf dem Campus, der erst vor ein paar Jahren gebaut wurde - ich glaube sogar, dass sie hier etwas besser sind als an der Säbener Straße, wo die Männer aufgrund des historischen Backgrounds noch sind. Hier ist alles auf einem sehr guten Level: Trainingsplatz, Kraftraum, ein schönes kleines Stadion - für uns ist das perfekt. Schöner wäre es natürlich, wenn alle an einem Fleck wären, aber dafür ist der Campus ein bisschen zu klein.
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Lina Magull spielt seit 2018 für den FC Bayern München - zuvor war sie für den VfL Wolfsburg (2012-2015) und den SC Freiburg (2015-2018) aktiv

Fotocredit: Getty Images

Wie war das bei Ihren vorherigen Stationen?
Magull: In Freiburg waren die Bedingungen sehr, sehr schlecht - der Platz, die Kabinen; wir waren irgendwie bei einem kleinen Verein untergebracht. Das hat sich jetzt auch verändert, die Mädels sind in das alte Stadion der Männer reingekommen. In Wolfsburg zuvor waren die Bedingungen in Ordnung und ich glaube, das hat sich stetig verbessert. Wenn man auf die ganze Liga guckt, ist das keine Selbstverständlichkeit und auch nicht so gegeben, dass man nicht meckern muss über die Bedingungen.
Sie haben bereits vor der EM ein Mindestgehalt für den Frauen-Fußball gefordert. Was stimmt Sie optimistisch, dass das Thema wieder Fahrt aufnimmt?
Magull: In erster Linie scheitert es an den finanziellen Mitteln, die nicht so gegeben sind. Es ist nachvollziehbar, dass nicht jede Spielerin 2000 bis 3000 Euro verdienen kann, so wie ich das gesagt habe, sondern nebenbei noch arbeiten gehen muss. Wenn wir dann doch eine Profi-Liga haben, fände ich das aber angebracht. Ich bin der Meinung, dass dazu erst mal eine Investition nötig ist, bevor hinten mehr rauskommt, so wie es sich bei den Männern in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Irgendwo muss man anfangen.
Welche Rolle kann der DFB übernehmen?
Magull: Der DFB ist für die Liga verantwortlich und hat die Entscheidungsmacht. Wenn dort einer sagt: So wird's gemacht! Dann wird es so gemacht. Da müssen die Verantwortlichen einfach ein Machtwort sprechen. Der DFB kann viel nach vorne bringen und ist schon sehr, sehr bemüht. Manchmal wünscht man sich nur, dass es schneller vorangeht.
Was konkret wünschen Sie sich?
Magull: Dass man dahin kommt, dass wir nicht immer wieder solche Interviews führen und aufzeigen müssen, woran es noch fehlt. Ich bin sehr dankbar für das Leben, dass ich als Fußballerin führen darf, aber das ist eben nicht die Normalität in der Liga. Ich wünsche mir das für alle Spielerinnen der ersten oder auch zweiten Liga, dass sie sagen können: Ich bin hauptberuflich Fußballerin und muss mir keine finanziellen Sorgen machen.
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Lina Magull jubelt über das 1:1 im EM-Finale zwischen England und Deutschland 2022

Fotocredit: Getty Images

In großen Stadien zu spielen, macht bestimmt auch Lust auf mehr.
Magull: Auf jeden Fall. Das macht natürlich was mit einem. Mir persönlich gibt es ein unheimlich gutes Gefühl. Genau deshalb spiele ich Fußball, weil ich viele Menschen beeindrucken und begeistern möchte. Man ist motivierter, man zelebriert die Tore ganz anders. Es verändert irgendwo auch das Spiel und ich glaube, wir gewinnen dadurch an Qualität. Es ist wünschenswert, dass es solche Spiele häufiger gibt. Das gibt dann auch viel mehr Leuten die Chance, so ein großes Stadion mal von innen zu sehen.
Am Freitag geht es gegen Frankfurt mit Ihrer Nationalmannschaftskollegin Laura Freigang, die sogar eine Autogrammkarte von Ihnen in ihrer Wohnung hängen hat. Wie ist das Verhältnis zueinander?
Magull: Offensichtlich sehr, sehr gut. (lacht) Sie ist zu einer sehr guten Freundin geworden. Das mag ich auch bei uns im Frauen-Fußball - dass wir viele Freundschaften bilden können. Auf dem Platz kann man das unterscheiden, dann will man gewinnen. Man kann sich trotzdem nach dem Spiel in die Augen gucken. Ich glaube, sie schämt sich auch ein bisschen für die Autogrammkarte - die hat sie einfach mal aufgehängt. Sie ist kein klassisches Fan-Girl! (lacht) Wir haben schon eine besondere Beziehung zueinander und es freut mich, dass ich bei ihr in der Wohnung hänge.
Was zeichnet Sie sportlich aus?
Magull: Ich finde, sie hat in den letzten Jahren einen unheimlichen Fortschritt gemacht. Sie flog ein bisschen unter dem Radar, als sie in den USA war (von 2016 bis 2018 mit Stipendium an der Pennsylvania State University, Anm. d. Red.). Jetzt in Deutschland hat sie sich extrem weiterentwickelt und auch eine Gier entwickelt, für die Nationalmannschaft spielen zu können. Sie ist keine klassische Stürmerin, sondern spielt eher ein bisschen hängend und möchte schon am Spiel beteiligt sein. Sie hat eine gute Technik und einen guten Riecher für ein Tor.
Beim FC Bayern haben Sie mit Alexander Straus einen neuen Trainer. Wie lief die Vorbereitung, was ist anders?
Magull: Die Vorbereitung war schwierig und sehr kurz, bis wir alle zusammen waren. Mein erster Eindruck war sehr positiv, weil er ein sehr kommunikativer Mensch ist und auf Augenhöhe agiert. Es ist nicht nur so, dass er redet, sondern er möchte auch viele Meinungen aus der Mannschaft hören. Er ist auf jeden Fall kein Ego-Shooter. Wir haben viel im taktischen Bereich gearbeitet. Er hat eine eigene Spielidee mitgebracht, er trägt aber auch die Philosophie des Vereins, dieses 'Mia san Mia', total mit, diese Siegermentalität, die es braucht, um erfolgreich zu sein. Das lässt er uns jeden Tag spüren und das ist auch nötig, um in den Flow zu kommen, jedes Spiel gewinnen zu wollen.
Läuft es wieder auf ein Duell mit dem VfL Wolfsburg heraus?
Magull: Davon gehe ich aus. Wir sind beide mit den besten Spielerinnen geschmückt, würde ich sagen. Man darf trotzdem niemanden unterschätzen. Das haben wir letzte Saison gesehen, in der wir zu viele Punkte gegen die vermeintlich schwächeren Gegner haben liegen lassen. Wir müssen immer das einbringen, was wir am besten können, und nicht unbedingt schauen, was Wolfsburg macht.
Am Freitag geht es in Frankfurt im großen Stadion los, vielleicht mit einem neuen Zuschauerrekord in Deutschland. Wie groß ist die Vorfreude?
Magull: Sehr groß! Wir freuen uns alle sehr darauf, in diesem schönen Stadion zu spielen. Wir wollen unser Spiel aufziehen und mit den Zuschauern im Rücken ist es immer etwas Besonderes, weil es uns einfach ein gutes Gefühl gibt.
TV- und Streaming-Tipp: Eurosport überträgt den Bundesliga-Auftakt der Frauen zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München am Freitag, 16. September 2022 ab 18:35 Uhr live im Free-TV auf Eurosport 1 und im Livestream bei discovery+. Markus Theil begleitet die Partie am Mikrofon. Moderatorin Anna Kraft und Eurosport-Expertin Navina Omilade analysieren das Geschehen in der Halbzeitpause und im Anschluss an das Spiel. Anpfiff im Deutsche Bank Park ist um 19:15 Uhr.
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Kleinherne: Darum ist "Equal Play" so wichtig

Quelle: Eurosport

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