Freiburg-Trainerin Theresa Merk im Interview: "Der Männerbereich ist für Frauen einfach zu"

Am Samstag treffen die Fußballerinnen des SC Freiburg auf den FC Bayern München - das Topspiel zwischen dem Vierten und dem Dritten. Freiburg-Trainerin Theresa Merk freut sich auf ein "geiles Spiel" im Dreisamstadion. Im Interview spricht die 33-Jährige über ihren persönlichen Werdegang, den sportlichen Anspruch des SC, die Entwicklung des Frauenfußballs und welche Stellschrauben sie ändern würde.

SC-Freiburg-Trainerin Theresa Merk

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Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München haben die Frauen-Bundesliga in den vergangenen Jahren nach Belieben dominiert.
Für SC-Freiburg-Trainerin Theresa Merk sind die beiden Spitzenteams "fast uneinholbar" - zumindest nicht ohne einen Investor.
Trotzdem freut sich die Trainerin auf das anstehende Match gegen Bayern München am Samstag, in dem die Breisgauerinnen eigentlich "nur gewinnen können".
Zudem spricht Merk über den sportlichen Anspruch des SC Freiburg sowie ihren persönlichen Werdegang vom Studium bis hin zur Bundesliga-Trainerin.
Das Interview führte Andreas Morbach.
Frau Merk, Sie sitzen hier in der Lounge des Dreisamstadions, mit Blick direkt hinunter auf den Rasen. Das sei ein bisschen Fußball-Romantik, sagen Sie. Wie nähern Sie sich dieser Romantik seit Ihrem Einstieg beim SC Freiburg in diesem Sommer denn jeden Tag?
Theresa Merk: Tatsächlich habe ich noch kein gutes Fahrrad. Aber ich bin gerade dabei, mir eines auszusuchen. Das will im Schwarzwald auch wohl ausgewählt sein – denn damit kann man hier ja einiges machen. Aber ich wohne hier in Freiburg nur fünf Gehminuten vom Zentrum entfernt und brauche mit dem Auto auch nur fünf Minuten zum Stadion.
Sie wollten schon als Schülerin Fußballtrainerin werden, haben dafür sehr viel investiert. Wurde Ihnen das irgendwann mal zu viel?
Merk: Es gab für mich während meines Masterstudiums Sportmanagement einen Zeitpunkt, wo ich mir dachte: Jetzt möchte ich ein Auslandssemester angehen, möchte noch mal weg. Ich hatte alle Klausuren abgeschlossen – und wollte mal das machen, was die anderen immer machen. Wenn zum Beispiel Sommersemesterferien waren, hatte ich immer Fußballvorbereitung.
Haben Sie dieses Auslandssemester denn gemacht?
Merk: Mehr oder weniger auf dem Weg dahin bekam ich vom Fußballverband Mittelrhein ein Jobangebot als Verbandssportlehrerin. Für das Auslandssemester war alles gebucht, ich hatte ein Zimmer in Molde. Doch wegen des Angebots habe ich drei Wochen vorher alles abgeblasen und im August 2016, anstatt nach Norwegen zu fliegen, einen Job angefangen. Auch weil mir klar war: Es gibt für Berufseinsteiger nach der Uni nicht so viele hauptamtliche Jobs im Fußball.
Haben Sie Ihre Entscheidung mal bereut?
Merk: Nein. Ich wäre super gerne für ein halbes Jahr in Norwegen gewesen. Aber da ich jetzt hier sitze, habe ich es aus beruflicher Sicht nie bereut.
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Alexandra Popp glaubt daran, dass der SC Freiburg die "Großen" ärgern kann

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Nationalstürmerin Alexandra Popp glaubt, dass Freiburg die Arrivierten Ihrer Branche – Wolfsburg und Bayern München – ärgern könnte. Sehen Sie Ihren Verein dafür schon bereit?
Merk: Klar ist das unser Ziel. Dass wir diese Klubs, wenn nicht jetzt in meiner ersten Saison hier, zumindest auf Strecke gesehen ärgern können. Von An-sie-herankommen zu sprechen wäre zu viel. Weil der Abstand zu Wolfsburg, zu den Bayern mittlerweile fast uneinholbar ist – wenn man nicht auf einmal extrem viel Geld investieren würde. Das passt auch nicht zu Freiburg, und das ist völlig in Ordnung – weil ich mich mit den Werten des Vereins gut identifizieren kann.
An diesem Samstag empfängt Freiburg die Bayern zum Verfolger-Duell. Ist das eines der Spiele, vor denen es in Ihrem Kopf besonders rappelt?
Merk: Auf jeden Fall. Wobei die wichtigeren Spiele für mich immer die gegen die vermeintlichen direkten Konkurrenten sind. Partien wie jetzt gegen München – das sind geile Spiele, auf die ich mich immer freue. Denn eigentlich hat nur Bayern etwas zu verlieren, wir können an dem Spieltag nur gewinnen. Und das ist cool.
Hatten Sie in Ihrer bisherigen Trainerinnenkarriere das Gefühl, als Frau mehr Aufwand treiben zu müssen als der eine oder andere Mann – um ähnlich weit zu kommen?
Merk: Ähm… es ist insofern schwieriger, weil man als Frau einfach weniger Jobaussichten hat. Als Mann kann man in allen Bereichen arbeiten: Bei den Frauen, in der Jugend, bei den Männern, beim Verband. Und wenn man ganz ehrlich ist, muss man sagen: Der Männerbereich ist für Frauen im Moment einfach zu. Punkt. Keine von den Frauen, die es bisher versucht haben, hat es geschafft, sich in dem Bereich zu halten.
Beim Fußballlehrer-Lehrgang, den Sie 2019 abgeschlossen haben, waren Sie die einzige Frau. Haben Sie sich dort akzeptiert gefühlt?
Merk: Je höher die Lizenzstufe wurde, umso weniger blöde Sprüche gab es. Trotzdem: Als ich meine erste Lehrprobe gehalten habe, wurde anders hingeschaut als bei irgendeinem der Kollegen. Dasselbe galt aber auch für die Ex-Nationalspieler, die wir dabei hatten. In dem Lehrgang gab es im Nachgang immer Feedback-Runden. Dabei sagte ein Kollege, er sei am Anfang zwar nicht skeptisch gewesen. Aber er wollte schon gucken: Hey, geht das überhaupt? Kann die mit uns mithalten? Und nach den ersten zwei, drei Stunden sei dann klar gewesen, dass das überhaupt kein Thema ist.
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Theresa Merk

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Wer war das?
Merk: Cristian Fiél. (lacht) Der war mit seiner spanischen Art emotional dann doch immer ein bisschen der…
… Macho.
Merk: Das haben Sie gesagt (lacht laut). Das ist nicht mein Zitat.
In der Bundesliga gibt es nur zwei Trainerinnen. Stört Sie das?
Merk: Ich bin ein großer Fan von Heterogenität. Weil es am Ende nicht um das Geschlecht geht, sondern um das Fachliche, um die Leistung. Und es gibt definitiv auch gute Männer. Trotzdem finde ich es extrem schade, dass es so lange gedauert hat, bis wir jetzt überhaupt mal zwei Frauen in der Frauen-Bundesliga sind.
An das extrem abgehobene Konstrukt Männerfußball…
Merk: … kommt ja eh keiner ran…
… und will der Frauenfußball womöglich ja auch gar nicht herankommen. Sondern eine eigene, langsamere, kontinuierliche Entwicklung verfolgen. Wie sehen Sie das?
Merk: Es ist allgemein schwer, sich am Männerfußball zu orientieren, weil es einfach fernab von allem anderen und mittlerweile ein so wahnsinniges Geschäft geworden ist. Sukzessive entwickeln ist trotzdem extrem wichtig, das gilt gerade für die Liga. Und da sehe ich schon einen Anknüpfungspunkt: Wir haben doch noch viele Vereine, die unter dem Dach von großen, etablierten Männerklubs laufen, die die Frauenabteilung aber sehr stiefmütterlich behandeln.
Wie finden Sie es in dem Zusammenhang, dass große Männervereine wie Dortmund und Schalke den Weg gewählt haben, ihre Frauenteams ganz unten in der Kreisliga B anfangen zu lassen?
Merk: (lacht dezent) Hm, hm. Also ich bin zwiegespalten. Weil es zum einen für die Vereine natürlich ein einfacher Weg ist. Sie müssen vier Jahre lang eigentlich sehr, sehr wenig investieren – bis sie überhaupt erst einmal in Gefilde kommen, wo es um ein bisschen was geht. Deshalb hält man sich mit so einer Vorgehensweise schon mal viel offen.
Was erhoffen Sie sich – sagen wir für die nächsten zehn Jahre – für den Frauenfußball? Gerade nach der sehr erfolgreichen EM in diesem Sommer.
Merk: Für den Frauenfußball wünsche ich mir ein kontinuierliches Wachstum – das sich irgendwann aber auch selber rechtfertigt. Eines, das nicht nur irgendwie von außen gepusht ist. Sondern auch, weil die Leute Bock haben, Frauenfußball zu gucken. Und ich wünsche mir, dass viel mehr Spielerinnen in der Bundesliga Fußball auf einem professionellen Niveau betreiben können, was die Bezahlung angeht. Weil es einfach einen Unterschied macht, ob ich acht Stunden im Büro bin und dann Fußball spiele. Oder ob das einfach mein Job ist.
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Kopfball wie aus dem Lehrbuch: Hoppius lässt Duisburg jubeln

Quelle: Eurosport

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