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Drei Dinge, die auffielen: Ter Stegen nutzt seine Chance, aber ...

Drei Dinge, die auffielen: Ter Stegen nutzt seine Chance, aber ...

10/10/2019 um 01:06Aktualisiert 10/10/2019 um 10:59

Deutschland muss sich im Testländerspiel gegen Argentinien trotz einer Zwei-Tore-Führung mit einem Unentschieden begnügen. Trotzdem zeigt die von Bundestrainer Joachim Löw wegen zahlreicher Absagen bunt zusammengewürfelte Elf, besonders in Hälfte eins, eine starke Leistung. Zwei Spieler nutzen ihre Chance, der Kapitän macht auf sich aufmerksam. Drei Dinge, die auffielen.

1. Kimmich zeigt deutlich: 'Ich bin hier der Boss'

Für Joshua Kimmich war das Duell mit dem WM-Finalgegner von 2014 nichts dergleichen. Für den Bayern-Star war es die ganz große Chance. Ein Ausrufezeichen sollte her, ein Meilenstein auf dem seit Jahren eingeschlagenen Weg zum unangefochtenen Führungsspieler - auch beim DFB.

In Bundestrainer Löws Ensemble rückte Kimmich vor gar nicht allzu langer Zeit von rechts hinten in die Zentrale vor. Dort fühle er sich wohler, betont der Bayern-Spieler selbst. Mittlerweile wird er dort auch beim Rekordmeister eingesetzt. Kimmich sieht sich selbst als zentralen Spieler, egal in welchem Team. Er will vorangehen.

Gegen Argentinien trug er nun zum ersten Mal für Deutschland die Kapitänsbinde. "Ein sehr besonderes Gefühl", nannte er es selbst und vermutete im nächsten Satz, dass dies dem stumpfen Umstand geschuldet sei, dass er die meisten Länderspiele aller Akteure in der DFB-Anfangself auf dem Buckel hatte.

Darauf würde er - anders als früher - gar nicht mehr schauen, versicherte Löw wenig später. Vielmehr sei die Wahl von Kimmich zum Spielführer logisch.

"Der Jo ist ein Vorbild an Einsatz, Organisation und Einstellung. Er kann eine Mannschaft auch verbal auf dem Platz führen. Für mich war klar, dass er heute Kapitän sein würde", begründete der Bundestrainer.

Kimmich ist längst ein Gesicht der Nationalmannschaft geworden. Seine starke Leistung gegen Argentinien hat dies nur unterstrichen.

Video - Probleme mit der Kapitänsbinde: Kimmich muss "Bizeps aufpumpen"

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2. Havertz und Klostermann sind gekommen, um zu bleiben

Dementsprechend groß war die Chance, für Spieler aus der zweiten Reihe, ein Zeichen zu setzen. Insgesamt vier Debütanten schickte Löw in den 90 Minuten auf den feuchten Dortmunder Rasen. Robin Koch, Luca Waldschmidt, Nadiem Amiri und Suat Serdar streiften zum ersten Mal in ihrem Leben das Trikot der A-Nationalmannschaft über. Keiner der vier ragte heraus - positiv wie negativ.

Dass die komplett neuformierte Mannschaft in der zweiten Halbzeit aber ein 2:0 noch in ein 2:2 verwandelte und um ein Haar komplett verspielte, missfiel Löw. Der Bundestrainer sagte:

"Grundsätzlich ärgert einen das immer. Ich muss heute aber etwas Nachsicht haben, weil wir viele Debütanten hatten. Insgesamt war es ein unterhaltsames, gutes und physisches Spiel. Die guten Eindrücke bleiben."

Gute Eindrücke gab es vor allem in den ersten 45 Minuten zu verzeichnen, als die junge Garde in der Offensive viel Schwung und Spielfreude aufblitzen ließ. Im Sog des "Der-spielt-bei-mir-immer"-Serge Gnabry zeigten besonders Lukas Klostermann und Kai Havertz, dass sie zur unmittelbaren Zukunft des Ex-Weltmeisters gehören.

Der Leipziger Rechtsverteidiger Klostermann war in seinem fünften Länderspiel an beiden deutschen Toren beteiligt. Immer wieder machte er das Spiel über seine Seite schnell. Sein technisch sauberes Spiel macht ihn zum idealen Kombinationspartner für die Jungs in der Mitte.

Dort ließ der Leverkusener Kai Havertz gegen die Südamerikaner ein ums andere Mal aufblitzen, warum schon im Vorfeld der vergangenen Länderspiele immer wieder seine Implementierung in die Startelf gefordert worden war. Er erzielte den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. Es war der erste in der Karriere des 20-Jährigen, aber ganz sicher - so weit darf man sich wohl aus dem Fenster lehnen - nicht der letzte.

Ein "Kindheitstraum" sei damit in Erfüllung gegangen, meinte der Mittelfeldspieler, bevor er zur nüchternen Analyse überging: "Serge hat mich überragend gesehen. Dann war es nicht mehr so schwer, den reinzudrücken."

Havertz und Klostermann wollen noch viele Male für Deutschland auflaufen. Da sollte so ein Unentschieden im Testspiel eben nicht überbewertet werden.

Lukas Klostermann und Kai Havertz

Lukas Klostermann und Kai HavertzGetty Images

3. Nächster Akt im Duell der Torhüter

Es wurden ja ordentlich Emotionen reingepumpt in die Auseinandersetzung zwischen den zwei Ausnahme-Keepern Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen. Nachdem Letztgenannter mehr Einsatzzeiten gefordert hatte, kam besonders aus München Gegenwind.

Das Verhältnis der Nummer 1a (Neuer) und 1b (ter Stegen) ist aber absolut in Takt. Das sagte der Barça-Keeper vor der Partie, als er von einer "guten, professionellen Beziehung" sprach. Und das zeigte sich nach dem Unentschieden gegen Argentinien, als Neuer seinem Konkurrenten auf dem Platz die Hand reichte. Ter Stegen schlug ein.

Zwei Tore kassierte der Barça-Keeper gegen Argentinien. An beiden war er schuldlos, das wurde ihm auch vom Bundestrainer bescheinigt. Nach dem Spiel gab es aufmunternde Worte, statt Kritik. "Er hat sehr viel Ruhe ausgestrahlt und viele gute Bälle hinten rausgespielt. Er hat eine gewohnt gute Leistung gezeigt", so Löw, der in der EM-Quali am kommenden Sonntag trotzdem wieder auf Bayern-Torwart Neuer setzen will.

"Für mich war es wichtig, die 90 Minuten zu spielen", sagte ter Stegen selbst, denn:

"Wenn du nicht spielst, kannst du dich nicht zeigen. Ich will immer weitermachen und arbeiten."

Wenn Neuer ausfällt, wird ter Stegen da sein...

Video - "Sehr gute Pässe gespielt": ter Stegen bekommt Lob für Startelfauftritt

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