Deutschland - Tschechien: Neuhaus glänzt als Kimmich-Alternative

Deutschland feiert im Testspiel gegen Tschechien einen knappen 1:0-Sieg. Die beiden Debütanten Philipp Max und Ridle Baku überzeugen mit mutigem Offensivspiel. Bis auf ein paar Wackler steht die zusammengewürfelte DFB-Elf in der Defensive gut, lässt offensiv allerdings Kaltschnäuzigkeit vermissen. Florian Neuhaus ist der Mann des Spiels, während Julian Brandt enttäuscht. Was uns auffiel.

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Die deutsche Nationalmannschaft hat den ersten Heimsieg im Länderspieljahr 2020 eingefahren. In Leipzig setzte sich das Team von Jogi Löw mit 1:0 (1:0) gegen Tschechien durch. Luca Waldschmidt schoss das goldene Tor bereits in der Anfangsphase der Partie (13.).
Der Bundestrainer baute im Vergleich zum letzten Länderspiel in der Nations League gegen die Schweiz (3:3) vor knapp vier Wochen mächtig um. Bis auf Antonio Rüdiger tauschte Löw gleich auf zehn Positionen.
"Es ist so, dass wir in der Konstellation wahrscheinlich nicht mehr zusammenspielen werden. Trotzdem war es so, dass die Jungs sich reingehängt haben, von daher kann man zufrieden sein", analysierte Löw am "RTL"-Mikrofon den knappen Heimerfolg.
Dabei hatte die DFB-Elf im ersten Durchgang das Spiel klar im Griff. Kapitän Ilkay Gündogan dirigierte im Mittelfeld, hinten hielt Abwehrchef Robin Koch den Laden zusammen. Und offensiv boten sich gerade über die außen viele Räume.
Nach der Herausnahme von Gündogan zur Halbzeit gab die Löw-Elf in den zweiten 45 Minuten die Spielkontrolle immer mehr an die Tschechen ab. Letztendlich brachte Deutschland den Vorsprung aber über die Zeit.
Was uns sonst noch auffiel.

1.) Debütanten machen Eindruck

Jogi Löw nominierte mit Philipp Max (PSV Eindhoven), Ridle Baku (VfL Wolfsburg) und Felix Uduokhai (FC Augsburg) gleich drei Akteure ohne Länderspielerfahrung.
Max und Baku standen sofort in der Startelf und interpretierten ihre Rollen als Außenverteidiger sehr offensiv. "Ich hoffe, dass sie ihre Grundnervosität relativ schnell ablegen und schnell ins Spiel finden", sagte Löw vor dem Spiel.
Von einer Grundnervosität war bei beiden allerdings von Minute eins an nichts zu spüren. Immer wieder liefen die Angriffe der Deutschen insbesondere im ersten Durchgang über die flinken Debütanten.
"Mit den Neuen kann man zufrieden sein. Ridle hat sich sehr bemüht auf der rechten Seite, Philipp Max ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. Seine Stärken sind im Spiel nach vorne die Flanken - scharfe Bälle, die hinter die Abwehr gespielt werden. Die sind sehr gut und gefährlich", lobte Bundestrainer Löw nach der Partie.
Sowohl Baku als auch Max waren auch maßgeblich am Siegtor durch Waldschmidt beteiligt. Baku leitete die Situation über rechts ein und legte auf Florian Neuhaus ab, dessen wuchtigen Schuss Jiri Pavlenka im Tor der Tschechen noch abwehren konnte. Doch beim Abpraller war Max zur Stelle und bediente Waldschmidt mit einer perfekten Vorlage. Der Torjäger von Benfica musste nur noch den Fuß hinhalten (13.).
"Das war ein richtig guter Ball von Max, sehr scharf nach innen gebracht. Der ist kaum zu verteidigen", lobte "RTL"-Experte Michael Ballack. Insbesondere der ehemalige Augsburger Max nutzte seine Chance eindrucksvoll, beackerte unermüdlich die linke Außenbahn und stand auch defensiv grundsolide seinen Mann.
"Ich bin sehr froh, glücklich und stolz, dass ich mein erstes Länderspiel machen konnte. Jogi Löw hat mir gesagt, dass ich vorne die Bälle gefährlich reinbringen soll und ich bin froh, dass das so gut geklappt hat", meinte der 27-Jährige.
Mit dieser Leistung hat sich Max für weitere Nominierungen auf der vakanten linken Außenverteidigerposition empfohlen. Nach 68. Minuten war das Debüt dann beendet. Für Max kam der Dortmunder Nico Schulz in die Begegnung.
Max und Baku sind übrigens bereits die Debütanten Nummer 111 und 112 unter Löw, seitdem dieser im Jahr 2006 das Zepter als Bundestrainer von Jürgen Klinsmann übernommen hat. Zwei Debütanten, auf die in dieser Form auch in Zukunft zu achten sind. Uduokhai blieb hingegen 90 Minuten auf der Bank.

2.) Hinten hui, vorne pfui

Das 1:0 gegen Tschechien war der erste Zu-Null-Erfolg der Deutschen seitdem 4:0-Sieg gegen Belarus in der EM-Qualifikation am 16.11.2019. Das ist fast ein Jahr her. Anschließend kassierte die DFB-Elf in sechs Partien satte zehn Gegentore.
Gegen Tschechien konnte diese Negativserie beendet werden. Auch wenn hinten die deutsche Abwehr ein ums andere Mal etwas wackelte. Insbesondere Jonathan Tah und Antonio Rüdiger wirkten im Aufbauspiel alles andere als sicher am Ball.
Sobald die Tschechen aggressiv anliefen, hatten die Deutschen sichtbare Probleme. Zu selten wurde in diesem Fall der sichere lange Ball gespielt, zu oft der Ball in der gefährlichen Zone rund 30 Meter vor dem eigenen Tor verloren.
Glücklicherweise war der Gegner in Leipzig allerdings offensiv viel zu schwach, um die sich bietenden Chancen konsequent zu Ende zu spielen. So erlebte Kevin Trapp im Tor einen recht ruhigen Abend. Nur einmal musste der Frankfurter beim Kopfball des eingewechselten Matej Vydra sein ganzes Können zeigen und parieren (82.).
Für eine zusammengewürfelte Truppe in dieser Form – und auch im Vergleich mit dem teilweise schockierenden Abwehrverhalten gegen die Schweiz vor rund vier Wochen – allerdings eine mehr als ordentlich Leistung in der Defensive über 90 Minuten. Insbesondere Robin Koch überzeugte als Abwehrchef mit seiner Robustheit.
Offensiv hatte die DFB-Elf nach dem Führungstreffer mehrfach die Chancen nachzulegen. Ilkay Gündogan (28.), Julian Brandt (32.) und Nadiem Amiri mit einer Doppelchance (43.) hatten dazu hundertprozentige Gelegenheiten, das Spiel schon vorzeitig zu entscheiden.
"Die erste Halbzeit war sehr ordentlich, leider haben wir es verpasst, das zweite Tor nachzulegen. Wir haben es dann in der zweiten Hälfte teilweise zu kompliziert gemacht. Man hat da schon gesehen, dass wir nur ein Training zusammen hatten. Da sind die Abläufe noch nicht so da", machte Florian Neuhaus deutlich.
Die mangelnde Chancenverwertung führte einerseits dazu, dass die Tschechen bis zur letzten Sekunde im Spiel blieben. Andererseits ließ die knappe 1:0-Führung Sicherheit und Stabilität vermissen. "In der zweiten Halbzeit hat Deutschland ein bisschen die Spielkontrolle verloren. Da hatte Tschechien optisch schon die Oberhand", sagte "RTL"-Experte Michael Ballack.
In den kommenden Nations-League-Duellen gegen die Ukraine (Samstag, ab 20:45 Uhr im Eurosport Liveticker) und in Spanien (Dienstag, 20:45 Uhr im Eurosport Liveticker) wird eine effizientere Torausbeute vonnöten sein, um zu bestehen.

3.) Kimmich-Alternative spielt sich ins Rampenlicht

Bester Akteur auf dem Platz gegen Tschechien war ein Spieler, der aufgrund der Verletzungspause von Bayern-Star Joshua Kimmich auch kurzfristig mehr als nur eine Alternative im zentralen Mittelfeld ist.
Die Rede ist von Florian Neuhaus. Der Gladbacher überzeugte mit einer starken Zweikampfquote von 83 Prozent. Er gewann immer wieder den Ball im Zentrum und sorgte so für gute Umschaltsituationen. Dazu suchte er auch selbst immer wieder zielstrebig den Weg zum Tor.
Vor dem 1:0 durch Waldschmidt war er mit seinem strammen Distanzversuch an Pavlenka gescheitert (15.). In der Schlussphase sah man das Selbstbewusstsein des 23-Jährigen, als er nach einer Freistoßhereingabe den zweiten Ball volley an den Pfosten hämmerte (77.).
Der Mittelfeldmann war ein Aktivposten, immer anspielbar (101 Ballaktionen) und auch defensiv engagiert. "Neuhaus hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Er war über 90 Minuten sehr gut unterwegs, da hat man gesehen, dass er brennt und seine Chancen unbedingt nutzen wollte, und das hat er geschafft", lobte ihn Ballack. Dabei war es nach der Partie gegen die Türkei vor fünf Wochen (3:3), in der Neuhaus bereits überzeugte und bei seinem Debüt direkt traf, erst das zweite Länderspiel.
Dagegen blieb Julian Brandt einmal mehr vieles schuldig. Der Dortmunder machte nicht nur wegen seines Fehlschusses allein vor dem Tor (32.) eine unglückliche Figur. Dem 24-Jährigen versprangen viele Bälle, seine Pässe waren oft ungenau und seine Laufwege in die Tiefe kamen viel zu selten.
"Was ihm so ein bisschen fehlt, ist die Konstanz. Sein Potenzial ist enorm, er hat schon eine enorme Qualität. Aber er muss schon noch die nächste Hürde überspringen", brachte es auch Löw ungewohnt deutlich auf dem Punkt.
Brandt, der bereits vor über vier Jahren gegen die Slowakei (1:3) debütierte und nach Gündogan und Rüdiger die meisten Länderspiele aller deutschen Akteure im Kader auf dem Buckel hat, tauchte fast über die kompletten 90 Minuten ab.
In die Position eines ernsthaften Kandidaten für die Startelf bei Löw hat sich der ehemalige Leverkusener mit seiner Leistung gegen Tschechien nicht gebracht.
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Quelle: Perform

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