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Indien: Fußball fordert Cricket heraus
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Publiziert 07/10/2014 um 14:44 GMT+2 Uhr
In Indien startet am Wochenende die Premierensaison der Indian Super League (ISL). Der deutsche Ex-Nationalspieler Manuel Friedrich ist Teil eines Kommerzialisierungsprojektes. Durch dieses wollen die Manager auf dem indischen Subkontinent einen gigantischen Zukunftsmarkt mit Milliarden-Perspektiven erschließen. Teilnehmen werden auch ein Dutzend bekannter Spieler wie Alessandro Del Piero.
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Goldgräberstimmung am Ganges: Der Anpfiff zur Indian Super League (ISL) ist auf einem der letzten weißen Flecken der Fußball-Landkarte auch der Startschuss zu einem hochprofessionellen Kommerzialisierungsprojekt.
Zum Plan gehören mehr als Dutzend gealterter aber bekannter Spieler wie etwa die Weltmeister Alessandro Del Piero (Italien) und David Trezeguet (Frankreich) - oder auch der deutsche Ex-Nationalspieler Manuel Friedrich (zuletzt Borussia Dortmund). Ein Personalkonzept, das in den USA einst trotz eines Franz Beckenbauer oder eines Pelé grandios scheiterte, in Japans hingegen nach gut zwei Jahrzehnten J-League als erfolgreich gelten kann.
Verantwortliche wollen Potenzial in Indien nutzen
"Ich wollte", erläuterte der langjährige Bundesliga-Profi Friedrich im Fachmagazin "kicker" die Motivation für das Abenteuer als "Entwicklungshelfer" bei Mumbai City, "noch einmal etwas wirklich Verrücktes machen."
Verrückt an der ISL-Idee mutet zunächst alleine die Herausforderung von "König Cricket" durch den indischen Randsport Fußball an. Doch die Liga-Macher - der Industrielle Mukesh Ambani als reichster Mann des Landes sowie der US-Vermarktungsriese IMG und der australische TV-Mogul Rupert Murdoch als bekannte "Global Player" im Fußball-Business - ziehen alle denkbaren Register.
Indiens lebende Cricket-Legende Sanchin Tendulkar ließ sich den Kauf eines Vereins aus der Achter-Liga für eine Viertelmillion Dollar ebenso schmackhaft machen wie beispielsweise Berühmtheiten der einheimischen Bollywood-Filmindustrie wie Friedrichs neuer Boss Ranbir Kapoor.
Hundertmillionenfache Aufmerksamkeit ist durch das Engagement der indischen Glamour-Ikone garantiert. "Unser Ziel ist es, den Fußball-Sport radikal zu popularisieren", sagte IMG-Vizepräsident Andy Knee und verdeutlichte die Strategie. ISL-Cheforganisatorin und Ambanis Frau Nita Ambani wählt klarere Worte: "Das zu großen Teilen noch unerschlossene Potenzial des Fußballs in Indien bietet die Chancen auf einen beispiellosen kommerziellen Erfolg."
Europäische Klubs stehen zur Seite
Auch solcher Aussichten wegen sind europäische Klubs bei dem Geschäft, das nach dem Lizenzmodell der US-Profiligen in einem geschlossenen Kreis abläuft, schon dabei: Atletico Madrid fungiert in Kolkata als Namenspate, Inter Mailand hält Aktien beim Team Chennai, der Mario-Gomez-Klub AC Florenz unterstützt Pune FC und Feyenoord Rotterdam kooperiert mit Del Pieros Delhi Dynamos.
Zunächst sind indes Investitionen über das Millionen-Salär für Spieler wie Del Piero oder Trezeguet hinaus gefragt gewesen: Umgerechnet 90 Millionen Euro legten die ISL-Finanziers beim nationalen Verband AIFF für sämtliche kommerziellen Rechte bis 2025 auf den Tisch und riefen im Gegenzug für eine zehnjährige Vereinslizenz stolze 20 Millionen Euro auf.
Der abgeleitete ISL-Marktwert von 160 Millionen Euro nimmt sich allerdings noch bescheiden aus: Schon die Bundesliga als Ganzes wird derzeit auf 2,4 Milliarden Euro beziffert, und beim großen ISL-Rivalen Cricket schätzen Experten die Profiliga IPL gar auf vier Milliarden Euro. Immerhin stellt ISL-Chefin Ambani mittelfristig einen Wertzuwachs auf 780 Millionen Euro in Aussicht.
Zweit-und Drittliganiveau
Für den geplanten Angriff auf Cricket kopierte die ISL kurzerhand das Erfolgsrezept des indischen Nationalsports: Außer der überschaubaren Vereinszahl läuft die Saison wie in der IPL auch nur zwei Monate und mündet in eine Play-off-Runde mit den besten vier Teams.
Qualität allerdings können vorerst bestenfalls importierte Fußball-Vorruheständler bringen: "Ist es zweite Liga? Dritte Liga? Ich weiß es nicht", stufte Friedrich das Niveau seiner einheimischen Teamkollegen vor dem Saisonstart ein. Den Level von 1950 haben Indiens Kicker ohnehin schon verbessert: Damals wurde das Land nicht zur WM in Brasilien zugelassen - weil die Inder barfuß spielen wollten.
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