Javier Saviola musste seine Koffer packen.
Und der argentinische Stürmer war nicht der einzige. Denn als Real Madrid im Sommer 2009 die monatelange Transfer-Saga um Cristiano Ronaldo beendete und den Portugiesen zu einem "Königlichen" machte, ging dies mit einem ausgewachsenen Umbruch einher.
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Der spanische Weltklub machte Tabula rasa. Neben Saviola, den es zu Benfica Lissabon zog, verließen Arjen Robben (zum FC Bayern), Wesley Sneijder (Inter), Alvaro Negredo (FC Sevilla), Klaas-Jan Huntelaar (AC Milan), Javi Garcia (Benfica), Dani Parejo, Jordi Codina und Miguel Torres (Getafe), Gabriel Heinze (Marseille), Michel Salgado (Blackburn) und Fabio Cannavaro (Juventus) den Klub.
Außerdem ging Ruud van Nistelrooy zum Hamburger SV. Insgesamt spielten die Verkäufe knapp 89 Millionen Euro in die madrilenische Kasse - und reichten damit nicht aus, um die Kosten für Ronaldo zu decken.
Die Dimensionen des Vereinswechsels des damals 24-Jährigen waren immens. Mit 94 Millionen Euro überwies Real die höchste jemals gezahlte Ablösesumme an Manchester United. Obendrauf stattete man den Portugiesen mit einem Sechsjahresvertrag samt Jahresgehalt von 13 Millionen Euro aus.

Ronaldo macht Real zur europäischen Macht

Dafür gab es nicht nur Applaus. Viele rümpften die Nase, fragten, ob dies nicht etwas übertrieben sei? Rückblickend muss man sagen, dass so viel Geld selten so gut angelegt wurde.
Insgesamt neun Jahre lang trug Ronaldo das weiße Trikot des königlichen Klubs. Vier Mal holte er die Champions-League-Trophäe nach Madrid, zwei Mal die spanische Meisterschaft. Drei Triumphe bei der Klub-Weltmeisterschaft und zwei nationale Pokalsiege stehen ebenfalls neu auf dem Briefkopf. Ganz zu schweigen von dutzenden persönlichen Auszeichnungen.
Der Fußball entwickelt sich schnell. Wer weiß schon, was in vier oder fünf Jahren ist?
Wie sehr dieser Transfer Fußball-Europa aber verändern und über Jahre prägen sollte, war am 26. Juni 2009 - dem Tag der Wechselbekanntgabe - freilich nicht abzusehen. Reals Generaldirektor Jorge Valdano hatte da aber so eine Ahnung. "Wir haben das gemacht, um vorzubeugen", sagte der und meinte die im Vertrag verankerte Ausstiegsklausel über eine Milliarde Euro. Und weiter: "Der Fußball entwickelt sich schnell. Wer weiß schon, was in vier oder fünf Jahren ist?"

Cristiano Ronaldo wird im Santiago Bernabeu vorgestellt

Fotocredit: dpa

Ronaldo wurde schon zuvor unterschätzt

Dabei war Ronaldo im Jahr 2009 noch gar nicht der Spieler, der er heute ist. Natürlich hatte er die Champions League bereits gewonnen. Und ja, natürlich war sein Talent unübersehbar und auch bereits ein Mal in Gold in Form eines Ballon d'Or aufgewogen worden. Trotzdem gab es Zweifel.
Ob Real Madrid nicht eine Nummer zu groß für den Stürmer sei, fragte man sich. Und ob ausgerechnet der Glamour-Boy Ronaldo das Warten des Weltklubs auf "La Décima", den zehnten Erfolg in Europas "Königsklasse" würde beenden können.
Und wie er konnte.
Dass der Wechsel überhaupt derart kritisch hinterfragt wurde, mutet aus heutiger Sicht abenteuerlich an. Ins Bild passt es trotzdem. Denn der mittlerweile 35-Jährige wurde in den frühen Jahren seiner Karriere meist unterschätzt.

Wayne Rooney und Cristiano Ronaldo bei der WM 2006

Fotocredit: Imago

Viele sahen in ihm vielmehr den mit überbordendem Talent gesegneten Schönling, als den harten Arbeiter, als der er sich entpuppte. Das war schon drei Jahre vor dem Wechsel nach Spanien offensichtlich geworden.
Lasst diesen Mann nie wieder in unser Land.
Im Viertelfinale der WM 2006 zwischen Portugal und England hatte der Manchester-Spieler Ronaldo vehement eine Rote Karte für den Manchester-Spieler Wayne Rooney eingefordert. Und seinen Willen bekommen.
England schied anschließend in Unterzahl aus, und Rooney ließ verlauten, wenn er Ronaldo das nächste Mal träfe, "breche ich ihn in zwei Teile". Die "Daily Mail" titelte gar: "Lasst diesen Mann nie wieder in unser Land."
Fußball-Experten in allen Landen waren danach sicher, Ronaldo würde angesichts des Gegenwinds England eher heute als morgen verlassen. Der aber reagierte vollkommen anders. "CR7", der auch damals schon "CR7" war, schwor, sich durchzubeißen.
In den folgenden drei Jahren schoss er 98 Tore für die "Red Devils". Eins davon im Champions-League-Finale 2008 führte zum größten Erfolg in der Karriere seines Teamkollegen Rooney. Als Real schließlich ernst machte, war Ronaldo der beste Stürmer Europas.

Ronaldo trifft und trifft für Real

In Madrid häufte man jede Menge Stars um den neuen Fixstern herum an.
Im "Ronaldo-Sommer" 2009 kamen auch Kaka, Karim Benzema und Xabi Alonso. Ein Jahr später noch Mesut Özil, Angel di Maria und Sami Khedira. So ging das Jahr für Jahr. Ronaldo einte all diese Ausnahmekönner stets zu einem homogenen Team. An ihm orientierten sie sich.
In puncto Effizienz explodierte der Stürmer nun förmlich. In seiner ersten Saison für Real erzielte er 33 Pflichtspieltore - es sollte seine mit Abstand schwächste Ausbeute gewesen sein.

Cristiano Ronaldo und Clarence Seedorf

Fotocredit: Getty Images

Der lukrativste Transfer in der Geschichte von Real Madrid.
"Der Transfer von Cristiano Ronaldo war der lukrativste in der Geschichte von Real Madrid. Mehr noch als die von Alfredo Di Stefano, Zinedine Zidane oder jedem anderen Spieler", bilanziert La-Liga-Experte Adrian Garcia von Eurosport Spanien. Und weiter:
"Real bezahlte 94 Millionen Euro für einen Stürmer, den man 450-Tore, zwei Meisterschaften sowie Pokalsiege und vier Champions-League-Triumphe später für 100 Millionen Euro wieder verkaufte. Das spricht für sich."
Dennoch war Ronaldo bei den Fans bei Weitem nicht der beliebteste Spieler. "Sie bevorzugen spanische Idole wie Raul Gonzales, Iker Casillas oder Emilio Butragueno", so Garcia. Ronaldo sei aber der einzige Spieler gewesen, der die Vorherrschaft des FC Barcelona unter Pep Guardiola zum Ende der 00er-Jahre beenden und ihr eine eigene Ära hätte entgegenstellen können.
Ronaldo tat genau das und veränderte damit die Kräfteverhältnisse in ganz Europa nachhaltig.

Und was wurde aus Manchester United?

Nun, der Abschied Ronaldos im Sommer 2009 hatte sich lange angekündigt. Genau wie der seines Sturmpartners Carlos Tevez.
Antonio Valencia und Gabriel Obertan wurden gekauft. Keiner der beiden war in der Lage, das entstandene Loch zu schließen. Zwar blieb Valencia lange im Verein, war später sogar Kapitän, die Qualitäten Ronaldos hatte er jedoch nie.
"United wurde in der ersten Saison nach dem Transfer zwar Vizemeister und holte bis zum Karriereende von Trainerlegende Sir Alex Ferguson im Jahr 2013 zwei weitere nationale Titel", analysiert Premier-League-Experte Martyn Thomas von Eurosport-England. Und weiter:
"Die Mannschaft hatte aber keine wirkliche Zukunft, wirkte satt. Die Probleme der folgenden Trainer David Moyes und Louis van Gaal lassen sich auch darauf zurückführen, dass Ronaldo und Tevez Jahre zuvor nicht adäquat ersetzt worden waren."
Gleiches könnte nun Real Madrid blühen, das Ronaldo vor rund zwei Jahren an Juventus Turin verkaufte. Noch ist niemand nachhaltig in dessen Fußstapfen gestiegen. Sie sind ja auch riesengroß...
Teil 2 der Serie mit dem Transfer von Thierry Henry von Juventus Turin zum FC Arsenal 1999 folgt am Dienstag bei Eurosport.de.
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