Messi will Barcelona verlassen: Das Ende des Barça, wie wir es kennen
Lionel Messi wird den FC Barcelona aller Voraussicht nach in diesem Sommer verlassen. Ein tiefer Schlag in die Magengrube des Traditionsklubs, der aber auch die Chance auf einen echten Neustart bietet. Weg von alles überstrahlenden Superstars, hin zum Kollektiv-Fußball der 90er Jahre. Barça kann eine neue erfolgreiche Ära einläuten - mit Ronald Koeman als mutigem Architekten.
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Der FC Barcelona hatte die vergangenen 20 Jahre eine Konstante: Lionel Messi.
Für viele ist der Argentinier noch immer der beste Fußballer des Planeten. In der katalanischen Hauptstadt wird es kaum jemanden geben, der ernsthaft etwas anderes behaupten würde.
731 Mal lief der 1,70 Meter große Stürmer für Barça auf, unglaubliche 634 Tore und 285 Assists stehen am Ende der Saison 2019/2020 auf dem Konto des Argentiniers. Es ist, so komisch es sich anfühlt, unwahrscheinlich, dass diese Statistik sich noch einmal verändert.
Messi will Barcelona verlassen
Am Dienstagabend erschütterte die Nachricht von Messis Wechselwunsch die Millionenstadt an der Costa Brava. Laut "TyC Sports" in Argentinien und dem Journalisten Alfredo Martínez vom Sender "Onda Cero" wolle Barças Aushängeschild seinem einzigen Profiverein den Rücken kehren. Und zwar unmittelbar und ablösefrei - das hat gesessen.
Es dauerte nicht lange, bis sich die eigenen Fans in den Straßen des Camp Nou versammelten und protestierten. In Messi-Trikots gekleidet forderten sie ihren Megastar zum Verbleib und ihren Präsidenten Josep Maria Bartomeu zum Rücktritt auf.
Die Vereinsführung sei für den wahrscheinlichen Verlust ihres Heiligtums verantwortlich, so der allgemeine Tenor. Dabei, so wird spekuliert, soll vor allem Trainer Ronald Koeman Messis Entscheidung verfestigt haben.
Ronald Koeman: Weg von großen Stars, hin zum Kollektiv
Koeman, der bereits zwischen 1998 und 2000 als Co-Trainer unter Louis van Gaal in Barcelona unter Vertrag stand, hatte sich kurz nach seiner Amtsübernahme mit Messi getroffen. In dem Gespräch soll er auch die Sonderrolle des 33-Jährigen in Frage gestellt haben.
"Die Privilegien im Kader sind vorbei, alles muss für die Mannschaft getan werden", habe Koeman laut einem Bericht des argentinischen Online-Portals "Diario Olé" gesagt. Er werde "unflexibel sein", man müsse "an das Team denken".
Die Echtheit dieser Zitate vorausgesetzt, wird deutlich: Koeman will weg von der auf große Stars ausgerichteten Philosophie und zurück zum starken Kollektiv. Man könnte fast sagen: zurück zum Barça der 90er Jahren.
Darauf deuten auch die Berichte um Luis Suárez, Arturo Vidal, Samuel Umtiti und Ivan Rakitic hin. Die vier Leistungsträger der vergangenen Jahre können sich demnach neue Vereine suchen.
FC Barcelona: Die glorreichen 90er Jahre
Im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends war der heute 57-Jährige selbst eine tragende Säule einer Mannschaft, die unter seinem Landsmann Johann Cruyff zwischen 1991 und 1994 vier Mal in Folge die spanische Meisterschaft und 1992 den Vorreiter der Champions League, den Europapokal der Landesmeister, gewann.
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Ronald Koeman spielte bei Barcelona unter Johan Cruyff
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Ebenfalls Teil der legendären Elf: die späteren Barça-Trainer Pep Guardiola und Luis Enrique. Der FC Barcelona hatte in den folgenden Jahren immer wieder Top-Stars wie Romario, Gheorge Hagi oder Ronaldo in seinen Reihen - nie jedoch über einen langen Zeitraum.
1997 übernahm dann van Gaal das Ruder beim FC Barcelona und ernannte ein Jahr später Koeman zu seinem Assistenten. Unter der niederländischen Doppelführung war auch der Spielerkader klar von Oranje geprägt. Im klassisch holländischen 4-3-3-System spielten in der Saison 1998/99 mit Ruud Hesp, Winston Bogarde, Frank de Boer, Michael Reiziger, Phillip Cocu, Boudewijn Zenden, Ronald De Boer und Patrick Kluivert gleich acht Niederländer.
Die größten Stars dieser Zeit waren jedoch keine Landsmänner van Gaals, sondern Rivaldo und Luís Figo. Der Brasilianer und der Portugiese wurden in den Jahren 1999 und 2000 jeweils mit dem Ballon d’Or ausgezeichnet.
Figo war zum Zeitpunkt der Preisverleihung schon zum Erzrivalen Real Madrid abgewandert, was mit dafür sorgte, dass die Königlichen in den kommenden Jahren unter Vicente del Bosque und mit Regisseur Zinédine Zidane im Mittelfeld die spanische Liga beherrschten - der FC Barcelona geriet etwas aus der Spur, probierte in den kommenden vier Jahren mit Carles Rexach, Radomir Antic und Frank Rijkaard drei Trainer aus.
FC Barcelona: Rijkaard läutet Ära Messi ein
Letzgenannter brachte schließlich den Erfolg zurück nach Katalonien. Rijkaard beendete seine Debüt-Saison 2003/04 als Vizemeister und holte nur ein Jahr später den ersten seiner zwei Meistertitel mit der Blaugrana.
Mit dabei u.a. Weltstar Ronaldinho, Afrikas prominentester Stürmer Samuel Eto’o und ein 17-Jähriges Talent aus der eigenen Jugend: Lionel Messi.
Auch wenn der heute sechsmalige Weltfußballer erst unter Guardiola zur vollen Entfaltung kam, Rijkaard wird für immer der Trainer bleiben, der bei Messis Profidebüt sowie dessen erstem Tor für Barça das Sagen hatte.
Nun, 16 Jahre nach seinem Profidebüt, scheint eine geschichtsträchtige Ära zu enden und bietet dem Verein und seinem neuen Architekten (Koeman) die Chance auf einen frischen Start.
Koeman: Ein mutiger aber riskanter Weg
Nicht erst die peinliche 2:8-Pleite gegen den FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale hat gezeigt, dass Barça Veränderungen dringend nötig hat. Das Team wirkte in der kompletten Spielzeit übersättigt und über dem Zenit.
Koeman agiert nun radikal, mutig und ohne Rücksicht auf große Namen. Damit geht er ein großes Risiko ein. Geht seine Strategie nicht auf, bringt sie also nicht umgehend Erfolg, könnte er bei den Barça-Fans als Königsmörder gesehen werden.
Die Situation ist brenzlig, der Verein und das Umfeld sind angespannt. Aktuell scheint nur eines sicher: Den FC Barcelona, so wie wir ihn kennen, wird es schon bald nicht mehr geben.
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