Lionel Messi hat den FC Barcelona via Burofax darüber informiert, den Klub noch im Jahr 2020 verlassen zu wollen. Das bestätigte eine vereinsinterne Quelle der Nachrichtenagentur "AFP".

Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten.

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"Wäre das richtige Jahr": Ex-Inter-Präsident nährt Spekulationen um Messi
26/08/2020 AM 08:21

1. Wie ist die Vertragssituation und was ist mit der ominösen Klausel?

Der Vertrag von Lionel Messi beim FC Barcelona läuft bis 30. Juni 2021. Sollte Messi den Verein tatsächlich noch in diesem Sommer verlassen, würde Barça also eine Ablösesumme für seinen Superstar fordern können. Diese würde wohl trotz nur noch einem Jahr Restlaufzeit des Vertrages im dreistelligen Millionenbereich liegen. Nach Informationen des katalanischen Broadcasters "RAC" habe der Klub akzeptiert, Messi nicht mehr von einem Verbleib überzeugen zu können, fordere aber die höchste Ablösesumme der Fußballgeschichte. Im Klartext: Mehr als die 222 Millionen Euroi, die PSG einst für Neymar Jr. (ebenfalls an Barcelona) bezahlte.

Laut "TyC Sports" in Argentinien und dem Journalisten Alfredo Martínez vom Sender "Onda Cero", die am Dienstagabend übereinstimmend von Messis Wechselwunsch berichteten, wolle der Spieler den Verein jedoch ablösefrei verlassen. Dank einer Klausel in seinem Vertrag, soll ihm das möglich sein - und genau da liegt der aktuelle Streitpunkt.

Lionel Messi kehrt dem FC Barcelona den Rücken

Fotocredit: Getty Images

Die Klausel soll besagen, dass Messi sein Arbeitspapier am Ende jeder Saison einseitig kündigen darf. Allerdings soll sich der FC Barcelona mit einer Deadline abgesichert haben, um im Fall der Fälle Planungssicherheit zu haben. Die Klausel soll deshalb nur bis zum 10. Juni gültig gewesen sein.

Aktuell prüfen Messi und seine Anwälte jedoch, ob sie aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen verlängerten Spielzeit dennoch greifen kann. Immerhin endete die Saison offiziell erst am 23. August mit dem Champions-League-Finale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern München.

2. Was war der Auslöser für Messis Entscheidung?

Noch hat sich Lionel Messi nicht persönlich zu den Beweggründen seiner Entscheidung geäußert, Berichten zufolge hänge diese aber vor allem mit dem neuen Trainer Ronald Koeman zusammen. In einem Gespräch soll der 57-Jährige kurz nach seinem Amtsantritt Messis Sonderstellung in Frage gestellt haben.

"Die Privilegien im Kader sind vorbei, alles muss für die Mannschaft getan werden", habe Koeman laut einem Bericht des argentinischen Online-Portals "Diario Olé" gesagt. Er werde "unflexibel sein", man müsse "an das Team denken".

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Gar nicht mehr soll der Niederländer mit vier weiteren Stars planen. Luis Suárez, Ivan Rakitic, Arturo Vidal und Samuel Umtiti dürften sich demnach neue Vereine suchen. Gut möglich, dass Messi von dieser Entscheidung nicht begeistert war und sich dafür entschied, das Weite zu suchen. Vor allem der Uruguayer Suárez gehört zu den besten Freunden des Argentiniers, beide verbrachten schon mehrere gemeinsame Urlaube zusammen.

3. Welche Optionen hat Messi?

Man ist geneigt zu sagen, dass Messi sich seinen neuen Verein selbstverständlich aussuchen kann. Nehmen würde ihn vermutlich auch jeder, nur mit der Bezahlung ist das so eine Sache. Wie kostspielig das Paket Messi wird, hängt jedoch vor allem davon ab, wie der Streit um die Aktivierung der "Messi-Klausel" ausgeht.

Doch abgesehen von einer etwaigen Ablöse ist auch das Gehalt des Argentiniers, rund 35 Millionen Euro netto im Jahr, eine echte Herausforderung und dürfte einige auch große Klubs abschrecken.

Konkret gab es über die letzten Wochen immer wieder Gerüchte um einen Wechsel zu Inter Mailand. So berichtete beispielsweise die "Gazzetta dello Sport", dass die Nerrazzuri planen, Messi ablösefrei zu verpflichten und ihm dann rund 65 Millionen Euro brutto im Jahr zu zahlen. Zum Vergleich: Cristiano Ronaldo verdient "nur" geschätzte 58 Millionen per anno.

Lionel Messi (li.) und Pep Guardiola (re.)

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Ein Name der ebenfalls immer wieder im Zusammenhang mit Messi auftaucht: Pep Guardiola. Der ehemalige Förderer des sechsmaligen Weltfußballers ist aktuell Trainer von Manchester City und hätte sicher nichts dagegen, noch einmal mit Messi zusammenzuarbeiten.

"ESPN" berichtete bereits, dass die "Skyblues" prüfen würden, ob ein Transfer ohne Verletzung des Financial Fairplays überhaupt zu stemmen wäre. Angeblich soll sich Messi vergangene Woche zudem telefonisch bei Guardiola nach dem Projekt ManCity erkundigt haben.

Ebenfalls in der Verlosung soll sich Manchester United befinden, dass nach langem Hin und Her nicht bereit war, dem BVB 120 Millionen Euro für Jadon Sancho zu bezahlen. So gut wie ausgeschlossen ist, dass Erzrivale Real Madrid dem Argentinier zur kommenden Saison sein Trikot überstreift.

4. Was würde ein Messi-Abgang für Barça bedeuten?

In erster Linie große Unruhe. Messi ist in Barcelona mehr als einfach nur der beste Spieler und Megastar des Klubs. Er ist Identifikationsfigur, Heiligtum, das Gesicht des Vereins und ganze Stolz einer Region. Kurz: Messi IST Barça.

Bereits am späten Dienstagabend versammelten sich rund 100 Barca-Fans in den Straßen vor dem Stadion. Mit Messi-Trikots skandierten sie "Messi, bleib!" und zeigten mit Gesten deutlich, was sie von der Führung des Klubs halten, die ihrer Meinung nach der Auslöser dafür sein, dass der Superstar den Verein nach rund 20 Jahren verlassen will. Auf einigen Plakaten wurde der Rücktritt von Präsident Josep Bartomeu gefordert.

Josep Maria Bartomeu

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Rein sportlich würde Barcelona fraglos seinen besten Spieler verlieren, was aber paradoxer Weise nicht unbedingt schlecht sein muss. Messi hatte in Barcelona seit Jahren eine Sonderrolle, das Spiel wurde komplett auf ihn ausgerichtet. Mit der Folge, dass andere Spieler stets im Schatten seines Glanzes standen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass der Abgang eines Superstars ein Stück weit befreiend für den Rest der Mannschaft wirkt. Spieler wie Antoine Griezmann, Rückkehrer Philippe Coutinho und sogar Sorgenkind Ousmane Dembélé könnten größere, wichtigere Rollen einnehmen und zusammen mit Koeman eine neue Ära einläuten.

Doch bevor diese Zuversicht in Barcelona einkehren kann, stünde jede Menge Unruhe. Und die würde vermutlich auch einige Veränderungen in der Führungsetage nach sich ziehen.

5. Was ist ein Burofax und warum nutzte es Messi?

Das Medium, welches Messi nutzte, um seinen Arbeitgeber von seiner Entscheidung in Kenntnis zu setzen, nennt sich Burofax.

Darunter versteht man eine Dienstleistung des spanischen Postdienstes zum Versenden von wichtigen Dokumenten, bei denen der Nachweis über den Erhalt erbracht an einem bestimmten Datum werden muss. In gewisser Weise ist Burofax also mit dem deutschen Einschreiben vergleichbar.

Messi nutzte Burofax also um zu beweisen, dass er den FC Barcelona an einem bestimmten Tag über die Aktivierung seiner Klausel informierte. Angeblich soll dies am 20. August passiert sein, also drei Tage vor dem Champions-League-Finale, passiert sein. Bayerns Sieg gegen PSG war das offiziell letzte Spiel der Saison 2019/2020.

Vor Gericht können Messis Anwälte das Burofax verwenden, um zu beweisen, dass Barcelona über die Entscheidung an diesem Datum informiert wurde. Der Klub kann dann nicht behaupten, dass sie den Brief entweder nicht erhalten haben oder dass er zu spät eingetroffen ist.

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