Superstar James Rodríguez von Real Madrid am Scheideweg

James Rodríguez steht bei Real Madrid vor einer großen Entscheidung. Soll er dem ruhmreichsten Fußball-Klub der Welt freiwillig den Rücken kehren oder wäre es nicht besser, weiter um einen Platz im Kader zu kämpfen? Der Kolumbianer hat einen bis 30. Juni 2021 laufenden Vertrag, doch es sieht nicht so aus, als ob er den erfüllen würde. Ein Abschied von Real könnte sich aber als Eigentor entpuppen.

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Es herrscht Unruhe in der Avenida Calle 26 in Bogotá. Die Adresse gehört zu "El Tiempo", der größten kolumbianischen Tageszeitung - und dort verfolgt man genau, wie es für James David Rodríguez Rubio in Europa läuft. Nicht gut, muss man feststellen.
"Das Drama hat sich verschärft", titelte "El Tiempo" und spielte damit auf die an, sich für das Ligaspiel gegen Athletic Bilbao aufstellen zu lassen. Trainer Zinédine Zidane bezeichnete es als "persönliche Angelegenheit" des Kolumbianers. Mehr gebe es zu dem Thema nicht zu sagen, und es sieht so aus, als ob er sich in naher Zukunft auch nicht weiter zu James äußern müsste. Schlicht aus dem Grund, weil der Mittelfeldspieler in der kommenden Saison mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr das Trikot der Königlichen tragen wird.
Mehr noch: Der WM-Torschützenkönig von 2014 hat in den Medien bereits das Prädikat "Schnäppchen" verpasst bekommen, die spanische Zeitung "Marca" berichtet von einer Ablöse von 25 Millionen Euro. Ein Stück weit mag dieses verhältnismäßig niedrige Preisschild mit der Corona-Pandemie zusammenhängen, dennoch ist die Botschaft von Real Madrid klar: James soll im Sommer auf jeden Fall von Bord gehen. Als der Champions-League-Rekordsieger den Superstar 2014 vom AS Monaco loseiste, gingen 75 Millionen Euro über die Theke.

James ratlos: "Das wüsste ich auch gerne"

Es lief in der Folge mal besser, mal schlechter für den Südamerikaner, unumstritten war er nie in Madrid. 2017 wechselte James für zwei Jahre auf Leihbasis zum FC Bayern. Die damit verbundene Kaufoption zogen die Münchner nicht - weil James es nicht wollte, wie er vor Kurzem gegenüber dem kolumbianischen TV-Sender "Caracol" betonte. Die Bayern seien zwar "ein Top-Klub, aber derjenige, der nicht weitermachen wollte, war ich". Er habe sich nicht wohl und glücklich gefühlt.
Nur: Mit der Rückkehr zu Real Madrid hat sich das sportliche Glück auch nicht eingestellt. Ganze acht Mal setzte ihn Zidane in der Liga ein, in den sieben Partien nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Spanien stand er ganze zwölf (!) Minuten auf dem Platz.
Warum das so ist? "Das wüsste ich auch gerne", gab James zu. "Ich weiß, dass ich mit meinem Talent und etwas mehr Einsatzzeiten eine große Hilfe für das Team sein kann", so der 28-Jährige. Er würde "gerne für einen Klub antreten, bei dem ich meine Qualitäten zeigen kann". Dieser Klub wird nach Lage der Dinge nicht Real Madrid heißen.

Atlético bei James wieder im Rennen?

Glaubt man dem kolumbianischen "Radio Cadena Nacional" (RCN), dann hat James fünf Optionen, wobei er für die erste gar nicht umziehen müsste. Reals Stadtrivale Atlético Madrid hatte den Supertechniker bereits im vergangenen Sommer auf der Liste, finanzielle Gründe sollen den Transfer damals zunichtegemacht haben. "Sie haben mich nicht gelassen", gab James später zu Protokoll. Das dürfte sich inzwischen allerdings geändert haben.
Darüber hinaus scheint es vier Alternativen in der Premier League zu geben. Vor allem Manchester United soll ein Interesse daran haben, James zu verpflichten, dessen Berater Jorge Mendes ohnehin sehr gute Kontakte nach England nachgesagt werden. Der mächtige Spielerberater fädelte unter anderem 2009 den damaligen Weltrekord-Transfer seines Landsmanns Cristiano Ronaldo ein, der für 94 Millionen Euro von den Red Devils zu Real wechselte. Gut vorstellbar also, dass James nun den umgekehrten Weg geht, für deutlich weniger Geld freilich.
Neben United gelten Arsenal, der FC Everton und die Wolverhampton Wanderers als mögliche Ziele. Doch James weiß auch, dass er sich damit von der ganz großen Bühne, sprich der Champions League, verabschieden würde. Mit 28 Jahren. Als Superstar, der er immer noch ist. Als begnadeter Fußballer.
Noch sind alle Optionen denkbar, James steht vor einer kniffligen Entscheidung - und auf die ist man auch in der Avenida Calle 26 schon sehr gespannt.
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