Jede Serie reißt mal - aber das war dann doch schon sehr folgenschwer.
24 Heimspiele hatte der FC Barcelona vor Donnerstag gegen den FC Granada gespielt, 24 hatte Barça gewonnen - bis eben Donnerstagabend, als man im Nachholspiel in LaLiga eigentlich die Tabellenführung erobern wollte.
Daraus wurde allerdings nichts - trotz der Führung durch Lionel Messi verlor Barça noch 1:2. Trainer Ronald Koeman sah Rot, Barcelona blieb damit vorerst auf Rang drei der verrückten spanischen Liga kleben.
La Liga
Heimpleite und Rot gegen Koeman: Barça verpasst Tabellenführung
29/04/2021 AM 17:02
Verrückt ist sie deshalb, weil fünf Runden vor Schluss tatsächlich noch vier Mannschaften vom Titel träumen dürfen. Atlético Madrid, Real Madrid, FC Barcelona und FC Sevilla trennen sogar nur drei Punkte voneinander. Und als ob es nicht spannend genug wäre, stehen am 35. Spieltag auch noch zwei direkte Duelle - Barça gegen Atleti, Real gegen Sevilla - an.
Wie sieht das Restprogramm sonst noch aus? Was spricht für, was gegen die jeweilige Mannschaft? Eurosport.de checkt mit Jorgé Ordas von Eurosport.es in Madrid den Meisterschaftskampf in Spanien.

Atlético Madrid

1., 33 Spiele, 60:22 Tore, 73 Punkte
Restprogramm: Elche (A), Barcelona (A), Real Sociedad (H), Osasuna (H), Valladolid (A)
Was für Atleti spricht: Die Defensive - wenn man der Maxime "Defense wins Championships" glauben mag. In den letzten neun Spielen kassierte Atleti nur in Bilbao zwei Gegentore, ansonsten glichen die Ergebnisse Binärcodes (0:0, 1:0, 0:1 usw.). Ein Sieg gegen Elche und dann wie in der Meistersaison 2013/14 bei Barça bestehen (damals 1:1 am letzten Spieltag) - möglich ist alles.
Was gegen Atleti spricht: Form und Psyche. Am 21. Spieltag noch elf Punkte vor Barça und Real gelegen und vom neunten bis zum 31. Spieltag durchgehend an der Tabellenspitze, hat die Mannschaft von Diego Simeone den Vorsprung nun fast verspielt. Seit Februar ging Atlético Stück für Stück die Puste aus - nur sechs Siege aus den letzten 16 Pflichtspielen sagen viel aus (fünf Remis, fünf Niederlagen).
Das sagt Eurosport.es: "Sicher hat Atleti einen Knacks weg. Andererseits haben sie schon so viele Rückschläge erlebt: Spielverlegungen, COVID-Fälle, die harte Sperre für Trippier, Verletzungen - und doch haben es immer noch in der eigenen Hand. Und gerade von Trainer Diego Simeone ist man es ja gewohnt, dass er seine Spieler im entscheidenden Moment über die Grenze hinaus pushen kann."
Meisterchance: 7/10

Luis Suárez (Atlético Madrid)

Fotocredit: Getty Images

Real Madrid

2., 33 Spiele, 56:24 Tore, 71 Punkte
Restprogramm: Osasuna (H), Sevilla (H), Granada (A), Bilbao (A), Villarreal (H)
Was für Real spricht: Der direkte Vergleich. Nur wenige hätten im Saisonverlauf was auf die Elf von Zinédine Zidane gegeben, zu viele Punkte hatte Real auf dem Weg gegen leichte Gegner liegen gelassen. Den direkten Vergleich gegen Atlético (2:0, 1:1) und Barça (3:1, 2:1) haben die Königlichen allerdings gewonnen und auch gegen Sevilla (1:0 im Hinspiel) liegt man vorne. Kann noch wichtig werden ...
Was gegen Real spricht: Der Fokus. Im Endspurt der Saison ist alles auf die Champions League und das Halbfinal-Rückspiel beim FC Chelsea (nach 1:1 zu Hause) ausgelegt. Dazu geht Reals Abwehr am Stock, unter der Woche meldete sich nun auch noch Dani Carvajal verletzt ab. Gegen Betis und Getafe blieb man zuletzt torlos (zweimal 0:0) - Real hätte eigentlich in der Tabelle schon vorne liegen müssen ... Zudem haben die Madrilenen das schwerste Restprogramm.
Das sagt Eurosport.es: "In Madrid denken die Fans mal wieder nur an die Champions League - die Titelverteidigung käme da wirklich überraschend, gerade nach diesem Saisonverlauf. Angesichts der Personalprobleme in der Abwehr und der fehlenden Power im Sturm kann man sich aber nur schwer vorstellen, dass Real hintenraus alles wegschießt."
Meisterchance: 6/10

Zinédine Zidane

Fotocredit: Getty Images

FC Barcelona

3., 33 Spiele, 77:31 Tore, 71 Punkte
Restprogramm: Valencia (A), Atlético (H), Levante (A), Celta Vigo (H), Eibar (A)
Was für Barça spricht: Messi und Griezmann - das Angriffsduo klickt endlich, zu sehen beim feinen Doppelpass vor dem 1:0 gegen Granada. Messi hat in seinen letzten 16 Liga-Einsätzen 19 Tore erzielt und sieben Treffer vorbereitet, Griezmann war in den letzten acht Pflichtspielen immerhin an sieben Toren beteiligt (6/1). Dazu hat Barça noch Atlético zuhause vor der Brust, möglicherweise sogar vor bis zu 25.000 Fans, und keine lästigen Nebenaufgaben (CL) mehr.
Was gegen Barça spricht: Mit Messi, Griezmann, de Jong und Mingueza droht gleich vier Stammspielern aktuell eine Gelbsperre. Dazu ließ Barcelona in der Hinrunde gegen Valencia (2:2), Atlético (0:1) und Eibar (1:1) gleich gegen drei der letzten fünf Gegner Punkte liegen ...
Das sagt Eurosport.es: "Vom Clásico-Verlierer zum Beinahe-Tabellenführer, doch dann wieder zur Lachnummer gegen Granada - das macht natürlich was mit Barça. An sich ist seit der Präsidentenwahl mit Joan Laporta wirklich so etwas wie Aufbruchsstimmung in eine neue Ära zu spüren und der Triumph in der Copa del Rey hat das noch einmal verstärkt. Andererseits hat Barça aber auch deutliche Defizite in der Rückwärtsbewegung und die Ungewissheit um Messi hilft auch nicht."
Meisterchance: 8/10

Antoine Griezmann mit Lionel Messi

Fotocredit: Getty Images

FC Sevilla

4., 33 Spiele, 49:26 Tore, 70 Punkte
Restprogramm: Bilbao (H), Real Madrid (A), Valencia (H), Villarreal (A), Alavés (H)
Was für Sevilla spricht: Das Momentum. Kein Team der Liga holte aus den letzten acht Spielen mehr Punkte als die Andalusier (19), zuletzt gab es sogar fünf Siege in Folge - Sevilla ist die Mannschaft der Stunde in Spanien. Da die Champions-League-Qualifikation und damit das Saisonziel schon eingetütet ist, kann man jetzt einfach frei aufspielen – und vielleicht den drei Super-League-Klubs am Ende die lange Nase drehen ...
Was gegen Sevilla spricht: Die Übermacht der Kontrahenten. Dass Sevilla in den letzten fünf Runden wirklich alle drei großen Klubs noch überholt, scheint dann doch unwahrscheinlich. Außerdem ist das Restprogramm mit Bilbao, Valencia und Villarreal rund um den Showdown bei Real reichlich unbequem. Mit bisher nur 49 Saisontoren hat Sevilla zudem den schwächsten Angriff aller Meisterschaftsanwärter - und mit 26 Gegentoren auch nicht die beste Abwehr.
Das sagt Eurosport.es: "Niemand hat sie eingeladen - und trotzdem tanzen sie kurz vor Schluss auf der Meisterparty mit. Anders als die Konkurrenz hat Sevilla null Druck und kann die Sensation schaffen - aktuell ist das aber nur ein Träumchen."
Meisterchance: 3/10

Lucas Ocampos jubelt mit Diego Carlos (FC Sevilla)

Fotocredit: Getty Images

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