Ein Wechsel von Erling Haaland im kommenden Sommer zeichnet sich immer deutlicher ab. Sollte der BVB die Qualifikation zur Champions League verpassen, wonach es angesichts von sieben Punkten Rückstand auf Platz vier derzeit aussieht, dürfte der Norweger nicht zu halten sein.
Das Schachern um Europas größtes Sturmjuwel hat längst begonnen, das ist spätestens seit dem Transfer-Trip von Star-Berater Mino Raiola und Haaland-Vater Alf-Inge am vergangenen Donnerstag klar. Die beiden Herren ließen sich erst öffentlichkeitswirksam am katalanischen Flughafen El Prat ablichten, ehe sie weiter nach Madrid und England jetteten.
Ob die mehrere 1000 Kilometer lange Reise mitten in der Corona-Pandemie nun sinnvoll war oder nicht, eines hat sie sicher getan: sie sorgte für Schlagzeilen. In Deutschland nannte "Sky"-Experte Dietmar Hamann das Verhalten der Haaland-Delegation "respektlos, schamlos und taktlos", während man in England sicher ist, dass Manchester City die besten Karten auf den Zuschlag habe ("Mirror").
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Derweil berichtet der katalanische TV-Sender "E3", dass Haaland eine klare Präferenz habe. Raiola selber habe durchklingen lassen, dass der Stürmer nach Spanien wechseln wolle. Wie aber passen die üblichen Verdächtigen, die finanziell angeschlagenen Fußballriesen FC Barcelona und Real Madrid mit der vom BVB ausgerufenen Ablösesumme von 180 Millionen Euro zusammen?

Haaland nach Spanien: Finanziell nicht machbar

Wirtschaftliche Vernunft vorausgesetzt, kann die Antwort auf diese Frage nur "Gar nicht" lauten.
"Wenn es keine riesengroße Überraschung gibt, können sich weder Barça noch Real Madrid einen Haaland-Transfer leisten", schätzt La-Liga-Experte Felix Martin von Eurosport in Madrid die Situation ein. Neben der horrenden Ablöseforderung der Borussia berichten spanische Medien von einem geforderten Jahresgehalt von 30 Millionen Euro. Außerdem sollen Beraterprovisionen für Raiola und Alf-Inge Haaland in Höhe von jeweils 20 Millionen fällig werden.
Raiola dementierte diese Berichte am Montag in aller Deutlichkeit via "Twitter" und bezeichnete sie als "Fake News". Eine saftige Gage dürfte sich der 53-Jährige aber dennoch im Falle eines Transfers ausrechnen.

Haaland-Deal für Barça "schwierig"

Angesichts von Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe, verbietet es sich eigentlich ohnehin, den FC Barcelona als möglichen Abnehmer Haalands ins Spiel zu bringen. Dass dies trotzdem passiert, zeigt, was die Katalanen in der Vergangenheit immer wieder dank Fremdkapital der Stadt Barcelona und des Regierungsbezirks Katalonien bewerkstelligen konnten. Der neugewählte Barça-Präsident Joan Laporta versprach im Zuge seiner Amtseinführung jedenfalls große Transfers - nicht zuletzt, um den abwanderungswilligen Superstar Lionel Messi zu halten.
"Ich erwarte, dass Barça einige Spieler wie Martin Braithwaite, Riqui Puig, Samuel Umtiti oder sogar Miralem Pjanic und Philippe Coutinho verkauft", sagt Martin, "aber ich bezweifle stark, dass sie genug Geld für Haaland zusammenbringen können."
Nach dem Treffen Laportas mit Raiola und Haaland berichtete "ESPN" unter Berufung auf vereinsnahe Quellen, dass der Barça-Präsident versuchen wolle, Haaland zu verpflichten, ein Deal aber "schwierig" werden würde. Es liegt nahe, dass es angesichts von knapp 1,2 Millarden Euro Schulden kaum reichen würde, oben genannte Spieler zu verkaufen. Aber Messi für Haaland opfern? Dafür dürfte Laporta in Katalonien aller Wahrscheinlichkeit nach keine Mehrheit finden.

Erling Haaland

Fotocredit: Getty Images

Real steigt aus - und erweist Barça Bärendienst

Real Madrid steht finanziell ebenfalls nicht gut da, aber immerhin etwas besser als der große Erzrivale. Aber auch die Königlichen werden laut Martin nicht All-In bei Haaland gehen. Zwar steht in diesem Sommer die Präsidentschaftswahl bei Real an, in deren Zuge immer neue Sponsoren und Geldgeber an Land gezogen werden, die große Neuverpflichtungen versprächen. Real werde seine Anstrengungen jedoch eher auf Kylian Mbappé konzentrieren.
"Ich bin mir sicher, dass sich Real im selben Transferfenster auf keinen Fall zwei Operationen wie Haaland und Mbappé leisten kann", so Martin. Selbiges berichtet auch "Madridistanews.com". Laut einem Bericht des Portals seien die Königlichen ob der immensen Beraterprovision, die Raiola fordere, längst aus dem Poker ausgestiegen. Schon die Transfers von Paul Pogba und Gianluigi Donnarumma sollen auf diese Art und Weise gescheitert sein. Intern habe Präsident Florentino Perez klar gemacht, keine Deals mehr mit Raiola besprechen zu wollen.
Trotzdem habe er beleidigt darauf reagiert, dass Raiola und Haaland senior sich zuerst mit Barcelona wegen eines möglichen Transfers trafen. Dass es anschließend dennoch zu einer Zusammenkunft in den Büros des Santiago Bernabéu in Madrid kam, habe einzig den Grund gehabt, den Preis für den Norweger weiter in die Höhe zu treiben und dem Erzrivalen so die Verpflichtung zu erschweren.
Ja, das Fußballgeschäft ist hier und da ein schmutziges.

Erling Haaland: Bleibt am Ende nur eine Möglichkeit?

Die Frage ist: Wer kann und sollte sich in Zeiten der Corona-Pandemie überhaupt Ablösesummen nahe der 200-Millionen-Euro-Grenze leisten? Solche Geschäfte kann derzeit wohl kein Verein der Welt guten Gewissens stemmen - nicht einmal die von externen Geldgebern unterstützten Scheichklubs Paris Saint-Germain und Manchester City.
Die Skyblues kristallisieren sich immer mehr als derzeit einzig realistische Option heraus. Zwar hatte es Pep Guardiola noch am Samstag für "unmöglich" gehalten, Spieler der Preiskategorie Haaland im kommenden Sommer zu verpflichten. Bei den Citizens hofft man laut übereinstimmenden Berichten von "Daily Star" und "Mirror" jedoch darauf, dass sich die Forderung des BVB wegen des möglichen Verpassens der Champions League nach unten entwickelt.
Des Weiteren könnte ManCity den Dortmundern anbieten, im Gegenzug die Weiterverkaufsklausel von Ex-City-Spieler Jadon Sancho zu streichen, heißt es in den Berichten weiter. Die Klausel besagt angeblich, dass die Engländer bei einem Weiterverkauf des Flügelstürmers 15 Prozent der Ablöse einstreichen würden.
Laut "Express” würde man für Haaland sogar Abstand von einer Verpflichtung von Lionel Messi nehmen, der zwar im Sommer ablösefrei zu haben wäre, vom Grundgehalt her jedoch so kostspielig sei, dass der 13 Jahre jüngere Haaland die langfristig wirtschaftlichere Lösung sei.
Eines ist schon jetzt klar: Bis eine endgültige Entscheidung im Transferpoker um den 20-Jährigen fällt, wird die Gerüchteküche brodeln. Und sollte der BVB wider Erwarten doch noch in die Königsklasse einziehen, wäre auch ein weiteres Jahr in Dortmund denkbar.
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