Erling Haaland konnte nur ungläubig dabei zusehen, wie auf der anderen Seite des Platzes seine Mitspieler um Manuel Akanji desillusioniert zu Boden sanken. Emre Can vergrub den Kopf ganz tief im Trikot.
Nein, es war bei Weitem nicht das erste Mal, dass die BVB-Profis in dieser Saison den Platz als Verlierer verließen. Um genau zu sein, war es bereits die zehnte Pleite (!) in der laufenden Bundesliga-Spielzeit. Es war auch bei Weitem nicht die schlechteste Saisonleistung, die die Mannschaft von Edin Terzic beim 1:2 gegen den direkten Konkurrenten aus Frankfurt auf dem Rasen des Signal Iduna Parks gezeigt hatte.
Und doch hatte der Abpfiff am Samstag etwas Endgültiges – und das wurde allen Beteiligten in diesem Moment schlagartig bewusst.
Bundesliga
Hamann schießt gegen Haaland: "Respektlos, schamlos und taktlos"
03/04/2021 AM 18:41
Angesichts von nun sieben Punkten Rückstand auf Tabellenplatz vier meinte Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag im Interview mit den "Ruhrnachrichten", seien die Chancen, die Champions League zu erreichen "nur noch minimal". Auch Hans-Joachim Watzke konnte und wollte die Mannschaft nach dem erneuten Nackenschlag nicht mehr in Schutz nehmen und war "maßlos enttäuscht".
Gelingt in den letzten sieben Spieltagen nicht noch ein kleines Wunder, droht Dortmund neben einem Millionen-Desaster, das den Klub in seiner Entwicklung um Jahre zurückwerfen könnte, vor allem eines: Der baldige Abgang von Superstürmer Haaland.

Haaland: Vom Hoffnungsträger zur Streitfigur

Der Norweger hatte sich in der vergangenen Woche vom Hoffnungsträger und der personifizierten Lebensversicherung zur Streitfigur entwickelt. Dass Papa Alf-Inge und sein berühmt-berüchtigter Berater Mino Raiola durch halb Europa gejettet waren, um sich ganz unverblümt Angebote aus Madrid, Barcelona oder Manchester für den 20-Jährigen anzuhören, war bei den Fans und in der Öffentlichkeit ganz und gar nicht gut angekommen.
In den Medien hagelte es Kritik. "Respektlos, schamlos und taktlos", betitelte "Sky"-Experte Dietmar Hamann das Vorgehen der Haaland-Delegation. Ex-Mainz-Coach Achim Beierlorzer wollte am Sonntag sogar einen Einfluss auf die Leistung der ohnehin verunsicherten Dortmunder Mannschaft und damit eine Mitschuld an der Pleite gegen Frankfurt nicht ausschließen.
"Jeder Spieler liest die Zeitung, jeder Spieler interessiert sich dafür. Das sind die kleinen Aspekte, die letztendlich so ein Spitzenspiel eventuell auf die Seite von Frankfurt bringen, weil die fokussiert sind", sagte der 53-Jährige im "Sport1-Doppelpass".
Zorc und Lizenzspielerchef Sebastian Kehl hatten die Situation zuvor heruntergespielt. Man habe selbst mit der Haaland-Delegation gesprochen und gehe "sehr entspannt" mit der Situation um, meinte Letzterer bei "Sky": "Unser Standpunkt ist klar: Wir planen mit Erling."
Unter 150 Millionen Euro Ablöse, so hieß es vor allem in englischen Medien, werde sich der Klub nicht mit einem Abgang beschäftigen.

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"Kein Bock" auf Europa League: Dortmund muss die Strategie ändern

Doch das war vor der richtungsweisenden Niederlage gegen Frankfurt. Verpasst Dortmund das Minimalziel Champions League, geht die Zurücklehn-Strategie sehr bald in Rauch auf. Denn dass Haaland, genau wie Teamkollege Can "keinen Bock" auf Europa League hat, ließ er in jüngerer Vergangenheit bereits durchblicken.
Auf dem Platz war dem Torjäger zuletzt immer mehr der Frust über verpasste Siege anzumerken. Vor zwei Wochen in Köln zum Beispiel, als der BVB trotz zweier Haaland-Tore nicht über ein 2:2 hinauskam.
Auch wenn der 20-Jährige in der Länderspielpause und nun gegen Frankfurt selbst einen torlosen Durchhänger hatte, ist er Dortmund längst entwachsen. Haaland, und das muss den Verantwortlichen der Westfalen bereits bei der Verpflichtung des Sturmjuwels im Januar 2020 bewusst gewesen sein, würde eher früher als später nach mehr streben.
Nicht auszuschließen, dass es nun nicht mehr bei mehr oder weniger heimlichen Treffen mit europäischen Top-Klubs bleibt. Und wenn Haaland offensiv auf einen Wechsel pocht, dann sollte der BVB spätestens jetzt hinhören. Das gebietet die Vernunft, auch wenn Haalands Vertrag noch bis 2024 läuft.

Haaland-Verkauf könnte Verluste ausgleichen

Zwar betonte Präsident Reinhard Rauball zuletzt, dass die nächsten beiden Spielzeiten auch unabhängig vom Erreichen der Königsklasse durchfinanziert seien. Je nachdem, wie lange die Dortmunder ihre Heimspiele aber noch vor leeren Rängen austragen müssen, hinterlässt die Coronakrise jedoch immer deutlichere Spuren.
Wirklich großes Geld, um dem neuen Coach Marco Rose im kommenden Sommer zumindest etwas finanziellen Spielraum zu gewähren und die Einbußen zu decken, würden wohl nur Verkäufe von Jadon Sancho und oder Haaland einbringen.
Gut möglich, dass das Telefon in Dortmund bald auch schon bei Angeboten unter 150 Millionen Euro abgenommen wird.
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