Bei Real Madrid schwelgt man offenbar gerne in Erinnerungen. Denn am Montag wurde die Uhr um rund sechs Jahre zurückgedreht. Mit Carlo Ancelotti, der die Königlichen bereits von 2013 bis 2015 trainiert hatte, wurde ein Nachfolger für den (erneut) zurückgetretenen Zinédine Zidane gefunden.
Der Name des Italieners, der bis zuletzt den FC Everton trainiert hatte, war in den Spekulationen um den Real-Trainerposten zuletzt nicht aufgetaucht, umso überraschender mutete die Entscheidung an.
Der dringend benötigte Umbruch im Kader der Madrilenen könnte durch die Verpflichtung Ancelottis weiter aufgeschoben werden.
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In Madrid klammert man sich an alte Erfolge und vergangene Glanzzeiten. Sportlich birgt diese Strategie aber Gefahren.

Bale, Kroos und Co.: Ancelotti trifft auf viele bekannte Gesichter

Denn bei seiner Vorstellung stellte der neue und alte Trainer schnell klar: "Es gibt noch keinen Plan. Aber ich kenne das Team und die Spieler, die nach ihren Leihen zurückkommen, sehr gut. Wir haben viele Optionen."
Das bedeutet vor allem eines: In den sechs Jahren seit Ancelottis Rauswurf bei Real hat sich in der Mannschaft sehr wenig bis gar nichts getan. Sergio Ramos, dessen Zukunft weiter in den Sternen steht, Marcelo, Isco, Dani Carvajal, Nacho, Toni Kroos, Luka Modric, Karim Benzema oder Gareth Bale - alles Spieler, die bereits 2015 im Real-Kader standen und zum Teil immer noch einen wichtigen Teil der Mannschaft bilden. Mit Ausnahme von Isco und Carvajal sind jene Stars alle älter als 30 Jahre.
Eurosport-Redakteur Félix Martin meint daher: "Ich weiß nicht, ob Ancelotti der richtige Coach ist, um die tief greifenden Veränderungen anzugehen, die die Mannschaft braucht." Spieler wie Isco, Marcelo oder Bale, "die eigentlich gehen sollten, werden jetzt bleiben wollen". Ancelotti, der bei seiner Vorstellung am Mittwoch ankündigte, den Kader zu verkleinern, dürfte an den für ihn bekannten Gesichtern festhalten, so Martin.
Bei seiner Vorstellung öffnete der Italiener etwa dem seit Jahren kriselnden Bale die Türe: "Ich kenne Gareth gut. Wenn er die richtige Motivation findet, um sein bestes Spiel zu zeigen, kann er zweifelsfrei eine großartige Saison haben." Ein sportlicher Umbruch ist somit unter dem Italiener unwahrscheinlich.

Carlo Ancelotti (rechts) und Gareth Bale

Fotocredit: Getty Images

Real: Darum fiel die Wahl auf Ancelotti

Doch warum entschied sich Klub-Präsident Florentino Pérez dann für eine Rückkehr Ancelottis? "Er gehört zu dem Trainertyp, den Florentino mag. Einer, der den Klub und das Team bereits kennt. Und einer, den man leicht kontrollieren kann, wie eine Puppe", mutmaßt der Eurosport-Experte. Andere Kandidaten, die zuvor gehandelt wurden, hätten dieses Kriterium wohl nicht erfüllt.
Antonio Conte, der bei Inter Mailand nach dem Gewinn der Meisterschaft seinen Abschied erklärte, galt als Favorit. Doch bereits bei den Verhandlungen soll der Italiener klare Forderungen gestellt haben, wie er sich seinen Kader vorstellt - inklusive neuer Transfers. Das gefiel Pérez offenbar nicht.
Ebenfalls im Gespräch waren Ex-Profi Raúl, für den der Job wohl noch zu früh kommt, und Mauricio Pochettino, der nicht von PSG loszueisen war. So fiel die Wahl auf Ancelotti, der als sehr diplomatischer Trainer gilt. Ihm wird nachgesagt, die Allüren der Stars gut managen und für Ruhe sorgen zu können. Bei Real Madrid ist dieser Charakterzug sicherlich kein Nachteil.

Ronaldo-Rückkehr wohl kein Thema

Eine von vielen Fans erhoffte Rückkehr von Superstar Cristiano Ronaldo scheint aber auch mit Ancelotti ein Traum zu bleiben. Der 61-Jährige stellte am Mittwoch schnell klar, dass der Portugiese kein Spieler von Real Madrid sei. Allerdings erwartet man in Spanien trotz der klammen Kassen einen Mega-Transfer. "Wir glauben, dass es einen großen Wechsel im August geben wird, wahrscheinlich Kylian Mbappé", meint Martin.
Dieser Transfer - so wirkt es - wird in Madrid als die Lösung aller Probleme angesehen. Für Ancelotti gibt es ohnehin nur eine Aufgabe: Real Madrid wieder an die Spitze Europas führen. 2014 gelang ihm dies bereits mit dem Titel in der Champions League.
Der ehemalige Bayern-Coach ist sich dessen bewusst: "Es geht bei Real Madrid immer um dasselbe: Angreifen und spektakulären Fußball zeigen, das fordert die Geschichte des Vereins und das wollen die Fans." Die Erfolge blieben Ancelotti bei seinen letzten Stationen (FC Bayern, Neapel, Everton) jedoch wiederholt verwehrt.
Somit sorgt die Ankunft des 61-Jährigen vor allem für viel Komfort, der Umbruch wird aber wohl warten müssen.
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