Auf die "Alten" ist Verlass. Dass Real Madrid nach zehn erfolgreichen Pflichtspielen in der spanischen Liga wieder ein ernsthafter Titelkandidat ist, liegt in erster Linie an der herausragenden Form der Routiniers.
Es nicht lange her, da steckte Real in der Ergebniskrise. Zwölf Punkte Rückstand auf die Spitze waren ernüchternd. Kritik fegte wie ein eisiger Wind durch den spanischen Blätterwald, die Rufe nach Erneuerung wurden laut. Der Umbruch müsse her, die Alten weg, neue Kräfte her.
Jetzt sind es nur noch zwei Zähler auf den FC Barcelona und sechs auf Tabellenführer Atlético.
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"Wenn wir einen Run hinlegen, können wir es noch schaffen", sagte Toni Kroos in seinem Podcast "Einfach mal luppen" mit Blick auf die Meisterschaft zuletzt. Mit seinen 31 Jahren ist der Mittelfeldregisseur erneut aufgeblüht. Er glänzt in der Schaltzentrale der "Königlichen" und strotzt vor Selbstvertrauen, auch wenn er die anstehenden drei Länderspiele mit der deutschen Nationalmannschaft aufgrund einer Adduktorenverletzung verpasst.

Zidane vertraut bei Real Madrid auf Altbewährtes

Die Gründe für den Lauf von Real sind dabei nicht komplex. Zidane verlässt sich aktuell eben auf "Altbewährtes". Im Leistungstief vertraute er bedingungslos seinen Veteranen: Dazu gehören neben Kroos auch Luka Modric (35) und Karim Benzema (33). Wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte ist, kommt er auch an Sergio Ramos (35) nicht vorbei. Sie bilden die Basis der Mannschaft. Gemeinsam mit Zidane haben sie alle Gedanken an die Zukunft, an einen Neuaufbau, an "Projekte" und Entwicklungen in den Hintergrund gedrängt und fokussieren sich auf den Moment.
Werden die Verträge mit Modric und Ramos überhaupt verlängert? Kommen Kylian Mbappé, Harry Kane oder Erling Haaland? Wird David Alaba der neue Abwehrchef? Im Moment egal! Garantierte Einsatzzeiten für Perspektivspieler wie Vinícius, Rodrygo oder Federico Valverde? Drauf gepfiffen!
Benzema ist mit seinen momentan 23 Toren (32 Saisoneinsätze) der interne Top-Torjäger, Kroos (zwei Saisontore) führt mit neun Assists die Top-Vorlagengeber-Liste an. Beim 3:1 gegen gegen Celta Vigo bereitete Kroos zuletzt beide Treffer für Benzema vor.
Es waren die Treffer sieben und acht für den Franzosen in den vergangenen sechs Pflichtspielen. "Er spielt den besten Fußball seines Lebens und stellt unter Beweis, wie wichtig er für Real ist", lobte Kollege Raphael Varane unlängst.

Real-Trainer Zinédine Zidane (Mitte) im Gespräch mit seinen Spielern Toni Kroos (l.) und Sergio Ramos

Fotocredit: Getty Images

Die Routiniers behalten im Spiel die Ruhe, sind sich ihrer Qualität bewusst und in der Lage, ein Spiel auch noch spät zu entscheiden. Von außen wird das gerne als Glück wahrgenommen, dahinter steckt jedoch eine Menge Qualität und Erfahrung.
Zidane weiß das, lässt die Routiniers laufen, hat die Rotation gänzlich abgeschafft und wird dafür mit Ergebnissen belohnt. Es ist definitiv kein Gala-Fußball. Aber es ist eine Mischung entstanden, die in dieser Phase das Maximum an Erfolg generiert. Was der FC Liverpool, der nächste Gegner in der Champions League, noch sucht, hat Real gefunden. In dieser Verfassung ist den Madrilenen alles zuzutrauen.
Am 10. April steht der Clásico an - in Madrid schauen sie jetzt schon gespannt auf den direkten Vergleich mit dem großen Erzrivalen. Dann wird sich final zeigen, ob Zidanes "All-in-Taktik" mit den "Altherren" endgültig aufgegangen ist.

Parallelen zur deutschen Nationalmannschaft

Die Situation bei Real Madrid lässt sich übrigens auch hervorragend mit der deutschen Nationalmannschaft, die an diesem Donnerstag in der WM-Qualifikation zunächst auf Island treffen (20:45 Uhr im Liveticker) vergleichen, für die die Methode der "Königlichen" durchaus eine Art Vorbild sein könnte.
Auch Bundestrainer Joachim Löw kann sich voll auf das anstehende EM-Turnier fokussieren. Da er danach aufhört, ist es ihm gleich, welches Projekt und welche Politik beim DFB vorangetrieben wird. Unabhängig von Person oder Alter wird er bei der Auswahl seiner Elf allein auf Qualität und Winner-Mentalität setzen. Deshalb ist auch die Tür für die wegen eines geplanten "Umbruchs" eigentlich aussortierten Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels wieder offen.
Und wer weiß, wie es generell mit Real in der neuen Saison weitergeht? Löw lernt bekanntlich Spanisch, und die Gerüchte, dass Zidane die französische Nationalmannschaft übernimmt, halten sich hartnäckig...
Ein Mal wollen es beide Trainer sich selbst und der Öffentlichkeit noch beweisen, dass sie es packen. Und danach möglicherweise eine neue Chance ergreifen.
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