Robert Lewandowskis Aufstieg: Das Ende der Ära Messi/Ronaldo?

Der von den Eurosport-Redaktionen zum "Eurosport Star of the Year" gekürte Robert Lewandowski hat es 2020 geschafft, die Vorherrschaft von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, die seit 2008 die wichtigsten internationalen Auszeichnungen abstaubten, zu durchbrechen. Auch wenn Luka Modric die Serie 2018 gestoppt hatte, stürmt mit Lewandowski erstmals ein Spieler das angestammte Terrain der Giganten.

Cristiano Ronaldo (l.) und Robert Lewandowski

Fotocredit: Getty Images

Wir begeben uns auf eine Zeitreise in das Jahr 2007. Es ist eine andere Epoche. Nur Michel Platini, Johan Cruyff und Marco van Basten hatten es bis dato geschafft, den "Ballon d'Or" dreimal zu gewinnen. Doch dann betrat ein junges Duo die Weltbühne und veränderte alles. Natürlich ist die Rede von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, die fortan alle Trophäen abstaubten.
Zehn Jahre lang währte ihre Vorherrschaft ohne Unterbrechung! Fast zwölf Jahre, wenn man das Intermezzo mit Luka Modric im Jahr 2018 herausrechnet. Doch das Fußball-Jahr 2020, das durch die Covid-19-Pandemie unter gänzlich anderen Bedingungen stattfand, könnte mit Robert Lewandowski, dem Gewinner des "Eurosport Star of the Year", den eigentlichen Wendepunkt dieser Ära eingeleutet haben.
Auch wenn mit Luka Modric vor zwei Jahren mit der Wahl zum besten Spieler der Weltmeisterschaft in Russland und dem Gewinn der Champions League mit Real Madrid ein Akteur die Regentschaft Messis und Ronaldos erstmals durchbrach, war der Kroate doch eher die Ausnahme. Der mit dem Goldenen Ball gekürte Mittelfeldstratege hatte dank seiner Leistungen den Lauf des infernalen Messi-Ronaldo-Tandems gestoppt, ohne dabei mit verrückten Statistiken hervorzustechen.
Sowohl Andrés Iniesta (2010) als auch Franck Ribéry (2013) scheiterten ein paar Jahre zuvor den Heiligen Gral des Fußballs zu empfangen und die etablierte Hierarchie umzustoßen. Im Jahr 2020 schaffte es nun auch Lewandowski, dem argentinisch-portugiesischen Duo das Rampenlicht zu stehlen. Und das, indem er sie mit ihren eigenen Waffen schlug, nämlich mit Toren am Fließband.

Lewandowski hat sich 2020 auf Augenhöhe mit Messi und Ronaldo begeben

Natürlich hat Lewandowski zudem auch dank seiner Erfolge mit dem FC Bayern München die Lücke zu Messi und Ronaldo geschlossen. Mit den fünf Titeln in der Champions League, Bundesliga, dem DFB-Pokal sowie im deutschen und europäischen Supercup ist der FCB aktuell die Mannschaft, die es im europäischen Vereinsfußball zu schlagen gilt. Und Lewandowski ist der beste Spieler des besten Klubs.
Die wahre Stärke des Polen ist, dank seiner außergewöhnlichen Kaltschnäuzigkeit und Effizienz vor dem Tor schier unfassbare Statistiken aufzuweisen, womit er sich europaweit auf einer Höhe mit Messi und Ronaldo positioniert hat.
Bereits im Jahr 2019 führte der Dauerknipser des FC Bayern und der polnischen Nationalmannschaft die europäische Torschützenliste mit wettbewerbsübergreifenden 54 Toren in 58 Pflichtspielen (acht Pflichtspieltreffer mehr als Messi, 15 als Ronaldo) an. Und auch 2020 hat der 32-Jährige wieder geschafft, sich mit Ronaldo und Messi auf Augenhöhe zu messen.
Tatsächlich hat Lewandowski mit derzeit 43 Toren in 42 Spielen (zum Vergleich: Ronaldo 41 Tore in 40 Spielen, Messi 25 Tore in 45 Spielen) beide auch in diesem Kalenderjahr hinter sich gelassen. Im Gegensatz zu Messi und Ronaldo kann er sich zudem rühmen, beim Finalturnier der Champions League in Lissabon geglänzt zu haben - ein ausschlaggebendes Kriterium für die Auszeichnung des besten Kickers am Jahresende.

Sag niemals nie zu Messi und Ronaldo

Auch wenn Lewandowski im Finale der Königsklasse nicht traf, war der fünffache Bundesliga-Torschützenkönig in den entscheidenden Spielen zur Stelle. Mit fünf Toren und sechs Vorlagen in der K. o.-Phase hatte der gebürtige Warschauer großen Anteil an Bayerns epochalem Triumphzug.
Während es Stürmerstars wie Zlatan Ibrahimovic, Edinson Cavani oder Luis Suárez in den letzten Jahren trotz hoher Trefferquoten nicht geschafft haben, sich auf ein Level mit Messi und Ronaldo zu hieven, hat Lewandowski bewiesen, dass dies inzwischen möglich ist.
Erlebt der europäische Spitzenfußball nun wirklich das Ende der Ära Messi/Ronaldo? Die vielen Probleme des FC Barcelona sowohl hinter den Kulissen als auch auf dem Platz sowie Juves verzweifelter Versuch, sich den Traum vom Champions-League-Triumph zu erfüllen, legt diese Vermutung nahe. Andererseits haben die beiden Legenden offensichtlich noch keine Lust, die Füße hochzulegen und wollen stattdessen immer wieder beweisen, dass der Zahn der Zeit noch nicht an ihnen nagt.
Sag niemals nie - auch wenn Lewandowski bereits einen Fuß auf ihr Territorium setzen konnte - schließlich ist schon das eine kleine Revolution.
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Quelle: Perform

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