Dani Alves kehrt zum FC Barcelona zurück: Bei diesem Transfer kann es (eigentlich) nur Gewinner geben
VonThomas Gaber
Publiziert 13/11/2021 um 23:45 GMT+1 Uhr
Mit Klub-Idol Xavi auf der Trainerbank will der FC Barcelona so schnell wie möglich raus aus dem Mittelmaß. Der neue Coach kündigt die Rennaisance der Barça-DNA an und verpflichtete mit Dani Alves einen langjährigen Weggefährten aus erfolgreichen Barça-Zeiten. Ein 38-Jähriger soll helfen, den FC Barcelona wieder auf Kurs zu bringen. Ein Transfer, der bei genauerer Betrachtung Sinn ergibt.
Dani Dani Alves gewann im Sommer bei Olympia die Goldmedaille
Fotocredit: Getty Images
Nach gefühlt jahrelanger Tristesse müssen sich die Fans in den letzten Tagen wie im Schlaraffenland vorgekommen sein. Erst bejubelten zigtausende Anhänger der Blaugrana ihren neuen Trainer Xavi bei dessen Vorstellung im Camp Nou und wurden vom Klubidol und Heilsbringer mit den Worten "Wir sind der beste Klub der Welt" in Ekstase versetzt.
Am Samstag schickte Dani Alves den Barça-Fans eine Videobotschaft: "Ihr Lieben, ich bin wieder in Barcelona, ich bin wieder mit Euch. Ich bin sehr glücklich, nach Hause zu kommen. Ich bin hier, um das Barça wieder aufzubauen, dass wir alle wollen. Küsschen für Euch alle!" Pure Emotionen und das auch noch in einwandfreiem Katalanisch. Mehr geht nicht.
Doch Moment - Dani Alves? Ist das jetzt das neue Barça? Ein 38-Jähriger, der seinen Vertrag beim FC Sao Paulo Mitte September aufgelöst hat und seitdem vereinslos ist?
Diese Fragen müssen erlaubt sein. Der große FC Barcelona ist in den letzten zwei Jahren peu à peu national wie international ins Mittelmaß abgesunken und hat vor allem auf europäischem Terrain empfindliche Niederlagen einstecken müssen. Und dann ist Xavis erste Amtshandlung, seine ehemaligen Mitspieler aus der Arbeitslosigkeit zu holen.
Xavi will "alten" Barça-Fußball aufleben lassen
Zumal Xavi auf seiner ersten Pressekonferenz angekündigt hat, den "alten" Barça-Fußball wieder salonfähig machen zu wollen: Ballbesitzorientiertes Spiel gepaart mit hohem Pressing und hoher Laufintensität. "Wir wollen ein intensives Team sein, wollen den Ball in der gegnerischen Hälfte erobern und daraus viele Chancen kreieren. Das ist die Barça-DNA. Wir sind Barcelona und müssen versuchen, jedes Spiel zu gewinnen", sagte er.
Explizit legt Xavi Wert auf ein offensives Flügelspiel. "Das hat maßgeblich zu Barças Erfolgen beigetragen", ergänzte der 41-Jährige.
Dani Alves hat in seiner Blütezeit das Flügelspiel beim FC Barcelona nahezu revolutioniert. Kein anderer etatmäßiger Außenverteidiger interpretierte seine Rolle so angriffslustig wie der Brasilianer. Das ist allerdings schon etliche Jahre her.
Und dennoch: Bei genauer Betrachtung macht die Verpflichtung des Routiniers durchaus Sinn.
Dani Alves bringt Erfahrung, Führungsqualitäten und Siegermentalität mit
Alves unterzeichnete einen Vertrag bis Saisonende zu einem Vereinsangaben zufolge "sehr kleinen Gehalt". Große Sprünge kann sich der hochverschuldete Klub auch gar nicht leisten. Das Risiko durch die Verpflichtung eines 38-Jährigen ist hinsichtlich Laufzeit und Gehalt sehr überschaubar.
Alves bringt jede Menge Erfahrung und Führungsqualitäten mit. Daran mangelt es im diesjährigen Barça-Kader. Mit Piqué, Sergio Busquets und Sergio Agüero zählen zwar hochdekorierte Ü30-Spieler dazu, es kann aber nicht schaden, Spielern wie Óscar Mingueza, Frenkie de Jong, Pedri oder Ansu Fati einen Spieler zur Seite zu stellen, der mehr als alle anderen weiß, wie man Spiele gewinnt und Trophäen abräumt. Dani Alves ist mit 46 Titeln der erfolgreichste Fußballer der Geschichte.
"Ältere Spieler sind geistige Führer für die Jungen“, sagte Xavi. "Wenn sie in der Kabine sprechen, sollte man ihnen zuhören.“ Alves hat stets seinen Mund aufgemacht, in seinen Vereinen und in der Nationalmannschaft.
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Xavi bremst Erwartungen: "Vergleich mit Guardiola kommt zu früh"
Quelle: Perform
Olympiasieg und Comeback in der Nationalmannschaft mit 38
Zudem hat Alves auch in der jüngeren Vergangenheit bewiesen, dass er auch im hohen Fußballeralter noch wettbewerbsfähig ist. Im Sommer führte er Brasilien als Kapitän zum Olympiasieg von Tokio und stand in allen sechs Spielen von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz.
Kurz vor seiner Vertragsauflösung infolge ausbleibender Gehaltszahlungen gewann er die Staatsmeisterschaft von Sao Paulo und feierte sein Comeback in der Seleção. Sein Einsatz beim 2:0 gegen Peru in der QM-Qualifikation war der 119. seit seinem Debüt im Jahr 2006.
"Dani ist immer noch einer der besten Spieler Brasiliens. Sein Alter spielte in meinen Überlegungen, ihn zurückzuholen, keine Rolle. Er ist körperlich topfit. Wenn ich nicht wüsste, wie alt er ist, würde ich ihn auf maximal 32 schätzen", sagte Brasiliens Nationaltrainer Tite.
Nationalmannschaftskollege Neymar hob Alves‘ harte Arbeit an seiner Fitness hervor. "Er passt sehr auf seinen Körper auf. Ich war erstaunt, als ich ihn in der Kabine gesehen habe. Das ist wahrlich kein 'alter' Mann", scherzte Neymar anerkennend.
Alves bleib in seiner Karriere von den ganz schweren Verletzungen verschont und gehörte auch bei seinen letzten beiden Stationen in Paris und Sao Paulo überwiegend zur Stammelf. Bei PSG absolvierte er in der Saison 2018/19 nach einer Knieverletzung zu Beginn der Spielzeit 25 Spiele, davon 24 in der Startelf. In Sao Paulo stand er von 95 Spielen 93 Mal beim Anpfiff auf dem Feld. Er war also auch in den letzten drei Jahren regelmäßig "im Saft".
Barcelona hat Probleme auf der Rechtsverteidigerposition
Im aktuellen Barça-Kader gibt es durchaus Bedarf auf der Rechtsverteidigerposition. Weder Sergino Dest noch Mingueza genügen den hohen Ansprüchen. Infolgedessen ist es sehr wahrscheinlich, dass Alves nicht nur den jungen Spielern im Training Beine machen soll, sondern dass er auch auf seine Einsätze kommen wird.
Bis Jahresende muss sich Alves aber noch gedulden. Er ist erst 2022 für Barça spielberechtigt. Bis dahin kann er Xavi dabei unterstützen, dem Team neues Leben einzuhauchen.
"Dani Alves weiß genau, wie Xavi tickt und welche Idee er vom Fußball hat. Die beiden haben eine sehr erfolgreiche Ära bei Barça geprägt. Und Dani verehrt Xavi. Es war eine große Ehre für ihn, 2015 Xavis Trikot mit der Nummer 6 zu übernehmen“, schrieb die in Barcelona behimatete Zeitung "Sport".
Dani Alves hat die Barça-Fans kurz nach Bekanntwerden seiner Rückkehr umschmeichelt. Die Voraussetzungen für eine zweite Liebesbeziehung scheinen geradezu ideal zu sein.
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