FC Barcelona greift mit Transferoffensive an: Dank Lewandowski-Deal wieder auf dem Weg zum Weltklub
VonThomas Gaber
Publiziert 18/07/2022 um 14:03 GMT+2 Uhr
Der FC Barcelona hat stürmische Zeiten hinter sich, im Sommer 2021 stand der ganze Verein wirtschaftlich vor einem immensen Scherbenhaufen. Durch die Veräußerung von TV- und Merchandising-Rechten floss viel frisches Geld in die leeren Kassen, das in erster Linie in die erste Mannschaft investiert wurde und weiter wird. Die Transferoffensive zeigt Wirkung - Barça wird wieder alles zugetraut.
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Quelle: Perform
Es ist erst elf Monate her, da zeichnete Joan Laporta ein extrem düsteres Bild des FC Barcelona.
Am 16. August 2021 klärte der Präsident des stolzen katalanischen Klubs die Mitglieder über die prekäre finanzielle Lage auf.
"Die geerbte wirtschaftliche Situation ist dramatisch", sagte Laporta und zielte dabei deutlich auf seinen Vorgänger Josep Bartomeu ab: "Barcelona hat 451 Millionen Euro Nettoschulden und 1,35 Milliarden Euro Bruttoschulden. Die Lohnkosten belaufen sich auf 617 Millionen, was 103 Prozent der Einnahmen entspricht."
Barça blieb infolgedessen nichts anderes übrig, als das Heiligtum des Vereins, Lionel Messi, ziehen zu lassen, obwohl der Argentinier auf die Hälfte seines Gehalts verzichtet hätte, um bei der Azulgrana zu bleiben. Die Zusammenarbeit könne aufgrund "wirtschaftlicher und struktureller Hindernisse" nicht fortgesetzt werden, teilte der Verein seinerzeit mit.
Laporta drohte: "Sonst gehen hier bald die Lichter aus"
Laportas Hauptaufgabe bestand in den Monaten darauf in der Evaluierung von Möglichkeiten, den Verein wieder auf einigermaßen stabile finanzielle Beine zu stellen. "Sonst gehen hier bald die Lichter aus", drohte er.
Dass Barça auch sportlich monatelang durchhing und sich nur dank eines vernünftigen letzten Saisonviertels für die nächste Champions-League-Saison qualifizierte, wurde im Verein zähenknirschend akzeptiert - Hauptsache die Lampen bleiben an.
Im Sommer 2022 sieht die Barça-Welt wieder deutlich rosiger aus. Im Juni machte der Klub auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung den Weg frei, eigene Vermögenswerte zu kaufen. Ein US-amerikanisches Investmentunternehmen mit Hauptsitz in San Francisco sicherte sich bis 2047 zehn Prozent von Barças LaLiga-TV-Rechten. Das spülte 207,5 Millionen Euro in die Kassen.
Durch den Deal schlossen die Katalanen das Geschäftsjahr 2021/2022 mit einem Plus ab. Zur Erschließung weiterer Geldquellen plant der Verein zudem, weitere 15 Prozent der Fernsehrechte und 49,9 Prozent der Anteile an Barça Licensing and Merchandising für insgesamt 600 Millionen Euro zu verkaufen.
De Jong will nur zum FC Bayern - Xavi will ihn behalten
Um die Lohnkosten auf unter 500 Millionen Euro zu drücken, sollen Neto, Samuel Umtiti, Oscar Mingueza, Riqui Puig und Martin Braithwaite unbedingt noch verkauft werden. Die fünf Spieler wurden nicht mit auf die Testspielreise in die USA genommen. "Es gibt Spieler, die sich der Situation seit zwei Monaten bewusst sind. Wir stehen in Absprache mit ihren Agenten. Es logisch, dass sie in Barcelona bleiben, um ihre Situation zu klären", sagte Mateu Alemany.
Deutlich komplizierter ist die Situation bei Frenkie de Jong. Dem Vernehmen nach will Alemany den Niederländer für ca. 60 Millionen Euro verkaufen und hat mit Manchester United auch einen potentiellen Abnehmer an der Angel.
Doch de Jong will nicht nach England, sondern nach neuesten Meldungen nur zum FC Bayern. Und der Trainer hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Laut der Barça-nahen Zeitung "Sport" plant Xavi weiter mit de Jong.
Wie "gut" es dem FC Barcelona finanziell offenbar wieder geht, verdeutlichte Laporta vergangenen Freitag während der Vorstellung von Neuzugang Raphinha: "Wir sind nicht gezwungen, de Jong zu verkaufen."
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"Alles super": Bayern-Neuzugänge glänzen mit Deutschkenntnissen
Quelle: Perform
Lewandowski-Deal als Höhepunkt einer gelungenen Transferoffensive
Dabei war in spanischen Medien wochenlang berichtet worden, dass der absolute Wunschtransfer von Robert Lewandowski nur realisiert werden könne, wenn de Jong den Verein für einen hohen achtstelligen Betrag verlässt. De Jong ist noch da und Lewandowski mittlerweile auch. Um für Barça spielen zu können, verzichtet der Pole angeblich auf drei Millionen Euro Nettogehalt pro Jahr im Vergleich zu seinem Salär beim FC Bayern.
Der "done deal" mit Lewandowski ließ sie spanische Presse regelrecht ausflippen. "Die Transferoffensive des FC Barcelona ist wahrhaftig spektakulär, dieses Barça kann alles gewinnen", schrieb "Sport". Und selbst die Konkurrenzblätter aus Madrid, die normalerweise keine Gelegenheit auslassen, dem Erzrivalen von Real Madrid eins auszuwischen, lobten anerkennend: "Barça holt sich mit der Verpflichtung Lewandowskis den Status als Weltklub zurück."
Der Königstransfer reiht sich in eine Vielzahl aggressiver und schlauer Deals ein. Für Raphinha überwies Barcelona 55 Millionen Euro an Leeds United, ein paar Millionen Boni kommen noch hinzu. Innenverteidiger Andreas Christensen (FC Chelsea) und der zentrale Mittelfeldspieler Franck Kessié (AC Milan) kosteten keine Ablöse.
Jules Koundé ist Xavis Wunschspieler für die Defensive
Und es soll noch lange nicht Schluss sein mit der Shoppingtour. Barcelona bemüht sich um Chelsea-Spieler Cesar Azpilicueta und Marcos Alonso sowie Jules Koundé vom FC Sevilla. Der französische Nationalspieler Koundé, der als Rechtsverteidiger und Innenverteidiger agieren kann, ist Xavis Wunschspieler für die Defensive.
Sevilla verlangt etwa 65 Millionen Euro Ablöse - zu viel für Barcelona. Laut "Sport" habe Alemany daher seine guten Beziehungen zu Koundés Berater Jorge Mendes spielen lassen. Die Idee: Memphis Depay wird in den Transfer eingebunden, um die Ablösesumme zu drücken. "Sport" berichtet zudem, dass Laporta und Alemany optimistisch seien, den Transfer "in den nächsten Tagen" erfolgreich abzuschließen.
Barças Angriff auf dem Spielermarkt hat aber nicht nur positives Echo. Bei der nationalen Konkurrenz rümpft man sich die Nase, wie das alles finanziert werden soll - trotz des Verkaufs von Fernseh- und Merchandisinig-Rechten. "Ich weiß nicht, wo auf einmal das ganze Geld herkommen soll. Das hat schon einen faden Beigeschmack", sagte etwa Enrico Cerezo, Präsident von Atlético Madrid.
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Bald gemeinsam für Barcelona? Jules Koundé (l.) und Ferran Torres
Fotocredit: Getty Images
Dani Alves übt scharfe Kritik an Barça
Zudem soll es altgedienten Spielern an den Kragen gehen, um die Transferoffensive gegenzufinanzieren. Laut "El Mundo Deportivo" plant Barça bei Gerard Pique und Sergio Busquets Gehaltskürzungen bis zu 50 Prozent.
Dani Alves, der im Januar nach Barcelona zurückgekehrt war und nach sieben Monaten wieder geht, bemängelte in einem Interview mit dem "Guardian" den Umgang mit langjährigen Leistungsträgern. "Seit meiner Ankunft habe ich sehr deutlich gemacht, dass ich kein 20-Jähriger mehr bin und dass ich möchte, dass die Dinge direkt angegangen werden, ohne sie zu verbergen. Aber dieser Verein hat in den letzten Jahren gesündigt. Barcelona kümmert sich nicht um die Leute, die für den Klub Geschichte geschrieben haben", sagte der Brasilianer.
Doch das Gespann Laporta/Alemany/Xavi geht aufs Ganze und da muss es eben auch "Opfer" geben. Der Kader für die Saison 2022/23 sieht schon jetzt auf den ersten Blick blendend aus. Vor Marc-Andre ter Stegen verteidigen Christensen und Garcia innen, Araujo und Alba außen. Kessie, Gavi und Pedri bilden in Xavis geliebtem 4-3-3 das Mittelfeld. Und das Angriffstrio aus Ousmane Dembélé, der seinen Vertrag bis 2024 verlängert hat, Raphinha und Lewandowski, dessen Backup Pierre-Emerick Aubameyang ist, muss sich im europäischen Vergleich nicht verstecken.
Wenn jetzt noch die Transfers von Koundé und Azplicueta klappen, hat der FC Barcelona wieder eine Mannschaft, die Titel gewinnen kann. "Mes que un club" ("Mehr als ein Klub") - der Slogan des FC Barcelona könnte ab der neuen Saison - zumindest auf sportlicher Ebene - wieder salonfähig werden.
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