Isco blüht bei Real Betis wieder auf: Die Wiedergeburt eines gefallenen Stars nach der Union-Farce
Im vergangenen Winter wäre Berlin beinahe um eine Attraktion reicher gewesen, der Wechsel von Superstar Isco schien bereits in trockenen Tüchern. Doch es entwickelte sich eine Transfer-Farce der Extraklasse, am Ende dampfte der ehemalige Real-Profi wieder ab. Mittlerweile kickt Isco bei Real Betis in Sevilla – und dreht mächtig auf. Über die Wiedergeburt eines gefallenen Ausnahmekönners.
Isco glänzt im Dress von Real Betis
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Sevilla. Eine pittoreske Stadt mit zwei geschichtsträchtigen Klubs, die sich leidenschaftlich hassen. Real Betis Balompié auf der einen, der Sevilla Fútbol Club auf der anderen Seite.
Am vergangenen Sonntag trafen die beiden Erzfeinde wieder einmal im Gran Derbi aufeinander. Ausnahmezustand in der andalusischen Metropole. Um einen kleinen Eindruck zu gewinnen, wie besonders die Begegnung ist: Im Vorfeld fielen unzählige Betis-Fans ins Hotel Silken Al-Andalus, der Unterkunft ihrer Mannschaft ein, feierten in der Lobby ein rauschendes Fest mit Gesängen, Fahnen und allem drum und dran.
Ein Appell an ihre Helden, den unliebsamen Kontrahenten auf dem Platz nach allen Regeln der Kunst zu vermöbeln. Am Ende blieb der große Wunsch unerfüllt. Während die gegenseitige Abneigung auf den Rängen deutlich greifbar war, trennten sich Sevilla und Betis schiedlich-friedlich 1:1. Und das, obwohl Betis spielerisch überlegen war und die deutlich gefährlicheren Torchancen für sich verbucht hatte.
In der Vergangenheit wäre ein Remis durchaus als Erfolg gewertet worden, mittlerweile hat sich das Blatt in Sevilla jedoch gewendet.
Pellegrini verhilft Betis wieder zu Glanz
Der FC – und das hat mittlerweile bekanntlich Tradition – gewann zwar wieder einmal die Europa League, in der heimischen Liga laufen die Rot-Weißen ihren Ansprüchen aber seit geraumer Zeit hinterher (Platz 13). Betis klopft hingegen an den internationalen Rängen an, hat bereits neun Zähler mehr auf dem Konto, im vergangenen Jahr gewann die Mannschaft von Trainer Manuel Pellegrini sensationell die Copa del Rey.
Dem chilenischen Coach ist es gelungen, Betis wieder zu Glanz zu verhelfen. Doch nicht nur dem Klub im Allgemeinen, auch einem ganz besonderen Spieler hat Pellegrini wieder auf die Beine geholfen. Einem Spieler, den viele bereits abgeschrieben hatten: Francisco Román Alarcón Suárez, besser bekannt als Isco.
Isco. Da war doch was? Im Januar dieses Jahres bestimmte der 31 Jahre alte Mittelfeldmann plötzlich die Schlagzeilen in Deutschland. Der Grund: Isco stand vor einem Wechsel zu Union Berlin. Ein ehemaliger Real-Star in Köpenick, ein Königlicher beim Malocherklub? Was zunächst nach einem April-Scherz klang, nahm tatsächlich am letzten Tag des Transferfensters Formen an.
Posse um Isco und Union
Am Ende verkam die Geschichte aber zu einer Posse sondergleichen. Erste Meldungen machten die Runde, wonach der Deal geplatzt sei, kurz darauf zog Isco unverrichteter Dinge wieder ab. Im Nachgang schoben sich Klub und Spieler gegenseitig die Schuld für das Scheitern in die Schuhe. "Wir mussten feststellen, dass die vorher besprochenen Dinge von Seiten der Spieleragentur anders waren", sagte Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert.
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Isco trifft zum Medizincheck in der Berliner Charité ein
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"Bevor man einen Medizincheck durchführt, sind ja alle Dinge besprochen und waren für uns klar", ergänzte Ruhnert. "Dann wurden nochmal Änderungen am Vertrag gewünscht." Das gehe "so nicht", auf derlei Spielchen habe man sich nicht einlassen wollen, stellte der FCU-Boss klar.
Isco selbst brach erst Monate später sein Schweigen und schilderte die Sache freilich anders. "Union stand in der Bundesliga sehr gut da, war in der Europa League vertreten, der Vertrag war ein guter, das Projekt wirkte auch gut", erinnerte er sich im Gespräch mit der "Marca".
Isco über Union: "Respektlos"
Er habe den Vertrag an seinen Anwalt weitergeleitet, die Koffer gepackt und sei nach Berlin geflogen. Nach bestandenem Medizincheck habe sich die Gemengelage laut Isco verändert. Ihm sei gesagt worden, dass der Kontrakt nun doch geringer dotiert sein als ursprünglich ausgemacht. Im Anschluss habe es noch weitere Kürzungen geben sollen. "Binnen 15 Minuten haben sie die Hälfte am Vertrag geändert. Das war respektlos", schimpfte Isco.
Er schob nach: "Ich bin keine 18 mehr und es wäre nicht mein erster Vertrag gewesen, daher habe ich gesagt, dass ich das nicht unterschreibe."
Es mutete zunächst als bitteres Schlusskapitel einer erfolgreichen Karriere an. Bis ein alter Bekannter Isco aus der Versenkung holte: Besagter Pellegrini. Er war es, der Isco Anfang der 2010er Jahre beim FC Málaga groß raus brachte, er war es, der seinem einstigen Schützling eine neue Chance offerierte.
"Ich bin mir sicher, dass er immer noch stark ist, er hatte im vergangenen Jahr einige Probleme, aber ich kenne ihn schon sehr lange und bin von seiner Klasse überzeugt", sagte Pellegrini: "Es ist eine Herausforderung für ihn, er kann zeigen, dass er mit 31 Jahren noch in der Lage ist, auf höchstem Level abzuliefern." Isco unterschrieb ein Arbeitspapier bis Saisonende - und packte die Chance beim Schopfe.
Isco blüht bei Betis komplett auf
Ohne Anlaufzeit fand er unter seinem alten Mentor zurück zu alter Klasse. Seine nackte Bilanz nach 17 Pflichtspielen (drei Tore, drei Vorlagen) spiegelt nur bedingt wider, wie gut es wieder läuft. Isco ist Dreh- und Angelpunkt bei Betis, glänzt mit brillanten Dribblings und ist schon jetzt der Unterschiedsspieler, den sich die Verdiblancos in Abwesenheit Nabil Fekirs (feierte kürzlich sein Comeback nach Kreuzbandriss) erhofft hatten.
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Isco und Real Betis - das passt
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Kein anderer Spieler in Europas Top-Ligen kreierte in dieser Saison mehr Torchancen, neunmal (in 13 Ligapartien) verließ Isco den Platz als Spieler des Spiels. So auch im Gran Derbi, im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, wo sich ein Kreis für den Spielmacher schloss.
Denn: Isco verbindet eine traurige Geschichte mit der Heimspielstätte des FC Sevilla. Vor der bereits skizzierten Union-Farce stand er nämlich beim Stadtrivalen seines jetzigen Arbeitgebers unter Vertrag.
Isco und Sevilla-Boss gehen sich an die Gurgel
Nach viereinhalb Monaten endete das Engagement im Dezember 2022 jedoch in einer Schlammschlacht. Isco geriet eigenen Angaben zufolge sowohl verbal als auch körperlich mit Sevilla-Sportdirektor Monchi aneinander. "Ich sagte ihm, dass er der größte Lügner ist, dem ich in der Welt des Fußballs begegnet bin", erzählte Isco im Gespräch mit der "Marca". Daraufhin sei Monchi ihm an die Gurgel gegangen. "Er kam auf mich zu und packte mich am Hals. Wir mussten voneinander getrennt werden."
Mittlerweile hat Monchi Sevilla verlassen. Der 55-Jährige leitet seit Sommer den englischen Erstligisten Aston Villa. Auch ihm dürfte aber nicht entgangen sein, dass Isco dieser Tage in der altehrwürdigen Stadt wieder aufblüht. Ausgerechnet beim verhassten Nachbarklub, der nun darum bemüht ist, seinen neuen Liebling langfristig bis 2026 zu binden - und zu einer Rückkehr in die Nationalmannschaft zu verhelfen.
Vielleicht schreibt Isco also schon im kommenden Sommer, bei der EM, anderthalb Jahre nach seinem verrückten Intermezzo bei Union, wieder Schlagzeilen in Deutschland.
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Quelle: Perform
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